Wie Menschen auf den Krieg und ihre Zukunft blicken


NOPO-Polizei auf den Straßen Teherans

Polizei auf den Straßen Teherans. „Das Regime überwacht jeden an jedem Ort“, erzählt eine Iranerin ZDFheute.

Quelle: ddp


Noch hält der brüchige Waffenstillstand zwischen Iran, den USA und Israel. Offiziell ist der Krieg aber noch immer nicht beigelegt. Wie blicken die Menschen in Iran auf ihre Situation? Drei Menschen haben ZDFheute diese Frage beantwortet.

Überwachung durch Regime in Iran

Eine Frau, 50 Jahre und aus Karaj, schreibt:

Die Leute draußen denken, dass der Krieg Grund für unsere Probleme ist. Die Wahrheit aber ist, dass der Zusammenbruch der Wirtschaft unser Leben schon sehr lange bestimmt. Lange vor dem Ausbruch der Gewalt konnte ich keinen Job finden. Ich habe einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Überall habe ich mich beworben. Aber alle haben mir das Gleiche gesagt: „Wir können niemanden einstellen. Wir versuchen nur irgendwie zu überleben.“

Um die Leute, die uns geschrieben haben, vor möglichen Repressionen zu schützen, werden ihre Namen nicht genannt. Die drei Menschen, die weiterhin in Iran leben, sind der Redaktion aber persönlich bekannt.


Viele meiner Freunde hat es noch schlimmer getroffen. Einer hatte eine Stahlbaufirma. Er hat Leute entlassen, hat Tag und Nacht gearbeitet. Und trotzdem musste er das Unternehmen, das er über viele Jahre aufgebaut hatte, am Ende dicht machen.

Reza Pahlavi bei Maybrit Illner

Der iranische Exilpolitiker Reza Pahlavi schreibt im Interview mit ZDF-Moderatorin Maybrit Illner dem Westen eine Mitverantwortung dafür zu, dass das iranische Terrorregime die Welt erpresst.

23.04.2026 | 7:03 min


Dann ging der Krieg los. Ja, das hat uns erschüttert. Es gibt jetzt so eine Angst, ob es hier morgen noch sicher ist. Aber der Krieg hat unsere Krise nicht ausgelöst. Er hat nur alte Wunden noch weiter vertieft. Heute lebe ich ohne Internet. Ohne ein simples Recht, das jeder haben sollte.

Und wenn ich rausgehe, sind an jeder Ecke Kontrollen. Das Regime überwacht jeden an jedem Ort.

Frau aus Karaj

Präsident Trump sagt, es habe in Iran einen Regimewechsel gegeben. Da hat er wohl recht. Den hat es gegeben. Die Revolutionsgarden haben jetzt die volle Kontrolle über alles und jeden in Iran. Niemand weiß, wo der neue Oberste Führer ist. Sie sagen dem Volk, es gäbe einen neuen. Aber sie zeigen ihn nicht. Und für mich ist der neue noch schlimmer als der vorherige. So fühlt es sich gerade an, hier zu leben: Du liebst dieses Land von Herzen. Aber es macht dich traurig zu sehen, was aus ihm geworden ist.

Us-Präsident Trump vor einer Karte von Iran

US-Präsident Trump hat die auslaufende Waffenruhe vorzeitig verlängert. Iran war nicht daran beteiligt. ZDFheute live schaut auf die aktuellen Entwicklungen in Iran und der Straße von Hormus.

23.04.2026 | 33:03 min


Ich lebe wieder bei meinen Eltern – mit 50 Jahren. Die beiden sind nicht mehr jung, um nicht zu sagen, sehr alt, um die 80. Und sie lehnen Krieg aus ganzem Herzen ab. Sie haben sowohl die islamische Revolution als auch den irakisch-iranischen Krieg miterlebt.

Sie machen sich Sorgen, weil sie wissen, was Krieg für ein Land und die einfachen Leute bedeutet.

Frau aus Karaj

Manchmal sitzen wir abends zusammen. Und unterhalten uns. Wir reden ganz leise. Meine Eltern sagen: „Wir haben schon viel Unsicherheit gesehen in unserem Leben. Wir wollen nicht, dass unser Land noch einmal zerstört wird.“

Orient-Experte Dr. Andreas Reinicke zugeschaltet aus seinem Büro

Nahost-Experte Reinicke bei ZDFheute live zur Lage in Iran und dem erfolglosen Vorgehen Trumps. Die Iraner säßen jetzt in einer besseren Position als vor einem halben Jahr, so Reinicke.

23.04.2026 | 22:29 min


Angst, Unruhe und Ungewissheit in Teheran

Eine Frau, 51 Jahre und aus Teheran, berichtet:

Seit fast zwei Monaten sind Wörter langsam aus den Nachrichten und von den Bildschirmen in mein Leben geglitten und haben sich darin eingenistet – so sehr, dass sie mir nicht mehr fremd sind: ballistische Rakete, Marschflugkörper, Drohne, Diaspora, Wut, Verhandlung, Waffenstillstand, Zustimmung, Straße von Hormus, amerikanisch-zionistischer Krieg, Naher Osten, Sackgasse, Katastrophe, Infrastruktur, Steinzeit, Vermittler, Öl, Belagerung und so weiter.

Jedes dieser Wörter bringt eine Last aus Angst und Unruhe mit sich. Doch noch beängstigender als all das ist die Stille, die sich zwischen ihnen eingenistet hat – eine Stille namens „Ungewissheit“. Niemand spricht darüber. Ungewissheit ist erschöpfender als Krieg, zermürbender als jede Katastrophe.

Wenn eine Katastrophe kommt, ist ihre Natur klar: Sie kommt, erschüttert, zerstört und geht vorüber. Aber die Ungewissheit vergeht nicht.

Frau aus Teheran

Reza Pahlavi

Reza Pahlavi, Sohn des letzten iranischen Schahs, ist in Berlin. Er könnte eine Schlüsselfigur werden, wenn es darum geht, das Regime dort zu stürzen. Unumstritten ist er jedoch nicht, wie sein Besuch zeigt.

23.04.2026 | 2:00 min


Und wir, müde von diesem endlosen Stillstand, schauen nur zu – auf Tage, die kommen und gleichförmig vergehen, auf eine Zukunft, die mit jedem Tag ferner wird, und auf uns selbst, die wir langsam in diesem Schwebezustand aufgerieben werden.

Vielleicht wird der Krieg eines Tages enden. Aber diese Ungewissheit ist etwas, das den Menschen lautlos, ungesehen, an der Grenze zwischen Sein und Nichtsein festhält.

Menschen fühlen sich vom Westen übersehen

Ein Mann, 25 Jahre und aus Teheran, erzählt:

Seit mehr als vier Monaten sind wir einfach nur am Leben – lebendig, aber ohne wirklich zu leben. Wünsche und Hoffnungen haben einem bloßen Kampf ums Überleben Platz gemacht. Für mich, einen 25-jährigen Mann, dessen Start in die Berufslaufbahn zeitgleich mit der Katastrophe vom 8. und 9. Januar zusammenfiel, ist kein einziger Tag, kein einziger Moment ohne Traurigkeit und Depression, Stress und Angst, schlaflose Nächte und Tränen vergangen.

Ein Mitglied der iranischen paramilitärischen Basij-Truppe zeigt bei einer Militärparade außerhalb von Teheran das Victory-Zeichen.

Der Krieg zwischen den USA und Iran stärkt vor allem die iranischen Revolutionsgarden. Sie sind inzwischen die Herrscher im Land und schwören das Volk auf einen langen Kampf ein.

22.04.2026 | 6:06 min


Vier bis fünf Monate sind vergangen, ohne auch nur einen Cent Einkommen – während feste und zusätzliche Kosten, darunter der Kauf eines VPN-Zugangs für das globale Internet, regelmäßig und ununterbrochen gedeckt werden mussten. Viele sind gezwungen, ihre eigenen Besitztümer zu verkaufen, um ihre Lebenshaltungskosten zu bestreiten.

Es spielt keine Rolle, in welcher Position oder sozialen Schicht man sich befindet: Das ist hier wie die Titanic, und das Wasser hat alle Ebenen erreicht. Wir alle, wirklich alle, gehen unter. Ich wünschte, wir wären Palästinenser oder Ukrainer – vielleicht würden dann im Westen unsere Namen und die unserer Verstorbenen gerufen werden.

Die Frage ist: Hört ihr nicht hin – oder wollt ihr nicht hören?

Mann aus Teheran

Zusammengestellt von Katja Belousova

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Die Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt liegt in Trümmern, nachdem eine Reihe von Angriffen der USA und Israels die Anlage zerstört hat

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Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa maybrit illner am 23.04.2026 ab 22:15 Uhr und ZDFheute live am 23.04.2026 ab 15:22 Uhr in der Sendung „Wie es in Iran weitergeht„.



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