Zum Tod des CNN-Gründers Ted Turner


Ted Turner, der kämpferische Gründer des Fernsehsenders CNN, fasste seinen Hunger nach Größe einst im Gespräch mit Oprah Winfrey mit den Worten zusammen: „Wenn Alexander der Große die bekannte Welt erobern konnte, warum sollte ich dann nicht CNN gründen können?“

Wie niemand sonst stand Turner, der 1938 in Cincinnati geboren wurde, für das Zeitalter des 24-Stunden-Kabelfernsehens. Zunächst hatte er das Werbetafelunternehmen seines durch einen Freitod verstorbenen Vaters übernommen. Als er 1980 CNN gründete, gehörten Turner bereits mehrere Fernsehsender, ein Baseball- und ein Basketballteam.

Der erste durchgängig sendende Nachrichtenkanal der USA, dessen Name schlicht für „Cable News Network“ steht, fand sein erstes Zuhause im Gebäude eines einstigen Country Clubs in Atlanta. Von der Konkurrenz verspottet, machte Turner damit anfangs Millionenverluste. Aber nach und nach baute er ein globales Netz von Korrespondentenbüros auf. CNN sendete als einzige Station live, als 1986 die Raumfähre Challenger und ihre Besatzung verunglückten. Zu Beginn des Irakkrieges 1991 hatte nur der Sender mit Peter Arnett einen Reporter, der live aus Bagdad berichtete.

Ted Turner auf seiner Flying D Ranch in der Nähe von Bozeman, Montana.
Ted Turner auf seiner Flying D Ranch in der Nähe von Bozeman, Montana.AP

Turner sei „ein Visionär, ein Wegbereiter, ein Unruhestifter, ein Wohltäter“ gewesen, der unbeirrt an sein Produkt geglaubt habe, sagte der frühere CNN-Nachrichtenchef Eason Jordan in einem Radiointerview. Und Robert Edward Turner III. war ein Exzentriker mit teilweise widersprüchlichen politischen Überzeugungen, dem die Öffentlichkeit nicht nur aufgrund seines Charmes vieles verzieh, sondern auch, weil er als Verkörperung des amerikanischen Unternehmertums schlechthin galt.

Freundschaftliches Verhältnis zu Fidel Castro

Einerseits pflegte Turner, der in Savannah in Georgia und Chattanooga in Tennessee aufwuchs, enge Kontakte zu Evangelikalen und der rechten John Birch Society. Andererseits hatte er zum Beispiel ein freundschaftliches Verhältnis zu dem verstorbenen kubanischen Staatschef Fidel Castro, wegen dem sein Konkurrent Rupert Murdoch ihn für verrückt erklärte. Den Vereinten Nationen spendete Turner eine Milliarde Dollar, investierte Millionen in Umweltschutzprojekte und gründete die „Nuclear Threat Initiative“, um ungesichertes Atommaterial in aller Welt zu sichern. Seine Philanthropie inspirierte das „Giving Pledge“, die Spendeninitiative von Warren Buffett, Bill Gates und anderen Milliardären.

Turner, der sich für seine diversen Unternehmen immer wieder hoch verschuldete, verkaufte 1996 CNN und den Rest seiner Firma Turner Broadcasting System an Time Warner, das fünf Jahre später von AOL übernommen wurde. Er sprach später oft darüber, dass er den Verkauf und vor allem die Übernahme durch AOL bitter bereue.

Im Laufe seines Lebens heiratete Turner dreimal und wurde ebenso oft geschieden. Er war Vater von fünf Kindern. Seine dritte Ehe schloss der Milliardär 1991 mit der Oscarpreisträgerin Jane Fonda, die in den USA für ihren politischen Aktivismus ebenso bekannt ist wie für ihre Filme. Zehn Jahre später wurde auch diese Ehe geschieden. Fonda schrieb in dieser Woche, sie nehme Abschied von einem „großen Romantiker“, der ihr Leben für immer verändert habe. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hatte Turner 2018 bekannt gegeben, dass er an der degenerativen Krankheit Lewy-Body-Demenz (LBD) leide. Am vergangenen Mittwoch verstarb er im Alter von 87 Jahren in Lamont in Florida.



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