WHO warnt vor Nikotinbeuteln | tagesschau.de
Sie schmecken nach Gummibärchen oder Lakritz und sind in Deutschland verboten. Trotzdem werden Nikotinbeutel vor allem bei jungen Leuten immer beliebter. Nun schlägt die WHO Alarm.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer zunehmenden Verbreitung von Nikotinbeuteln. Die meist zwischen Oberlippe und Zahnfleisch platzierten Produkte machten süchtig und hätten schwere gesundheitliche Folgen, mahnt die WHO und kritisiert das Marketing der Anbieter.
Anbieter wollten eine neue Generation von Konsumenten in die Abhängigkeit treiben, so die Organisation. „Es besteht ein dringender Bedarf, unsere Jugend vor der Manipulation durch die Industrie zu schützen“, sagte Etienne Krug, Direktor der zuständigen Abteilung bei der WHO.
Hintergrund sei etwa, dass der Absatz von Zigaretten zurückgehe und Tabakkonzerne ihr Angebot auf Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel ausweiteten.
Vermarktung als Lifestyle-Produkt
Die WHO wirft den Unternehmen vor, gezielt junge Menschen über soziale Medien und Influencer anzusprechen. Das zeigten etwa die Geschmacksrichtungen wie Gummibärchen oder Lakritz. Die Nikotinbeutel würden als cooles Lifestyle-Produkt vermarktet oder als etwas, mit dem man heimlich, in der Schule oder vor den Eltern versteckt, Regeln brechen könne.
Anbieter werben mit dem „Nikotin-Rausch“, der Gefühle von Vergnügen und Zufriedenheit auslösen soll. In Wirklichkeit ist Nikotin ein Nervengift aus der Tabakpflanze und kann inzwischen auch synthetisch hergestellt werden. Beim Rauchen gelangt es über die Lunge ins Gehirn, bei Nikotinbeuteln über die Mundschleimhaut.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) verweist auf mehrere Gesundheitsrisiken. Demnach erhöht Nikotin das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen. Es kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen.
Verkauf deutlich gestiegen
Der Absatz von Nikotinbeuteln lag der WHO zufolge 2024 bei mehr als 23 Milliarden Stück. Das ist ein Anstieg von mehr als 50 Prozent in Vergleich zum Vorjahr, berichtet die WHO. 2025 seien damit umgerechnet fast sechs Milliarden Euro umgesetzt worden.
Der größte Markt sind demnach die USA mit einem Anteil von 80 Prozent. Auch in Deutschland und Schweden seien die Nikotinbeutel populär. Ihr Verkauf ist hierzulande zwar verboten, dennoch werden die Beutel über den Schwarzmarkt vertrieben und sind im Internet bestellbar.
Forderung nach strengeren Verboten
Die WHO weist Behauptungen zurück, Nikotinbeutel könnten helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Häufig passiere das Gegenteil: Raucher konsumierten zusätzlich Nikotin, weil sie die Beutel dort nutzten, wo Rauchen verboten ist, ansonsten aber weiterrauchten.
Die Organisation fordert Regierungen auf, Nikotinbeutel stärker zu regulieren. Um den Konsum einzudämmen, brauche es eine Reihe von Maßnahmen. Dazu gehörten etwa Verbote oder strenge Beschränkungen für Aromen, Werbeverbote und Gesundheitswarnungen auf Verpackungen. Zudem sollten Kinder und Jugendliche besser über die Risiken aufgeklärt werden.
