Nationalmannschaft Curaçao: Das ist der erste deutsche Vorrundengegner


Seit 2011
ist Curaçao Fifa-Mitglied. Nun wird es das kleinste Land, das je an einer WM teilgenommen
hat — sowohl gemessen an der Bevölkerung von rund 156.000 Einwohnern als auch
an der Fläche von 443 Quadratkilometern. Als autonomes Land im Königreich Niederlande
kann die Insel auf einen großen Pool an Spielern zurückgreifen, die ihre
Wurzeln in Curaçao haben, aber in den Niederlanden ausgebildet wurden.

Die
Mannschaft war auf die Qualifikation gut vorbereitet. Dass die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen
wird, war für sie ein Vorteil. »Wir wussten, dass wir in der Qualifikation nicht auf diese Teams treffen
würden, die sich oft als Stolperstein erwiesen haben«, sagte Torhüter Eloy Room
über die Qualifikation der Staaten Nord- und Mittelamerikas. »Das war für uns
alle ein echtes Zeichen nach dem Motto: Wenn es eine Chance gibt, die WM zu
erreichen, dann jetzt.«

Nach einem
5:1 gegen Haiti und einem torlosen Unentschieden gegen Trinidad und Tobago
wurde ihnen klar, dass etwas Besonderes möglich sein könnte. Dann kam das
Heimspiel gegen Jamaika, das Curaçao mit 2:0 gewann. Als sie im Rückspiel 0:0
unentschieden spielten, hatten sie das Unvorstellbare geschafft und sich für
die Weltmeisterschaft qualifiziert. Sie waren in allen zehn Spielen ihrer Qualifikation ungeschlagen geblieben.

»Ich
glaube, Gott war in dieser Nacht mit uns«, sagte Leandro Bacuna, der 34-jährige
Mittelfeldspieler und Kapitän Curaçaos, über das Rückspiel gegen Jamaika. »Alle
haben diese Spiele schon mal gesehen, ein paar Bälle an den Pfosten … auf
beiden Seiten. Aber unser Torwart war großartig. Es war eine Geschichte, die
für uns geschrieben wurde.«

Natürlich
wäre es ein riesiger Erfolg, die Gruppe mit Deutschland, der Elfenbeinküste und
Ecuador zu überstehen. »Wir wollen auch weiterhin so spielen wie in den
vergangenen Jahren, nämlich ballbesitzorientierten Fußball aus der eigenen
Abwehr heraus«, sagt der Torwart Eloy Room. »Aber wir werden uns anpassen
müssen, weil wir zu einer Weltmeisterschaft fahren, bei der wir möglicherweise
weniger Ballbesitz haben als unsere Gegner. Trotzdem müssen wir bei unseren
eigenen Stärken bleiben, denn wir können guten Fußball spielen.«

Der Trainer

© Robin van Lonkhuijsen/​ANP/​AFP/​Getty Images

Mit 78
Jahren wird Dick Advocaat der älteste Trainer sein, der je an einer
Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Er übertrifft den Rekord, den Otto Rehhagel bis zu dieser WM hielt. Er war 71 Jahre alt, als er Griechenland 2010 trainierte. Advocaat ist viel
rumgekommen in seinem Trainerleben, in Deutschland trainierte er mal kurz
Borussia Mönchengladbach. Nationaltrainer war er unter anderem in den
Niederlanden, Russland, Belgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dass er das Nationalteam Curaçaos, das er 2024 übernahm, zur Qualifikation führte, ist eine
der größten Leistungen seiner Karriere.

Im Februar
dieses Jahres trat Advocaat jedoch wegen einer Erkrankung seiner Tochter
zurück. Sein Landsmann, der ehemalige Schalketrainer Fred Rutten, ersetzte ihn.
Rutten hatte bereits 2023 Nationaltrainer in Curaçao werden sollen, konnte den
Job jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht übernehmen. Als klar wurde, dass
sich die Situation von Advocaats Tochter verbessert, gewann hinter den Kulissen
eine Bewegung an Fahrt, den immer noch beliebten Trainer zurückzuholen. Es
kursierten Gerüchte, Sponsoren würden Druck auf den Verband ausüben, Advocaat
wieder einzusetzen. Als sich die Lage zuspitzte, trat Rutten selbst zurück
und machte den Weg für Advocaats Rückkehr frei.

Der Star des Teams

© Saeed KHAN/​AFP/​Getty Images

Seit einem Jahrzehnt ist Leandro Bacuna Nationalspieler Curaçaos. Einige
Jahre hat er auf höchstem Niveau in der Premier League gespielt, drei Saisons
für Aston Villa und eine für Cardiff City. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder
Juninho Bacuna führt er die Mannschaft an. Die beiden gehören zu einer der
bekanntesten Fußballfamilien der Insel, auch ihr Bruder Johnsen und ihr Vater
John spielten für die ehemaligen Niederländischen Antillen.

Leandro
ist in der lokalen Bevölkerung außerordentlich beliebt. Auf Auslandsreisen
sieht man ihn oft dabei, wie er Teamkollegen mit dem Gepäck hilft oder andere
Aufgaben übernimmt – immer bereit, mit anzupacken, wenn er gebraucht wird.



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