Tina Müller: Die Managerin spricht über ihre erste Million

Erfolg
Tina Müller über ihre erste Million
„Ich habe mit zehn meine erste Aktie gekauft“: die frühere Douglas- und heutige Weleda-Chefin Tina Müller über Geldanlage, Karriere und ihren Weg zur ersten Million
Frau Müller, was war zuerst da: Ihre Begeisterung für Marketing oder für Kosmetikprodukte?
TINA MÜLLER: Das Marketing! Nach dem Abitur habe ich ein Praktikum bei Apollinaris gemacht, damals eine Weltmarke aus meiner Heimat Bad Neuenahr. Es gab dort – ungewöhnlich für die Zeit – eine Marketingleiterin, die an einer neuen Flasche arbeitete. Das hat mich beeindruckt.
Die meisten kennen Sie als Ex-CEO der Parfümeriekette Douglas. Wie landeten Sie in der Branche?
Ich habe BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert und meine Diplomarbeit bei L’Oréal geschrieben. Nach kurzer Station bei Wella fing ich als Angestellte bei Henkel an. Der Kosmetik bin ich immer treu geblieben – bis auf eine Ausnahme …
Zur Person
Tina Müller, 57, ist CEO beim Schweizer Naturkosmetikhersteller Weleda (Jahresumsatz: 485 Mio. Euro). Zuvor war sie Vorstandsvorsitzende bei der Parfümerie Douglas und Opel-Marketingchefin.
Ihr Managerposten bei Opel.
Der Job folgte auf den bittersten Tiefpunkt meiner Karriere: Ich hatte den Vertrag für meinen ersten Vorstandsposten bei Beiersdorf unterschrieben, konnte ihn wegen eines Wettbewerbsverbots aber nicht antreten. Dann kam das Angebot für Opel. Ich bin nach Detroit geflogen und habe Mary Barra kennengelernt, die bis heute CEO von General Motors ist. Von dem Treffen war ich so angetan, dass ich zugesagt habe. Opel war eine große Herausforderung, weil die Marke sehr gelitten hatte.
Konnten Sie das ändern?
Wir haben die Kampagne „Umparken im Kopf“ entwickelt und damit zumindest erreicht, dass sich die Marktanteile nicht weiter verschlechtert haben. Opel wurde dann verkauft, und ich erhielt 2017 das Angebot von Douglas.
Wann war Ihre erste Million da?
Den finanziellen Grundstein habe ich in meiner Kindheit gelegt. Als ich zehn oder zwölf Jahre alt war, kaufte ich zusammen mit meinem Vater meine erste Aktie – von BASF, weil mein Großvater dort gearbeitet hat. Seitdem war ich vom Thema Geldanlage begeistert. Als ich später bei Henkel 17 Jahre im Angestelltenverhältnis Schritt für Schritt die nächste Stufe erklommen habe, war es dann so weit: Mit dem, was ich bis dahin verdient und angelegt hatte, war die erste Million verdient.
Gönnen Sie sich Luxus?
Ich sage oft: Luxus leiste ich mir, wenn ich in Rente bin. Tatsächlich habe ich sehr wenig Zeit, um Geld auszugeben. Am ehesten investiere ich in Urlaub, bevorzugt in Gesundheitsresorts. Auf keinen Fall kaufe ich fünf Handtaschen im Monat.
Wie lassen Sie Ihr Geld heute für sich arbeiten?
Ich lege es weiterhin in Aktien, ETFs und Anleihen an. Das mache ich zum Teil selbst, ein Teil läuft über eine Vermögensverwaltung. Seit einigen Jahren investiere ich zudem in Start-ups, meistens zwischen 50.000 und 100.000 Euro und nur in solche, bei denen es mindestens eine Frau im Gründungsteam gibt.
Was raten Sie Frauen, die beruflich aufsteigen wollen?
Wer ein Angebot für einen hohen Posten erhält, muss schnell „Ja“ sagen und manchmal auch „Hier“ schreien. Frauen sind oftmals zögerlich und fragen sich: Bin ich wirklich schon so weit? Traue ich mir das zu? In der Zwischenzeit zieht die Gelegenheit vorbei.
Erschienen in Capital 6/2026
