Commerzbank-Übernahme durch Unicredit: Das müssen Comdirect-Kunden wissen

Unicredit-Angebot
Mögliche Commerzbank-Übernahme: Das müssen Kunden wissen
Welche Folgen hätte eine Commerzbank-Übernahme durch die Unicredit? Ein Bankenexperte erklärt, welche Kunden besonders betroffen wären, ob Gebühren steigen und warum die Einlagensicherung entscheidend wird
Die Bundesregierung diskutiert laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die Staatsbeteiligung an der Commerzbank aufzustocken. Damit könnte sie eine Übernahme durch die italienische Unicredit verhindern.
Insidern zufolge wird laut Reuters erwogen, die staatliche KfW zu nutzen, um das Aktienpaket von knapp zwölf Prozent zu vergrößern; so ließe sich zumindest eine vollständige Übernahme durch die Unicredit vereiteln. Bei den Beteiligten herrscht dazu Schweigen: KfW, Bundesregierung und Commerzbank wollten sich nicht äußern.
Was aber, wenn der Unicredit am Ende doch die Übernahme gelingt? Was würde das für Kunden der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect bedeuten?
Commerzbank- und Comdirect-Kunden betroffen
Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sagt, Kunden wären unterschiedlich davon betroffen: „Wenn zwei große Banken zusammengehen, kann es passieren, dass bestimmte Leistungen teurer werden.“ Treffen würde das seiner Einschätzung nach vor allem Firmenkunden, also etwa Betriebe aus dem Mittelstand, die auf die Commerzbank als Hausbank für Exportfinanzierungen und große Kreditlinien setzen. „Das hat man in anderen Ländern bereits gesehen, etwa bei Unternehmenskrediten nach großen Bankenfusionen.“
Auf Privatkunden der Commerzbank hätte eine Übernahme laut Bankenexperte Burghof kaum Auswirkungen. „Im deutschen Privatkundengeschäft dürfte der Effekt gering ausfallen, weil es dort viel Wettbewerb gibt.“ Kundinnen und Kunden hätten viele Alternativen und könnten die Bank vergleichsweise leicht wechseln. Aus diesem Grund sei es „unwahrscheinlich, dass sich die Konditionen für Privatkunden dramatisch verschlechtern“.
Für Kunden der Commerzbank-Tochter Comdirect dürfte sich laut Burghof ebenfalls kaum etwas ändern. „Comdirect-Kunden dürften wenig betroffen sein.“ Die Bank sei bereits sehr schlank aufgestellt, und wegen des Wettbewerbs habe sie keinen großen Spielraum, Preise zu verändern. „Ich sehe kein großes Potenzial für Einsparungen.“
Filialschließungen oder Zusammenlegungen sind möglich. Der Trend zu weniger Filialen wird aber in der gesamten Bankenbranche spürbar werden, weil immer mehr Menschen ihr Konto ausschließlich digital nutzen.
Knackpunkt Einlagensicherung
Was Bankkunden jedoch wissen sollten: Im Falle einer Übernahme könnte die Einlagensicherung ein Knackpunkt sein. Die Unicredit ist eine italienische Bank. Rein rechtlich macht es zwar zunächst keinen Unterschied, welcher Staat im Falle einer Schieflage einspringt und den Sparern ihr Geld zurückzahlt. Innerhalb der EU sind Einlagen generell bis 100.000 Euro abgesichert – „unabhängig davon, in welchem Mitgliedstaat die Bank sitzt“.
Doch für den Fall, dass ein Staat in Schieflage gerät, spielt seine Bonität eine Rolle. Während hinter der Commerzbank der deutsche Staat steht und auf die Bestnote AAA kommt, bewerten Ratingagenturen Italien nur mit BBB.
Im Krisenfall sei das Länderrating relevant, sagt Burghof. „Wir bewegen uns geopolitisch in einer Phase, in der internationale Regeln wie das Völkerrecht infrage gestellt werden, und auch das Recht der EU ist zwischenstaatliches Recht.“ In einer Krise könne es also sehr wohl eine Rolle spielen, in welchem Land eine Bank sitze und welcher Staat letztlich hinter ihr stehe. „Im Extremfall ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Sparer bei einer Bank im eigenen Land einen Ausgleich bekommt.“
