EU und Ukraine starten Beitrittsverhandlungen – auch erste Gespräche mit Moldau – Politik
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Nach Angriff auf Kiew: Ukrainischer Geheimdienst zeigt Fotos von russischen Drohnenresten auf Klostergelände
Neue russische Exilpartei fordert Abzug aus der Ukraine
Trump spricht sich erneut für Ende der Kämpfe in der Ukraine aus
Starmer: Britische Armee stoppt Schattenflotte-Tanker
Russland meldet Abschuss von 185 ukrainischen Drohnen
EU startet Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine
Der Schritt der Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts gilt nach einer zweijährigen Hängepartie wegen einer Blockade Ungarns als wichtiges Zeichen an die Ukraine, dass sich ihre Reformanstrengungen lohnen. Das von Russland angegriffene Land wird nun im Zuge der vermutlich jahrelangen Verhandlungen zeigen müssen, dass es reif für einen EU-Beitritt ist. Dafür sind auch noch zahlreiche weitere Reformen zum Beispiel im Bereich der Korruptionsbekämpfung erforderlich. Am späteren Abend sollten auch noch die Beitrittsverhandlungen mit Moldau begonnen werden. Das Nachbarland der Ukraine musste wegen der ungarischen Blockade ebenfalls zwei Jahre auf den Gesprächsbeginn warten.
Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau waren eigentlich bereits im Juni 2024 formal begonnen worden. Die Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts mit der von Russland angegriffenen Ukraine wurde dann allerdings von Ungarn mit einem Veto blockiert, erst nach der Abwahl des langjährigen russlandnahen Regierungschefs Viktor Orbán im April kam wieder Bewegung in den Prozess. Der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar meldete Anfang Juni eine Einigung mit der Ukraine auf ein Abkommen zur Stärkung der Minderheitenrechte der ethnischen Ungarn im östlichen Nachbarland. Magyar hatte eine solche Einigung zur Bedingung dafür gemacht, den EU-Beitrittsgesprächen mit der Ukraine zuzustimmen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht in dem Verhandlungsbeginn einen „historischen Zeitpunkt für Europa und auch für die Ukraine“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Eröffnung der Verhandlungen über den ersten Themenblock am Rande des G-7-Gipfels als einen „gewaltigen Schritt nach vorn“. Die Ukraine habe bemerkenswerte Reformfortschritte absolviert, sagte sie.
Tote nach Luftangriffen auf Kiew und Charkiw – Kiewer Weltkulturerbe brennt
Bilder der Schäden am jahrhundertealten Höhlenkloster in Kiew machten in sozialen Netzwerken schnell die Runde – wobei unklar blieb, ob die weltberühmte Pilgerstätte wegen direkter Einschläge russischer Geschosse oder durch herabfallende Trümmer nach dem Einsatz der Flugabwehr in Brand geraten war. Moskau schob das Feuer auf die ukrainische Flugabwehr. Nach nicht überprüfbaren Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde das Bauwerk von einer Patriot-Rakete der Flugabwehr getroffen. Westliche Staaten hätten Kiew solche Raketen mit abgelaufenem Verfallsdatum übergeben, was zu der Situation auf dem Klostergelände geführt haben könnte, erklärte das Ministerium.
Die Klosteranlage auf den Hügeln am Fluss Dnipro steht unter dem Schutz der UN-Kulturorganisation Unesco und gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe. Ihre Ursprünge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Herzstück ist die 1941 im Zweiten Weltkrieg zerstörte und erst Ende der 1990er Jahre wieder aufgebaute Kathedrale.
In Kiew gab es Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge in drei Stadtteilen Einschläge und mindestens 23 Verletzte. 140 000 Einwohner seien vorübergehend ohne Strom. Militärgouverneur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt.
Auch aus anderen ukrainischen Regionen wurde heftiger Beschuss gemeldet. Allein in Charkiw seien fünf Rettungskräfte infolge der Luftangriffe getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete das ukrainische Onlineportal Kyiv Independent unter Berufung auf Gouverneur Oleh Synjehubow. In Dnipro habe es mindestens einen Verletzten gegeben, hieß es.
Russischer Mittelstreckenbomber über Sibirien abgestürzt
Den offiziellen Angaben nach stürzte die Maschine beim Landeversuch nahe der Ortschaft Kamenka im Baikalgebiet Irkutsk ab. Die Tupolew Tu-22M3 gehört zu den strategischen Luftstreitkräften Russlands und kann theoretisch auch Raketen mit Atomsprengköpfen abfeuern. Moskau setzt die Bomber in seinem Krieg gegen die Ukraine ein, um aus großer Entfernung Marschflugkörper auf das Nachbarland abzuschießen. Die Ukraine hat daher bereits mehrfach versucht, Exemplare dieses Flugzeugs zu zerstören – und war dabei eigenen Angaben nach auch schon erfolgreich.
Nach Expertenschätzungen gibt es noch etwa 60 Flugzeuge des Typs in Russland – jeder einzelne Verlust wiegt daher schwer. Offiziell gibt es allerdings keine genauen Angaben zur Anzahl.
Frankreich: Angriff auf Kiewer Kloster kommt Angriff auf Notre-Dame gleich
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) verurteilte die Tat in Kiew als „verabscheuungswürdigen Terrorakt“. Der Angriff auf das Kloster markiere einen neuen Tiefpunkt in Russlands Versuchen, die ukrainische Kultur zu zerstören. Der Angriff werde Deutschlands „unerschütterliche Unterstützung für die Freiheit der Ukraine nur noch stärken“.
EU beschließt neue Russland-Sanktionen
Die neuen Strafmaßnahmen wurden verabschiedet, während die Mitgliedstaaten parallel über ein umfassenderes 21. Sanktionspaket beraten, wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mitteilte.
Nach Angriff auf Kiew: Ukrainischer Geheimdienst zeigt Fotos von russischen Drohnenresten auf Klostergelände
Russland hatte zuvor den Brand am Höhlenkloster auf die ukrainische Flugabwehr geschoben. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, dass eine Rakete der ukrainischen Flugabwehr in das Heiligtum gekracht sei.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij kletterte selbst auf das Dach der massiv beschädigten Kathedrale, um sich mit Geistlichen und Regierungsvertretern ein Bild von den Schäden zu machen, wie auf einem von ihm veröffentlichten Video zu sehen war. Russland habe den Stadtteil mit dem Kloster absichtlich mit zwei Drohnen angegriffen. Selenskij drohte Moskau mit einer „gerechten Antwort“ Kiews. Zu den Behauptungen aus Russland äußerte er sich nicht.
Nach Regierungsangaben wird die Kirche wieder instand gesetzt. Der Brand wurde inzwischen gelöscht.
Neue russische Exilpartei fordert Abzug aus der Ukraine
Die Partei wolle – im Unterschied zur Führung von Kremlchef Wladimir Putin – die „wahren Interessen Russlands“ vertreten. „Unter diesen Interessen verstehen wir einen Abzug der Truppen aus der Ukraine und eine Absage an den Imperialismus, eine Garantie der Menschen- und Freiheitsrechte und einen gerechten Aufbau der Gesellschaft“, hieß es.
Die Exil-Opposition gilt als zerstritten. Immerhin sprachen auf dem Parteitag als Gäste Leonid Wolkow von der Stiftung zum Kampf gegen die Korruption (FBK), gegründet von dem in Haft gestorbenen Alexej Nawalny, sowie Marat Gelman vom russischen Anti-Kriegs-Komitee.
Ein weiterer Sammelpunkt der russischen Opposition ist eine Dialogplattform, ins Leben gerufen von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Die Bewegung Memorial, in Russland verboten, setzt ihre Menschenrechts- und Bildungsarbeit ebenfalls im Exil fort.
Selenskij: Angriff auf Kloster ist Verbrechen an christlicher Kultur
Der russische Angriff auf das Kiewer Höhlenkloster ist Präsident Wolodimir Selenskij zufolge ein schweres Verbrechen gegen die christliche Kultur. „Ein russischer Angriff auf die Kiewer Petscherska Lawra hat die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand gesetzt – eine Kirche, deren Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Und dies ist eines der bislang schwerwiegendsten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur“, schrieb Selenskij auf X. Er fordert die G-7-Staaten zudem auf, den Druck auf Russland zu erhöhen und die Hilfe für die ukrainische Luftabwehr zu verstärken.
Geistlicher: Ikonen des Höhlenklosters vor Brand gerettet
Der Geistliche dankte allen Klosterbrüdern und den anderen Beteiligten der Rettungsaktion für die Erhaltung der Kirchenschätze. Die Beseitigung der Folgen des Angriffs dauere an, sagte er.
Der russische Angriff führte auch zu großen Schäden im Nationalen Oleksandr-Dowschenko-Filmstudio in Kiew. In einem der ältesten Filmstudios der Ukraine sei ein Feuer ausgebrochen, teilte Kulturministerin Tetjana Bereschna bei Facebook mit. „Es wurde die größte und älteste Kostümsammlung der Ukraine vernichtet. Im Studio befanden sich rund 100 000 Kostüme und drei Millionen verschiedene Bekleidungsstücke“, sagte Bereschna, die auch stellvertretende Regierungschefin ist.
Neben der Kostümwerkstatt seien weitere Gebäude des Filmstudios beschädigt worden. Benannt ist die zu Sowjetzeiten gegründete Filmproduktionsstätte nach dem ukrainischen Regisseur Oleksandr Dowschenko (1894-1956).
„Russland greift weiterhin gezielt nicht nur die zivile Infrastruktur und die Zivilbevölkerung an, sondern auch kulturelle Einrichtungen, die die ukrainische Identität, das Gedächtnis und die Geschichte bewahren“, sagte die Ministerin. „Die Zerstörung kultureller Zentren ist ein Versuch, dem Gedächtnis, der Geschichte und der Eigenständigkeit des ukrainischen Volkes einen Schlag zu versetzen.“
Russland meldet Tote infolge ukrainischer Drohnenangriffe
Nach Angaben des Gouverneurs des russischen Gebietes Tula, Dmitri Miljajew, wurden in der Nacht drei Menschen infolge ukrainischer Drohnenangriffe getötet. Drei weitere seien verletzt worden, teilte er auf Telegram mit. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden. Zu möglichen Schäden oder Verletzten wurde bisher nichts bekanntgegeben.
Trump spricht sich erneut für Ende der Kämpfe in der Ukraine aus
Dem außenpolitischen Berater zufolge sagte Putin, dass die kürzlichen ukrainischen Angriffe auf „zivile Objekte auf russischem Gebiet“ eine Friedensregelung erschwerten. „Das wurde hervorgehoben“, sagte Uschakow. Dass Russland seit Jahren fast täglich zivile Ziele in der Ukraine attackiert, erwähnte er nicht. Der Kremlchef habe erklärt, dass diese Attacken die „Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld“ nicht ändern würden, so Uschakow weiter. Wenn der ukrainische Präsident Selenskij mit Putin reden wolle, könne er weiterhin nach Moskau kommen.
Selenskij gratulierte Trump ebenfalls per Telefon. „Es gab nicht nur die Gratulationen, sondern auch viele Schlüsselthemen: über den Krieg, dessen Wurzeln, diplomatische Möglichkeiten und die Positionen unserer Partner“, sagte Selenskij in einer Videobotschaft. Es sei ein langes und detailliertes Telefonat gewesen. Dabei sei ein Treffen beim am Montag im französischen Évian startenden G7-Gipfel vereinbart worden. Zuvor hatte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn Journalisten gegenüber von einer Gesprächsdauer von rund 30 Minuten gesprochen.
Starmer: Britische Armee stoppt Schattenflotte-Tanker
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei dem Schiff um den knapp 244 Meter langen Öltanker Smyrtos, der laut der Webseite marinetraffic.com unter der Flagge Kameruns fährt und von einem russischen Hafen kommt.
Kräfte der Marine und speziell ausgebildete Beamte der nationalen Kriminalpolizei hätten das Schiff geentert, hieß es in einer Mitteilung des britischen Ministeriums. Die Militäroperation habe sechs Stunden gedauert. Premier Starmer postete auf X auch ein Video von Soldaten mit Waffen im Anschlag, die den Tanker durchsuchen.
Das Schiff werde nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während die Ermittlungen andauern. Der Premierminister hatte im März zugestimmt, dass britische Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden Schiffe der Schattenflotte entern dürfen. Die Operation sei in enger Abstimmung mit Frankreich ausgeführt worden.
Ukraine trifft Industrieanlagen in Russland
Im Gebiet Jaroslawl sprach Gouverneur Michail Jewrajew von einem Drohnenangriff auf Industrieobjekte für die Lagerung von Kraftstoffen. Es sei ein Brand ausgebrochen. Verletzte gebe es nicht.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von insgesamt 249 Flugobjekten in verschiedenen Regionen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, es seien mehrere Drohnenangriffe abgewehrt worden. Der Flughafen Schukowski musste laut Behörden wegen Luftalarms geschlossen werden. Einschränkungen gab es demnach auch am Hauptstadtflughafen Domodedowo.
Atomkraftwerk Saporischschja wieder am Stromnetz
Nach fast drei Tagen ist das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Südosten der Ukraine wieder an das Stromnetz angeschlossen worden. Eine beschädigte Hochspannungsleitung sei repariert worden, teilten die von Moskau eingesetzte Kraftwerksleitung und der ukrainische Atomkonzern Energoatom übereinstimmend auf Telegram mit. Die seit Mittwoch zur Stromversorgung eingesetzten Dieselgeneratoren sind demnach wieder im Bereitschaftszustand.
Nach ukrainischen Angaben war es bereits der 19. Stromausfall, seitdem russische Truppen zu Kriegsbeginn im Frühjahr 2022 das Kraftwerk eroberten. Beide Kriegsparteien werfen einander regelmäßig vor, durch Kampfhandlungen für die Stromausfälle verantwortlich zu sein. Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas wurde daher aus Sicherheitsgründen heruntergefahren.
Russland: Toter nach ukrainischem Angriff auf Seeterminal
Das Feuerinformationssystem der Nasa zeigte zwei Brände auf der Halbinsel Taman an. Dort liegt am Rande der Siedlung Wolna ein großes Umschlagterminal für Öl und Ölprodukte, die dann über das Schwarze Meer verschifft werden.
Bei ihren Gegenangriffen nimmt die Ukraine verstärkt die russische Ölindustrie ins Visier. Kiew will damit den Treibstoffnachschub für Moskaus Truppen stören und die für Russlands Finanzierung des Kriegs wichtigen Einnahmen aus dem Ölgeschäft schmälern. Russische Besatzungsbehörden schränkten zuletzt die Ausgabe von Benzin ein und die Regierung in Moskau verhängte ein Ausfuhrverbot für Kerosin aus Russland.
Auf der anderen Seite haben auch russische Attacken in der Ukraine einmal mehr schwere Folgen für Zivilisten. In Saporischschja im Südosten des Landes sei ein Mensch bei einem russischen Angriff auf Infrastruktur getötet worden, teilte Militärgouverneur Iwan Fedorow mit. Neun Menschen wurden nach Angaben von Militärgouverneur Oleksander Hanscha bei mehreren Angriffen mit Drohnen und Gleitbomben in der Region Dnipropetrowsk verletzt. Mehrstöckige Wohnhäuser, Einfamilienhäuser und Autos seien beschädigt worden und auf einem Markt sei ein Feuer ausgebrochen.

