Ukraine News: Trotz Selenskijs Waffenruhe Angriffe auf beiden Seiten – Politik
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Ukrainische Waffenruhe angelaufen: Weniger Angriffe auf beiden Seiten
Viele Tote und Verletzte nach russischen Bombenangriffen
Russland verkündet Waffenruhe für 8. und 9. Mai – Ukraine für Nacht auf 6. Mai
Viele Tote durch russische Angriffe in der Ukraine
Ukrainische Drohne beschädigt Wohnhaus nahe Moskaus Zentrum
Selenskij: Russland ignoriert Waffenruhe
Die Ukraine hatte für 0 Uhr Ortszeit am Mittwoch (Dienstag 23 Uhr MESZ) eine Waffenruhe auf unbestimmte Zeit ausgerufen und Russland aufgefordert, sich dieser anzuschließen. Moskau hatte davor jedoch erklärt, nur am Freitag und Samstag anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai das Feuer einzustellen.
Mit ihrem Duell um eine Waffenruhe versuchen Selenskij und Putin mutmaßlich, US-Präsident Donald Trump von ihrem Friedenswillen zu überzeugen. Trump und Putin hatten Ende April am Telefon über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai gesprochen. Allerdings hat sich Kiew immer wieder für einen dauerhaften Waffenstillstand ausgesprochen, dem ein Friedensschluss mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine folgen soll. Moskau lehnt längere Waffenruhen ab und setzt trotz zunehmender Schwierigkeiten darauf, seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen.
Frau bei Drohnenangriff im Nordosten der Ukraine getötet
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Moskau vor, erneut einen realistischen und fairen Aufruf zur Beendigung der Feindseligkeiten ignoriert zu haben, wie er auf der Plattform X schrieb. Das zeige, dass Russland Frieden ablehne. Sybiha sprach von einem vorgetäuschten Aufruf Russlands zu einer Feuerpause am 9. Mai, die nichts mit Diplomatie zu tun habe. Kremlchef Wladimir Putin interessiere sich nur für Militärparaden, nicht für Menschenleben, schrieb Sybiha. Er forderte mehr Druck auf Russland.
Ukrainische Waffenruhe angelaufen: Weniger Angriffe auf beiden Seiten
Am Morgen scheinen sich die Hoffnungen zu erfüllen: Die Angriffe in der Nacht waren geringer. Die ukrainische Luftwaffe meldete zwar am Morgen, dass Russland seit Dienstag 18 Uhr (17 Uhr MESZ) mit drei Raketen und 108 Drohnen angegriffen habe. Davon seien 89 Drohnen abgewehrt worden. In der Nacht zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe noch Angriffe mit elf ballistischen Raketen und 164 Drohnen gezählt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte russischen Agenturen zufolge mit, dass in der Nacht 53 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim abgewehrt worden seien – deutlich weniger als zuletzt.
Die Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, erläuterte der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow: „Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort.“ Selenskij hatte zuvor gesagt, Kiew werde spiegelbildlich reagieren, wenn die russische Seite sich nicht daran halten sollte. Von russischer Seite hat Kremlchef Wladimir Putin einseitig eine Waffenruhe nur für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Selenskijs Ankündigung einer früheren Feuerpause wurde in Moskau den Dienstag über nicht kommentiert.
Kurz vor dem erklärten Beginn der Feuerpause attackierte die ukrainische Armee die Krim mit Drohnen. Dabei seien in der Stadt Dschankoj fünf Zivilisten getötet worden, teilte die russische Besatzungsverwaltung der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit. Über der Hafenstadt Sewastopol war Flugabwehr im Einsatz. Am Vortag gab es auch in der Ukraine Tote und Verletzte nach russischen Angriffen.
Viele Tote und Verletzte nach russischen Bombenangriffen
Zeitgleich wurden in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk nach Behördenangaben mindestens neun Menschen durch drei russische Bomben getötet. Es gebe zudem 16 Verletzte, teilte der Zivilschutzdienst bei Telegram mit. Dutzende Menschen mussten psychologisch betreut werden. Den Angaben nach wurde eine große Zahl an Wohnhäusern und Autos beschädigt. Mehrere Brände wurden gelöscht. Die Industriestadt im hart umkämpften Gebiet Donezk ist nur rund 15 Kilometer von der Frontlinie entfernt.
Ukraine attackiert Rüstungsfabrik und Raffinerie in Russland
Tscheboksary liegt etwa 1000 Kilometer von der Front entfernt. Insgesamt wurde sogar in 18 russischen Regionen Raketenalarm ausgerufen, darunter erstmals auch in dem im asiatischen Teil Russlands liegenden autonomen Kreis der Chanten und Mansen.
Im Norden Russlands wurde derweil einmal mehr die Raffinerie Kirischinefteorgsintes angegriffen. Der Gouverneur Alexander Drosdenko bestätigte einen Brand im Industriegebiet der Stadt Kirischi, zweieinhalb Stunden von St. Petersburg entfernt. Insidern zufolge stellte die Raffinerie den Betrieb ein. Bei der Attacke seien drei der vier Rohöldestillationsanlagen beschädigt worden und ein Feuer ausgebrochen, sagen zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Dauer der Reparaturarbeiten sei schwer abzuschätzen. Die vom Konzern Surgutneftegas kontrollierte Anlage ist für etwa sieben Prozent der gesamten russischen Ölverarbeitung verantwortlich. Eine Stellungnahme des Unternehmens liegt zunächst nicht vor.
Russland schränkt mobiles Internet vor Weltkrieg-Siegesparade ein
Reporter der Nachrichtenagentur Reuters in Moskau berichteten, dass das mobile Internet in verschiedenen Teilen der Hauptstadt nicht funktionierte. Telefongespräche waren demnach weiterhin möglich. Russische Mobilfunkbetreiber, die Großbank Sberbank und die Taxi-Sparte des Internetkonzerns Yandex hatten zuvor angekündigt, dass es zu Interneteinschränkungen und Störungen bei der Nutzung ihrer Dienste kommen könnte.
Die Parade zum Gedenken an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde in diesem Jahr wegen der Bedrohungslage bereits verkleinert. Seit der Invasion in der Ukraine vor vier Jahren hat Russland die Kontrolle über das Internet bereits massiv verschärft.
Selenskij wirft Russland „blanken Zynismus“ vor
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte eine Waffenruhe am 8. und 9. Mai anlässlich der Feierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland ausgerufen. Selenskij schlug daraufhin eine Kampfpause vor, die bereits früher beginnen solle, und zwar in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Zur Dauer machte er keine Angaben.
Ukraine: Vier Tote bei russischem Luftangriff in Region Poltawa
Der Zivilschutz teilte mit, dass unter den Toten zwei Einsatzkräfte seien. Nach einem ersten Angriff attackierte Russland den Einsatzort demnach ein zweites Mal. Unter den Verletzten sind demnach weitere 23 Rettungskräfte. Außerdem ist laut Djakywnitsch ein Industrieunternehmen beschädigt worden, wodurch die Gasversorgung von fast 3500 Haushalten unterbrochen wurde. Auch die Bahninfrastruktur sei bei dem nächtlichen Angriff beschädigt worden.
Drohne beschädigt Geräte am AKW Saporischschja
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi habe erneut zu größter militärischer Zurückhaltung in der Nähe aller Nuklearanlagen aufgerufen, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden. Das Atomkraftwerk Saporischschja wurde in den ersten Wochen der russischen Invasion im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt. Seitdem werfen sich beide Seiten regelmäßig gegenseitig militärische Aktionen vor, die die Sicherheit der Anlage gefährden könnten.
Russland verkündet Waffenruhe für 8. und 9. Mai – Ukraine für Nacht auf 6. Mai
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij lehnte Russlands Vorschlag für die Feuerpause zunächst als „nicht ernst gemeint“ ab. Kiew habe bislang keinen offiziellen Vorschlag erhalten, betonte er. Wenig später verkündete Selenskij überraschend eine eigene Feuerpause. „Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr (23 Uhr deutscher Zeit) in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“, teilte er mit.
„Wir sind der Ansicht, dass menschliches Leben einen unvergleichlich höheren Wert hat als die „Feier“ irgendeines Jahrestages“, schrieb Selenskij bei Telegram. „Es ist an der Zeit, dass die russischen Machthaber konkrete Schritte zur Beendigung ihres Krieges unternehmen, wenn schon das russische Verteidigungsministerium der Ansicht ist, dass es ohne den guten Willen der Ukraine keine Parade in Moskau abhalten wird“, fügte er an.
Viele Tote durch russische Angriffe in der Ukraine
Bei verschiedenen Angriffen im südukrainischen Gebiet Cherson kamen nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft zwei Männer ums Leben. Ein 72-Jähriger wurde demnach durch Artilleriebeschuss im Dorf Schyroka Balka getötet, ein 71-Jähriger bei Beschuss im Dorf Komyschany.
Auch in der benachbarten Region Saporischschja gab es weitere Todesopfer. Bei russischen Drohnenangriffen wurden nach Behördenangaben in der Kleinstadt Wilnjansk mindestens zwei Menschen getötet und vier verletzt. Der Ort liegt rund 35 Kilometer von der Frontlinie entfernt.
Selenskij: Ukrainische Drohnen über Moskauer Siegesparade?
„In diesem Sommer wird der Moment kommen, an dem (Russlands Präsident Wladimir) Putin entscheiden wird, was er weiter tun will, den Krieg auszuweiten oder den Weg der Diplomatie einzuschlagen“, sagte Selenskij laut Mitschnitt seiner Rede. Bei der Parade zur Erinnerung an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg werde Moskau zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Militärtechnik mehr zeigen. „Und es könnten auch ukrainische Drohnen über dieser Parade fliegen. Das zeigt, dass sie nicht so stark sind wie früher.“
Das Verteidigungsministerium hat schon vor Tagen angekündigt, dass bei der Parade am 9. Mai keine Panzer und Raketen gezeigt werden. Das könnte aus Furcht vor ukrainischen Drohnen sein. Beobachter in Moskau verweisen aber auch darauf, dass die triumphierende Zurschaustellung der Militärmacht nicht zur derzeit gedrückten Stimmung in Russland passen würde.
Ukrainische Drohne beschädigt Wohnhaus nahe Moskaus Zentrum
Zwar meldet Russland häufig ukrainische Drohnenangriffe auf den Großraum Moskau, allerdings zielen diese eher auf Militäranlagen und Vororte. Zivile Infrastruktur wird in der Hauptstadt selten beschädigt. Die meisten Drohnen werden staatlichen Angaben zufolge abgeschossen. Für die Nacht zu Montag meldete das russische Verteidigungsministerium 117 angeblich abgefangene feindliche Drohnen.
Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits Ende April mitgeteilt, aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen finde die Militärparade am Samstag in diesem Jahr ohne Panzer und Raketen statt. Russland feiert am 9. Mai traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg 1945.
Großbritannien will sich an EU-Milliardenkredit für die Ukraine beteiligen
Der im April von der EU gebilligte Kredit an Kiew soll einen Großteil des ukrainischen Finanzbedarfs für die kommenden zwei Jahre decken. Das Geld ist überwiegend für Militärausgaben im seit vier Jahren andauernden Krieg gegen Russland vorgesehen. Die zusätzlichen Gelder könnten der Regierung zufolge zudem britischen Rüstungsunternehmen neue Aufträge bescheren.
Tote nach ukrainischen Drohnenangriffen
Durch einen ukrainischen Drohnenangriff sind in der grenznahen russischen Region Belgorod mindestens zwei Menschen getötet worden. Eine Frau sei zudem mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow bei Telegram mit. Die dreiköpfige Familie sei in ihrem Auto im Dorf Netschajewka von einer ukrainischen Drohne attackiert worden. Die Siedlung ist knapp acht Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt.

