EU lässt sich von russischen Drohungen nicht einschüchtern


Ungeachtet massiver russischer Drohungen mit Angriffen auf Kyjiw wollen sich die Ukraine und die Vertretung der Europäischen Union in der Hauptstadt nicht einschüchtern lassen. So wies die EU russische Aufforderungen zurück, ihr diplomatisches Personal abzuziehen.

Die EU-Vertretung werde in Kyjiw bleiben, ‌betonte die ⁠Leiterin ⁠des dortigen Büros, Katarina Mathernova. Russland wolle mit seinen Warnungen lediglich Panik säen und die Ukraine isolieren. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief ​die Verbündeten auf, sich der russischen Erpressung nicht zu beugen.

Lawrow rechtfertigt Drohung

Die Führung in Moskau ​hatte am Montag Ausländer sowie Diplomaten aufgefordert, Kyjiw so schnell ​wie möglich ‌zu verlassen. Die russischen Streitkräfte würden systematische Schläge gegen militärische und politische Entscheidungszentren in der Hauptstadt beginnen, hieß es.

Außenminister Sergej Lawrow ‌rechtfertigte das Vorgehen in einem Gespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio ‌als ​Reaktion auf ukrainische Angriffe gegen Zivilisten. Moskau verwies dabei auf einen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der von Russland kontrollierten Region Luhansk am Freitag. Die Ukraine wies dies zurück ​und erklärte, sie habe eine militärische Kommandoeinheit getroffen.

Russland Moskau 2025 | Gespräche zwischen Sergej Lawrow und Gideon Timotheos
Die Drohungen gegen Diplomaten in Kyjiw kommen aus seinem Haus: Russlands Außenminister Sergej LawrowBild: Dmitry Lebedev/Kommersant Photo Agency/Sipa USA/picture alliance

Die Drohungen folgen auf einen der schwersten Angriffe auf Kyjiw seit Beginn des Krieges vor mehr ⁠als ​vier Jahren. Am Sonntag hatte Russland Kyjiw massiv ​beschossen und dabei auch eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt. Es war das dritte Mal, ​dass diese Waffe zum ‌Einsatz kam. Bei den Angriffen kamen in der Hauptstadt zwei Menschen ums Leben, 91 wurden verletzt. Auch das Büro der Deutschen Welle und das ARD-Studio wurden massiv beschädigt und teilweise zerstört.

Neue Angriffe auf Odessa

Bei neuen russischen Luftangriffen wurde nach ukrainischen Behördenangaben im Osten des Landes mindestens ein Mensch getötet, 15 weitere wurden verletzt. In der Hafenstadt Odessa sei ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört worden, teilte der örtliche Gouverneur im Onlinedienst Telegram mit. In der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk wurden am Montagabend durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben zwölf Personen verletzt, darunter ein achtjähriger Junge. Laut den örtlichen Behörden war es bereits der dritte schwere Angriff auf die Stadt im Tagesverlauf.

Indien Neu-Delhi 2026 | US-Außenminister Marco Rubio nach Quad-Ministertreffen
Die USA wollen weiter im Ukraine-Krieg vermitteln: Außenminister Marco Rubio bei einem Pressestatement in Neu-DelhiBild: Julia Demaree Nikhinson/AP Photo/picture alliance

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, sein Land wolle weiter im Ukraine-Krieg vermitteln. „Jedes Mal, wenn man diese massiven Angriffe der einen oder anderen Seite sieht, ist dies eine mahnende Erinnerung daran, warum dies ein schrecklicher Krieg ist“, sagte Rubio während seines Besuchs in Indien. „Er muss beendet werden“, fügte er hinzu.

Putin lockt Rekruten mit Schuldenerlass

In Russland läuft unterdessen eine Kampagne für die Anwerbung zusätzlicher Soldaten. Präsident Wladimir Putin bot neuen Rekruten einen Schuldenerlass an. Dem vom Kreml veröffentlichten Dekret zufolge sollen sie von Schulden bis zu einer Höhe von umgerechnet knapp 120.000 Euro befreit werden. Die Regelung gilt demnach für alle Russen, die ab dem 1. Mai einen Vertrag mit der Armee geschlossen haben sowie für ihre Ehefrauen. 

Russland Sankt Petersburg 2026 | Werbeplakat für Militärdienst in der russischen Armee
Werbeplakat für den russischen Militärdienst in Sankt PetersburgBild: Dmitri Lovetsky/AP Photo/picture alliance

Die neuen Rekruten müssen sich den Angaben zufolge mindestens ein Jahr lang für „die Erfüllung der Aufgaben der militärischen Spezialoperation“ verpflichten, wie Moskau den Ukraine-Krieg nennt. Russland bietet Männern, die sich zu einem Einsatz in der Ukraine verpflichten, bereits seit mehr als vier Jahren lukrative Gehälter an. Putin hat sich zudem dafür eingesetzt, dass aus der Ukraine zurückkehrende Soldaten in der Heimat in hochrangige berufliche Positionen kommen.

gri/se (rtr, afp, dpa)



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