Parfüm: Diese sechs neuen Düfte sind perfekt für den Frühling


Sisology – On the Sofa

Was passiert, wenn südkoreanische Ästhetik auf europäische Parfümkunst trifft? Im besten Fall entsteht dabei etwas wie „Sisology“. Die Marke aus Seoul hat sich mit der Französin Joëlle Lerioux-Patris und dem Italiener Luca Maffei zwei Nasen ins Boot geholt, die auf ausgewogene, zarte Düfte spezialisiert sind. Das passt zu den südkoreanischen Beauty-Gewohnheiten: Auch dort steht Parfüm mittlerweile hoch im Kurs, wobei man leichtere Noten bevorzugt. Patris hat ihr Können bei Nischenmarken wie Jo Malone und Acqua di Parma bewiesen; Maffei absolvierte seine Ausbildung in Grasse und entwarf danach Düfte für Acca Kappa und das Florentiner Traditionshaus Santa Maria Novella. Bei Sisology übersetzen sie nun Geschichten in Düfte. Der Ansatz der koreanischen Firma zielt auf die Verbindung olfaktorischer Eindrücke mit dem Gedächtnis: So wie ein Schnappschuss einen glücklichen Moment festhält, kann auch ein Parfüm solche Erinnerungen in Sekundenschnelle zurückbringen. Das Kamerathema zieht sich dabei sogar durch Flaschen- und Verpackungsdesign. „On the Sofa“ beispielsweise ruft entspannte Momente ins Gedächtnis, in denen man sich mit einem Buch auf der Couch einkuschelt. Frische Bergamotte macht den Auftakt, ihr folgen strahlende Moschus- und weiche Holznoten, denen ein leichter Pfefferakkord Würze verleiht.

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Frederic Malle – Contre Jour

Riecht nach Sonne über dem Mittelmeer: Contre-Jour
Riecht nach Sonne über dem Mittelmeer: Contre-JourPR/ Frederic Malle

Gegenlicht heißt dieser Duft übersetzt, und ebenso überwältigend strahlt, was hier aus der Flasche kommt. Parfümeurin Annick Ménardo kombiniert gern Akkordblöcke und setzt dabei auf Kontraste. In der Vergangenheit schuf sie ikonische Klassiker wie „Hypnotic Poison“ für Dior (Vanille umspielt Maiglöckchen) oder „Lolita Lempicka“ (grüner Efeu rankt um Süßholzwurzeln). Auftragswerke für große Labels also, die dennoch keine Kompromisse eingingen, wie sie von Parfümeuren in dieser Position oft erwartet werden. Entsprechend unangepasst gibt sich auch „Contre-Jour“ – zumal Frederic Malle seinen Nasen freie Hand bei der Komposition lässt. Wie also riecht der neueste Streich von Ménardo? Als Herzstück hat sie sich die gelbe Immortelle-Blüte gewählt, ein immergrünes Gewächs des Mittelmeerraums, das mit einem krautigen, fast mineralischen Akkord den Duft eröffnet. Frische bringt eine spritzige Rose. Abgerundet werden diese Gegensätze von weichem Sandelholz. Was zunächst nach einem weiteren Flakon in der langen Reihe süßer Gourmet-Düfte klingen mag, entpuppt sich als eigenwillige Komposition, die mit schwerer Süße nichts im Sinn hat. Stattdessen findet man hier die trockene Sonne eines Mittelmeersommers eingefangen – kraftvoll, schön und unerwartet.

L’Artisan Parfumeur – L’amant

Wie Tinte auf einem Liebesbrief: L'Amant von L'Artisan Parfumeur
Wie Tinte auf einem Liebesbrief: L’Amant von L’Artisan ParfumeurALICIA DUBUIS

Beim französischen Duftlabel „L’Artisan Parfumeur“ ist der Name Programm: Hier sieht man den Parfümeur als Künstler, dessen Name sogar auf der Packung steht. Die neueste Kreation trägt also nicht nur inhaltlich Nathalie Lopsons Prägung. Die französische Parfümeurin, aufgewachsen in Grasse und eine der wenigen langjährigen weiblichen Nasen im Geschäft, wagt sich gern an auffällige Düfte mit ungewöhnlichen Facetten. Für YSL entwarf sie das opulente „Black Opium“, für das Nischenlabel Le Labo aus Brooklyn überführte sie mit „Poivre 23“ Pfeffernoten in warme Vanillegefilde. Ähnlich geht sie auch bei „L’Amant“ vor, dem neuen Duft von „L’Artisan Parfumeur“: Als Inspirationsquelle dienen die Briefe eines Liebespaares. Dem ersten Sprühstoß entfährt eine Tintennote, die sich so schnell verflüchtigt, wie Tinte auf Papier trocknet. Was auf der Haut zurückbleibt, ist ein warmer Holzgeruch, irgendwo zwischen edlem Papier und einem Bleistift aus Sandelholz. Ein Kollege, auf dessen Arm wir das Parfüm ebenfalls testen durften, erschnuppert noch eine scharfe Chilinote – jeder Liebesbrief braucht schließlich etwas Würze. Lopson geht in dieser mutigen Kreation sparsam damit um.

L’Entropiste – Semence Douce

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Wie riecht der Frühling? Wenn es nach L’Entropiste geht, dann nach Tulpen und saftigem Grün. Beide Noten machen den Auftakt von „Semence Douce“ – das schlüpfrige Namenswortspiel ist Absicht, denn Parfümeur Bertrand Duchaufour provoziert gern ein bisschen. Nicht nur mit Worten, auch bei seinen Kreationen, die zum Teil Kultstatus erlangt haben (manche Fläschchen mit seinen ungewöhnlichen Düften für „L’Artisan Parfumeur“ aus den späten Neunzigerjahren sind unter Sammlern begehrt; was Duchaufour an Komplexität erschuf, setzte Maßstäbe für Nischenparfüms). Vor zwei Jahren gründete er sein eigenes Label „L’Entropiste“. Wie vielschichtig sich ein Duft entwickeln kann, zeigt sich auch bei „Semence Douce“: Die leuchtenden Tulpen umhüllt nach wenigen Minuten Mandelmilch. Damit diese nicht zu süß wird, fügt Duchaufour noch etwas trockenen Safran hinzu. Ein ungewöhnlicher, strahlender Duft für die ersten warmen Tage.

Ormonde Jayne – Bijou Zafran

Wilde Landschaft: Bijou Zafran
Wilde Landschaft: Bijou ZafranMark Cocksedge

Von Reisen hat sich Linda Pilkington, die Frau hinter dem britischen Nischenparfümlabel Ormonde Jayne, gern für ihre Düfte inspirieren lassen. Für die neueste Kollektion „The Four Corners of the Earth Reimagines“ hat sie sich die Unterstützung dreier junger Parfümeurinnen geholt, die auf olfaktorische Reise an die entfernten Ecken der Welt gehen. Die neuen Parfüms entführen also in die kühlen Höhen des Atlasgebirges („Patchouli d’Atlas“) und zu den warmen Wüstenwinden der arabischen Halbinsel („Oud Liasons“). Für „Bijou Zafran“, die dritte Neuerscheinung dieser Reihe, kombinierte Élodie Bernard eine reife, saftige Birne mit würzigem Safran. Eine leichte Irisnote bringt zudem sanfte Trockenheit mit sich. Und Lederakkorde und ein Hauch Patschuli entführen in ferne Weiten. Der Trick von Ormonde Jayne gelingt auch diesmal: Das Parfüm ist mit 30 Prozent konzentriertem Parfümöl äußert lang haltend auf der Haut, ohne dabei ins Schwere zu kippen. Vielmehr verspricht auch „Bijou Zafran“ trotz des saftigen Fruchtakkords elegante, britische Zurückhaltung. Ein Duft gegen Fernweh für eine elegante Abenteuerin.

Penhaligon’s – Bold Blend

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Penhaligons, Parfümlieferant des britischen Königshauses, zeigt sich ironisch verspielt – und hat sich in diesem Frühjahr Mut auf seine Flaschen geschrieben. Im Stil alter Apothekenflakons gehalten sind die Düfte der „Potion“-Reihe, die in der Vergangenheit bereits einen Liebestrank („Liquid Love“ mit Rose und Ingwer) und ein Optimistenwässerchen („Kiss of Bliss“ mit Bergamotte und Klee) hervorbrachte. Angesichts der Weltlage kommt ein Fläschchen, das Zuspruch in schwierigen Zeiten verspricht, also gerade richtig. Wie riecht die mutige Mischung? Nach grünen Veilchenblättern und Muskatellersalbei, denen schwarzer Pfeffer etwas Feuer verpasst, das von Palo-Santo-Holz gezähmt wird. Mutig, aber sehr angenehm – was auch am Hauch Minze liegen kann, der noch nach Stunden des Tragens frisch und immer wieder überraschend aufsteigt.



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