Generalstreik bei Samsung vorerst abgewendet: Die Hintergründe
Tausende Angestellte des Technologiekonzerns Samsung hatten im April für bessere Löhne demonstriert.
23.04.2026 | 0:26 min
Im Tarifstreit bei Samsung Electronics hat der südkoreanische Technologiekonzern eine vorläufige Einigung mit der Gewerkschaft erzielt und damit einen Streik vorerst abgewendet. Rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter hatten zuvor einen 18-tägigen Generalstreik angedroht. Der ab Donnerstag geplante Streik wäre der mit Abstand größte in der Konzerngeschichte gewesen.
Hintergrund ist ein Konflikt um die Höhe von Bonuszahlungen an die Belegschaft, nachdem der südkoreanische Elektronikriese im Zuge eines anhaltenden Booms rund um Künstliche Intelligenz Rekordgewinne erzielt hat.
Was ist zur Einigung bekannt?
Unter Vermittlung von Arbeitsminister Kim Young Hoon habe man eine vorläufige Einigung auf einen neuen Tarifvertrag erzielt, teilte die Gewerkschaft mit. Sie habe beschlossen, den geplanten Streik auszusetzen und die Vereinbarung den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen. Die Abstimmung soll Gewerkschaftschef Choi Seung-ho zufolge vom 22. bis 27. Mai stattfinden. „Bis auf Weiteres“ seien Streiks verschoben. Samsung bestätigte die vorläufige Einigung.
Wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, soll die Vereinbarung eine Lohnerhöhung von 6,2 Prozent sowie die Einführung eines leistungsabhängigen Bonus für den Halbleiterbereich in nicht näher genannter Höhe umfassen.
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Was sind die Forderungen der Gewerkschaft?
Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn. Der zentrale Streitpunkt ist aber die Höhe der Jahresboni für die Samsung-Mitarbeiter in der Halbleiter-Abteilung. Die Gewerkschaft fordert, dass 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns des Unternehmens als Boni ausgeschüttet werden – und zwar dauerhaft. Derzeit sind die Boni der Mitarbeiter auf 50 Prozent des Grundgehalts begrenzt. Aufgrund der historisch hohen Profite handelt es sich um enorme Summen.
Basierend auf einem prognostizierten Gewinn von etwa 300 Billionen Won für das Jahr 2026 (umgerechnet etwa 171 Milliarden Euro) würden die Gewerkschaftsforderungen einem durchschnittlichen Jahresbonus in Höhe von rund 350.000 Euro pro Mitarbeiter entsprechen. Die Summen würden allerdings nur an die Belegschaft der Halbleiter-Sparte fließen.
Warum eskalierte der Konflikt?
Hintergrund ist, dass Samsung Electronics im ersten Jahresquartal dank des anhaltenden KI-Booms den höchsten Gewinn seit Unternehmensgründung erzielt hat. Der Betriebsgewinn für den Zeitraum Januar bis März beträgt 57,2 Billionen Won (umgerechnet knapp 33 Milliarden Euro) – in etwa das Achtfache des Vorjahreszeitraums.
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Der Rekordgewinn von Samsung wird vor allem von der anhaltend starken Nachfrage nach Computerchips angetrieben. Fast 94 Prozent des Gesamtgewinns des Unternehmens wurden von der Halbleitersparte des Unternehmens erzielt.
Was ist die Position der Konzernführung von Samsung?
Samsung argumentiert, dass die Halbleiterbranche starken Schwankungen unterliegt, und man sich aufgrund der zyklischen Volatilität nicht langfristig auf hohe Bonuszahlungen einlassen möchte. Ebenso betont das Management, dass man hohe Summen für Investitionen bereithalten müsse, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch würden hohe Boni an die Halbleiter-Belegschaft Spannungen mit anderen Konzernabteilungen erzeugen, die deutlich geringere Auszahlungen erhalten.
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Was sagt Südkoreas Präsident Lee Jae Myung zu dem Konflikt?
Der seit letztem Jahr regierende Präsident Lee Jae Myung hat sich bislang vorsichtig kritisch geäußert. „Arbeitnehmer sollen für ihre Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung erhalten können“, schrieb Lee auf der Online-Plattform X am Montag. Jedoch sollten auch Aktionäre, die durch ihre Investitionen potenzielle Risiken und Verluste tragen, Anspruch auf ihren Anteil am Unternehmensgewinn haben.
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In einer vorherigen Stellungnahme kritisierte Südkoreas Präsident die Forderungen der Gewerkschaft als „exzessiv“. Die Aussagen des 62-Jährigen sind bemerkenswert, da er aus dem politisch linken Lager stammt, sich einst als Anwalt für die Rechte von Arbeitern engagierte und einen gewerkschaftlichen Hintergrund hat.
Wie hoch wäre der wirtschaftliche Schaden eines Streiks?
Die südkoreanische Zentralbank schätzt in einem internen Bericht, dass ein Generalstreik bei Samsung das Wirtschaftswachstum des Landes für dieses Jahr um 0,5 Prozentpunkte ausbremsen würde. Demnach würden sich die potenziellen Verluste auf rund 20 Milliarden US-Dollar belaufen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.
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Auch die US-amerikanische Handelskammer in Südkorea äußerte eine Warnung, in der es hieß, ein langer Generalstreik könne globale Lieferketten unterbrechen und Südkoreas Ruf als verlässlichen Technologie- und Produktionsstandort beschädigen. Tatsächlich gibt es bereits jetzt Engpässe bei der Chipproduktion, da die weltweite Nachfrage nach Halbleitern das Angebot deutlich übersteigt.
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Quelle: dpa, AFP, Reuters
