Spritpreise Deutschland: So stark belasten Benzin und Diesel wirklich
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Fünf Minuten Arbeit pro Liter: So stark belasten die Spritpreise wirklich
Die Spritpreise sind gestiegen, doch im Verhältnis zu den Einkommen ist die Belastung nach Berechnungen des Ifo-Instituts nicht außergewöhnlich hoch. Ausnahme sind Geringverdiener
Die gestiegenen Preise für Benzin und Diesel belasten Arbeitnehmer nach Ansicht von Experten des Dresdner Ifo-Instituts nicht mehr als in vergangenen Jahren. Grund dafür seien die stetig gestiegenen Löhne, teilte das Institut mit. Den Berechnungen zufolge musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im April etwa fünf Minuten für einen Liter Benzin arbeiten. In den vergangenen 35 Jahren waren es demnach zwischen drei und sechs Minuten.
„Die Schließung der Straße von Hormus erhöhte zwar die Preise, die Belastung für den durchschnittlichen Arbeitnehmer in Deutschland fällt im historischen Vergleich aber dennoch nicht ungewöhnlich hoch aus“, sagte der Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Marcel Thum. Die stetig gestiegenen Löhne der vergangenen Jahrzehnte hätten den starken Anstieg der Spritpreise abgedämpft. Der Arbeitsaufwand für einen Liter Benzin liege trotz gestiegener Preise aktuell noch immer in der Spanne von drei bis sechs Minuten.
Grundlage der Berechnung sind die Spritpreise gemessen an den Nettolöhnen und dem Arbeitsvolumen zwischen den Jahren 1991 und 2025. Für das laufende Jahr wurde ein Lohnanstieg von zwei Prozent unterstellt. © Ifo Institut
Für einen Liter Diesel liege die benötigte Arbeitszeit zwar eher am oberen Ende, aber keineswegs in neuen Dimensionen. „Selbst bei Spritpreisen von 240 Cent pro Liter Super oder 250 Cent pro Liter Diesel liegt die benötigte Arbeitszeit meist unter den Werten der Jahre 2006 bis 2013“, sagte Ifo-Experte Joachim Ragnitz.
Die Autoren betonen aber zugleich, dass die Belastung für einzelne Haushalte unterschiedlich stark ausfallen kann. „Natürlich stellen die hohen Spritpreise vor allem für Haushalte mit niedrigem Einkommen, die auf das Auto angewiesen sind, eine stärkere Belastung dar“, sagte Thum. „Pauschale Entlastungen wie Tankrabatte kommen aber in gleichem Maße Haushalten mit mittlerem und hohem Verbrauch zugute. Gleichzeitig fallen Steuerausfälle an, die die Allgemeinheit tragen muss.“ Mobilitäts- und Steuerdaten zeigen den Forschern zufolge, dass ein höherer Kraftstoffverbrauch mit einem höheren Einkommen einhergeht. Für hohe Verbrauchsmengen (100 Liter im Monat) ergeben sich demnach Mehrkosten von etwa 40 bis 60 Euro pro Monat durch die jüngsten Preissteigerungen.
Preisschock zu Beginn des Ukrainekriegs war heftiger
Laut dem Statistischem Bundesamt sind die Preisanstiege bei Energie wegen des Irankriegs ähnlich stark wie in früheren Öl- und Weltwirtschaftskrisen – aber weniger heftig als zu Beginn des Ukrainekriegs 2022. Das zeigen Daten zur Preisentwicklung unter anderem für Sprit und Heizöl in den vergangenen 50 Jahren.
Im März zahlten Verbraucher an Tankstellen in Deutschland demnach im Schnitt 17,3 Prozent mehr für Superbenzin und 29,7 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren ein Fünftel (20 Prozent) teurer. Die Verbraucherpreise für leichtes Heizöl stiegen fast um die Hälfte (44,4 Prozent) im Vergleich zu März 2025.
Die Preisanstiege bei Sprit und Energie unmittelbar zu Beginn des Ukrainekriegs waren noch deutlich stärker: Im März 2022 zahlten Verbraucher an deutschen Tankstellen im Mittel fast 42 Prozent mehr für Superbenzin und knapp 63 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 46,8 Prozent teurer. Für leichtes Heizöl mussten Verbraucher sogar fast zweieinhalbmal so viel (+144,4 Prozent) bezahlen wie im März 2021.
Der Nahost-Krieg wirke sich zurzeit wegen des hohen Ausgangsniveaus der Energiepreise weniger deutlich aus als der Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022, schrieben die Statistiker.
© Destatis
Starke Preissprünge bei Energie gab es in den globalen Krisen der vergangenen Jahrzehnte immer wieder: In der ersten Ölkrise der Jahre 1973/1974 verteuerten sich Kraftstoffe binnen eines Jahres um fast ein Drittel (32 Prozent), so das Statistische Bundesamt. In der zweiten Ölkrise 1979/1980 lag der Preisanstieg für Kraftstoffe bei 28 Prozent über ein Jahr. In der globalen Finanzkrise 2008/2009 schwankten die Energiepreise an den Weltmärkten stark. In der Coronapandemie brachen sie zunächst ein und erholten sich ab Mitte 2020 wieder.
dpa/rtr/kb
