Obermann schwört SAP auf den Wandel ein

Die Aktionäre des Softwarekonzerns SAP haben den Wachwechsel eingeleitet und René Obermann in den Aufsichtsrat gewählt. Vom nächsten Jahr an soll der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Interimschef Pekka Ala-Pietilä ablösen und das Aufsichtsgremium von Europas größtem Softwarehersteller leiten. Den Aufsichtsratsvorsitz des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus will Obermann abgeben und sein Mandat auslaufen lassen, um mehr Zeit für SAP zu haben.
An Obermann hängt viel. Just in einer Zeit, in der KI das Geschäftsmodell der alten Softwarekonzerne angreift und die Aktienkurse fallen, hat der Abschied von Mitgründer und Übervater Hasso Plattner aus dem Aufsichtsgremium für Unruhe gesorgt. Der von Plattner als Nachfolger auserkorene ehemalige Deloitte-Chef Punit Renjen musste nach einem Streit über unterschiedliche Rollenverständnisse eines Aufsichtsrates seinen Hut nehmen. In der Not übernahm der ehemalige Nokia-Chef Ala-Pietilä übergangsweise die Arbeit.
„Endlich eine überzeugende Lösung“
Obermann startet mit großem Rückhalt der SAP-Aktionäre. Er sei endlich eine überzeugende Lösung, sagt die Sprecherin des Anlegerverbands DSW auf der digital abgehaltenen Hauptversammlung. Gewählt wurde Obermann mit mehr als 99 Prozent der anwesenden Stimmen.
Zuvor hatte der Dreiundsechzigjährige klargemacht, dass er seine Aufgabe aktiv angehen wird. Er werde das Führungsteam um Vorstandschef Christian Klein kritisch begleiten, erklärte er weiter. Zugleich werde er mit „Inspiration und Motivation auch positiv wirken“. Obermann wird nachgesagt, er sei detailverliebt.
Marathon, kein Sprint
Jedem sei klar, dass Gewinner und Verlierer der KI-Revolution noch vor Ende des Jahrzehnts ausgemacht würden. SAP habe gute Chancen, auf der Gewinnerseite zu sein, diese Entwicklung sei kein Selbstläufer, sondern erfordere „herausfordernde Change-Prozesse“. Deshalb müssten alle Sozialpartner nach seinen Worten „extrem gut zusammenarbeiten“. Rechtzeitig die Weichen zu stellen, brauche Kraft, weil es nicht sofort auf Verständnis und Applaus stoße. Wenn technologische Umbrüche und deren Auswirkungen bereits für alle erkennbar seien, sei es oft zu spät, um die Richtung eines Unternehmens noch zu ändern. Im Bewusstsein dieser Aufgabe in einer sehr besonderen Zeit habe er sich zur Wahl gestellt.
Der Vorstandsvorsitzende Christian Klein schwor Investoren auf Veränderungen ein und bat wiederholt um Zuversicht für die eingeschlagene Strategie. Die Zweifel am Markt betreffen nach seinen Worten alle Unternehmen, die Software als Service anbieten. SAP habe einen klaren Plan, der Wandel sei ein Marathon, kein Sprint. Kein Job bei SAP werde so bleiben, wie er sei. Die Transformation verändere den Konzern von innen heraus, „vollständig und schnell“.
Skepsis sei für den Konzern nicht neu: Mit dem Aufkommen des Internets sei schon einmal das Ende der Programme zur Unternehmenssteuerung prophezeit worden. Ohne Prozesswissen sei aber E-Business nicht skalierbar, und ebendieses Prozesswissen sei auch im Zeitalter der KI unverzichtbar.
Generative KI wird Unternehmen wie SAP nach Kleins Worten nicht ersetzen, weil sie nicht auf sensible Geschäftsdaten und Prozesse ausgelegt sei. SAP verstehe 120 geschäftskritische Prozesse, könne Daten in den richtigen Zusammenhang stellen und für klare Regeln und Kontrolle sorgen.
Finanzvorstand Dominik Asam sagte, dass bereits in zwei Dritteln der Cloud-Vertragsabschlüsse KI-Komponenten enthalten seien. Zugleich räumte Vorstandschef Klein ein, dass noch nicht jeder Kunde in der Lage sei, KI produktiv einzusetzen. Deshalb biete SAP der Kundschaft Hilfe beim Wandel an. „Vertrieb und Beratung wachsen bei SAP deshalb immer stärker zusammen.“
