Trumps China-Reise: Ein schlechter Deal
Kolumne
Das größte Paradoxon des Trump-Besuchs bei Xi Jinping
Viele Chinesen interessierten sich beim Besuch Trumps mehr für die mitgereisten Tech-Milliardäre als für den Präsidenten selbst. Für Trump ist der Besuch die nächste Pleite
Elon Musk brachte die chinesische Social-Media-Szene zum Beben. Genauer gesagt sein sechsjähriger Sohn, der an der Hand seines Vaters mit einer Umhängetasche mit einem landestypischen gestickten Tigerkopf zu einem offiziellen Treffen tippelte. Und auch Nvidia-Chef Jensen Huang sorgte für viel Aufsehen am Rande des Besuchs von Donald Trump in Beijing. Ein Video mit dem Milliardär in einer Garküche beim Verzehr einer Schale von Zha Jiang Mian-Nudeln ging sofort viral. Überhaupt konnte man unter chinesischen Jugendlichen den Eindruck gewinnen, dass sie sich in der vergangenen Woche mehr für die Tech-Legenden in Trumps Begleitmannschaft interessierten als für den Präsidenten selbst, der in China wenig Ansehen genießt und zunehmend als Witzfigur empfunden wird.
Zwar tummelten sich in der vergangenen Woche auch die Vertreter vieler anderer Branchen in der Wirtschaftsdelegation, aber die Tech-Milliardäre stachen weithin hervor. Das war vielleicht das größte Paradoxon des ganzen Trump-Besuchs: Die wichtigsten Repräsentanten der amerikanischen Unternehmenswelt, die alle Kameras auf sich zogen, machen in der Realität keine oder nur stetig zurückgehende Geschäfte in der Volksrepublik. Der Meta-Konzern Mark Zuckerbergs? Sowohl Facebook als auch WhatsApp sind in China verboten. Der Chip-Hersteller Nvidia Jensen Huangs? Darf seine modernsten Halbleiter nicht nach China exportieren. Der Handy-Konzern von Apple-Chef Tim Cook? Verlagert seine Produktion aus der Volksrepublik zunehmend nach Indien und kooperiert vorrangig mit Xi Jinpings Erzfeind Taiwan. Und Elon Musk? Verkauft immer weniger Tesla-Autos im Reich der Mitte. Und sein Starlink-System gilt dort als militärische Bedrohung, dessen Satelliten man im Zweifel abschießen will.
Amerikanische Konzerne wie Google oder WhatsApp dominieren beinahe die gesamte Welt – außer China. Dort tummelt man sich auf der Internet-Plattform Weibo, nutzt die Suchmaschine Baidu und vertraut auf die Künstliche Intelligenz von DeepSeek. Und das alles vor allem aus einem Grund: Weil der Staat alles kontrollieren will, um die Macht der Kommunistischen Partei für alle Zeiten zu sichern. Wenn man über die Notwendigkeit der Abkopplung redet, sollte man niemals vergessen: China koppelt sich selbst immer stärker vom Westen ab und setzt auf Autarkie. Westliche Konzerne sind nur so lange willkommen, wie man ihre Technologie braucht.
Trumps „Deals“ bringen nichts
Es gehört zu den größten Treppenwitzen der Geschichte, dass sich das Regime Xi Jinpings als strikter Verfechter des freien Welthandels geriert, den eigenen Markt aber über weite Strecken abschottet, wenn es den eigenen Machtinteressen dient. Das gilt zum Beispiel auch für die globalen Finanzmärkte: Xi Jinping redet verstärkt über die „Weltwährung“ Yuan, verhindert aber die freie Konvertierbarkeit seiner Währung. Denn ein stärkerer Yuan würde das chinesische Exportwunder begrenzen und in einigen Branchen sogar beenden.
Donald Trumps Versuch, „Deals“ für die amerikanische Wirtschaft abzuschließen, bringen seine Industrie nicht vorwärts. Die Chinesen kaufen vielleicht mehr Erdgas und mehr Sojabohnen in den USA, aber mehr auch nicht. Selbst beim Verkauf von Boeing-Flugzeugen entscheidet am Ende der Preis. Wirtschaftlich war seine Visite in Beijing genauso wenig ein Erfolg wie politisch.
Bernd Ziesemer
ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint regelmäßig auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.
