Nahost-Liveblog: ++ Iranischer Angriff auf Frachter gemeldet ++


Tanker liegen in der Straße von Hormus.


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Stand: 22.04.2026 • 10:58 Uhr

Laut der britischen Seehandelsaufsicht ist ein Frachter in der Straße von Hormus von Irans Revolutionsgarde angegriffen worden. Trotz der angekündigten Verlängerung der Waffenruhe melden die Ölmärkten keine echte Entspannung.

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

Im Norden des Westjordanlands hat es palästinensischen Berichten zufolge durch Brände in der Nacht mehrere Verletzte gegeben. Acht Palästinenser, darunter ein Kleinkind, seien behandelt worden, die meisten wegen einer Rauchvergiftung, hieß es in palästinensischen Medien. Eine Person habe auch Verbrennungen erlitten. Israelische Siedler hätten in einem palästinensischen Dorf in der Nähe der Stadt Nablus Autos in Brand gesetzt und auch versucht, ein Haus anzuzünden, berichte unter anderem die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Israels Armee sagte auf Anfrage, sie gehe den Berichten nach.

Die israelische Zeitung Times of Israel berichtete, keiner der beteiligten Siedler sei bislang festgenommen worden. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte die Angriffe radikaler Siedler auf Palästinenser im März zwar als „moralisch und ethisch inakzeptabel“ verurteilt. Den israelischen Sicherheitskräften wird jedoch immer wieder vorgeworfen, sie gingen nicht entschlossen genug gegen die Gewalt der Siedler vor oder stellten sich sogar auf deren Seite.

Katharina Willinger, ARD-Studio in Istanbul, zur Taktik des iranischen Regimes.

Markus Spieker, ARD-Korrespondent in Neu-Delhi, Indien, und zurzeit in Islamabad, Pakistan, über die Blockade der Straße von Hormus und die Chancen einer möglichen zweiten Verhandlungsrunde zwischen Iran und den USA.

Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) hat eine weitere Meldung über einen Vorfall in der Straße von Hormus erhalten. Der Kapitän eines auslaufenden Frachtschiffs habe gemeldet, acht Seemeilen westlich von Iran beschossen und gestoppt worden zu sein. Die Besatzung sei vollständig und wohlauf. Es seien keine Schäden am Schiff gemeldet worden.

Unter welcher Flagge das Schiff unterwegs ist und von wem es angegriffen wurde, geht aus der Meldung nicht hervor.

Nach dem Beschuss eines Frachtschiffs vor der Küste Omans haben iranische Medien den Angriff bestätigt. Das iranische Nachrichtenportal Nour News berichtet, die Revolutionsgarde habe das Feuer auf das Schiff erst eröffnet, nachdem dieses Warnungen iranischer Kräfte ignoriert habe. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars bezeichnete den Angriff als rechtmäßige Durchsetzung der Kontrolle Irans über die Straße von Hormus.

Laut US-Präsident Donald Trump steht Iran wegen der fortdauernden Schließung der Straße von Hormus kurz vor dem finanziellen Kollaps. „Iran bricht finanziell zusammen!“, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Die Islamische Republik „hungert nach Geld“, fügte er hinzu.

Trump zufolge wolle Teheran eigentlich, dass die strategisch wichtige Meerenge „sofort geöffnet wird“. Die Islamische Republik habe allerdings erklärt, die Straße von Hormus weiter zu blockieren, weil sie damit „ihr Gesicht wahren“ könne, führte Trump weiter aus.

Irans Revolutionsgarde hat nach einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten Verlängerung der Waffenruhe erhöhte Wachsamkeit gefordert. Die iranischen Streitkräfte seien auf dem „Höhepunkt der Bereitschaft“ zur Fortsetzung der Kampfhandlungen, hieß es in einer Erklärung der Eliteeinheit. In einer neuen Phase der Eskalation könnten die Streitkräfte „vernichtende und für den Feind unvorstellbare Schläge gegen die verbleibenden Vermögenswerte“ in der Region ausführen.

Bei einem israelischen Drohnenangriff im Osten des Libanon sind nach libanesischen Angaben ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden. Der Angriff ereignete sich „im Morgengrauen am Stadtrand von al-Dschabur in West-Bekaa“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. NNA meldete darüber hinaus israelischen Artilleriebeschuss und Zerstörungen in Gebieten im Süden des Landes, die Israel derzeit besetzt hält.

Seit vergangenen Freitag herrscht eigentlich eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon. Dennoch gibt es immer wieder gegenseitige Angriffe. So hatte die Hisbollah gestern erklärt, Raketen und Drohnen auf Ziele im Norden Israels abgefeuert zu haben, als Reaktion auf „eklatante“ israelische Verstöße gegen die Feuerpause. Die israelische Armee hatte daraufhin nach eigenen Angaben Standorte von Raketenabschussrampen attackiert.

ARD-Korrespondent Torben Börgers aus Washington über die Hintergründe der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Waffenruhe mit Iran einseitig zu verlängern.

Die iranische Revolutionsgarde hat in der Straße von Hormus auf ein Containerschiff geschossen. Das Schiff wurde beschädigt, wie die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) mitteilte. Ein Boot der Revolutionsgarde habe das Schiff vor dem Beschuss gegen 8 Uhr (Ortszeit) am Morgen nicht kontaktiert. Verletzt wurde nach Angaben der UKMTO niemand. Iran hat den Angriff bislang nicht bestätigt.

Zuvor hatten die USA am vergangenen Wochenende ein iranisches Containerschiff beschlagnahmt und im Indischen Ozean einen Öltanker geentert, der mit dem iranischen Ölhandel in Verbindung steht.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetović, kritisiert, dass Deutschland gestern gegen die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel gestimmt hat. „Die Bundesregierung verhindert damit aktiv eine geeinte europäische Haltung in der Nahostpolitik – gerade auch als Reaktion auf die Destabilisierung durch die israelische Regierung im Gazastreifen, im Westjordanland und im Libanon“, sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) habe auch keine Kompromissvorschläge unterstützt. Dieser müsse seine Entscheidung überdenken. „Wir erwarten vom Außenminister Klarheit und den Mut, den Weg für europäische Einigkeit freizumachen.“ Spanien, Irland und Slowenien hatten auf dem gestrigen EU-Außenministertreffen versucht, eine Mehrheit für eine Aussetzung des Assoziierungsabkommens zu bekommen.

In Iran ist nach staatlichen Angaben ein Mann hingerichtet worden, der wegen Spionage für Israel verurteilt worden war. Der Mann habe in einer Zivilschutzeinheit gearbeitet und geheime Informationen an den israelischen Geheimdienst Mossad weitergegeben, meldet das Justizportal Mizan. Das Todesurteil sei vom Obersten Gerichtshof bestätigt und nach Abschluss des Rechtswegs vollstreckt worden.

Das US-Verteidigungsministerium schafft die verpflichtende Grippeschutzimpfung für Soldaten ab und beruft sich dabei unter anderem auf religiöse Gründe. „Dein Körper, dein Glaube und deine Überzeugungen sind nicht verhandelbar“, betonte Pentagon-Chef Pete Hegseth, der sich selbst als Kriegsminister bezeichnet, in einer Videobotschaft an die Truppe. Für Soldaten sei die Grippeschutzimpfung deshalb künftig nur noch optional. Damit wird eine nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte und unter republikanischen wie demokratischen Regierungen jahrzehntelang aufrechterhaltene Regel gekippt.

Kritiker, wie etwa der demokratische Abgeordnete Jason Crow, halten den Kurswechsel des Ministers für einen schweren Fehler: „Hegseths Entscheidung ist fahrlässig und setzt unsere militärische Einsatzbereitschaft aufs Spiel“, warnte Crow, der einst in Irak und in Afghanistan kämpfte.

ARD-Korrespondentin Nina Barth aus Washington mit Reaktionen zur Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Waffenruhe mit Iran zu verlängern.

US-Präsident Donald Trump hat Iran nach der Verlängerung der Waffenruhe erneut gedroht. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, Iran wolle die Straße von Hormus nicht schließen, sondern offen halten, um sein Rohöl verkaufen zu können. Sollte er dies zulassen, könne es „niemals ein Abkommen mit Iran geben, es sei denn, wir sprengen den Rest ihres Landes in die Luft – einschließlich ihrer Führung“, schrieb Trump. Unklar ist, ob und wann die Gespräche in der pakistanischen Hauptstadt wieder aufgenommen werden könnten.

Trotz der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Verlängerung der Waffenruhe mit Iran zeichnet sich an den Ölmärkten keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps Ankündigung erstmals seit gut einer Woche wieder über 100 Dollar. Anschließend gab der Preis etwas nach und lag zuletzt bei 99 Dollar. Im Vergleich zum Vortag entspricht das einem Plus von knapp vier Prozent. Der Anstieg bei der US-Sorte WTI fiel weniger stark aus.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und Iran begrüßt. IAEA-Chef Rafael Grossi sagte, die Bemühungen zur Beendigung des Konflikts zwischen Teheran und Washington seien ein „komplexer Prozess“, und es sei wichtig, diesem Prozess Kontinuität zu geben.

Grossi, der derzeit für das Amt des nächsten UN-Generalsekretärs kandidiert, warnte zudem beide Seiten, dass ein mögliches Friedensabkommen von Beginn an die IAEA einbeziehen müsse, um die Kontrolle über das iranische Atomprogramm sicherzustellen. Andernfalls, so fügte er hinzu, hätte man nur „eine Illusion eines Abkommens“.

Für einen möglichen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus treffen sich heute Militärs aus 30 Ländern im britischen Militärhauptquartier Northwood in London. Das von Großbritannien und Frankreich ausgerichtete zweitägige Planungstreffen folgt auf eine internationale Konferenz in Paris in der vergangenen Woche.

London und Paris wollen einen neutralen Marineeinsatz organisieren, der sich klar von den Kriegsparteien abgrenzt, um Handelsschiffe zu begleiten und zu sichern. Auch Deutschland erwägt einen Beitrag zur Minenräumung und Seeaufklärung. Voraussetzung ist stabiler Waffenstillstand.

Die anhaltende Blockade des iranischen Seehandels beeinträchtigt nach Meinung von US-Finanzminister Scott Bessent Teherans Wirtschaftskraft schwer. Die Lager auf der für den Ölhandel wichtigen Insel Charg würden in wenigen Tagen voll sein, weshalb die Ölfelder stillgelegt werden müssten, schrieb Bessent auf der Plattform X. „Die Beschränkung des iranischen Seehandels zielt direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Regimes ab.“

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mitgeteilt, er verlängere die Waffenruhe mit Iran. An der Seeblockade will er indes festhalten. Sie betrifft Schiffe, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Die Insel Charg im Persischen Golf gilt als logistisches Rückgrat für die Exportwirtschaft des Landes.

Er sehe so aus, als dass die Waffenruhe erst mal bis auf Weiteres verlängert werde, ohne Deadline, so ARD-Korrespondent Torben Börgers. US-Präsident Donald Trump stehe grundsätzlich geschwächt da. Er habe weder einen „Deal“ erreicht noch seine Drohungen wahrgemacht und das Land angegriffen.

Iran hat die Vereinten Nationen zur Verurteilung der Beschlagnahmung seiner Schiffe durch die USA aufgerufen. Die iranische UN-Mission sandte einen Brief an die UN und den Sicherheitsrat und forderte eine „entschiedene und unmissverständliche“ Verurteilung der US-Entscheidung vom Sonntag, ein unter iranischer Flagge fahrendes Frachtschiff anzugreifen und zu beschlagnahmen.

„Dies stellt einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht, eine klare Verletzung der Waffenruhe und einen Akt der Aggression mit den Merkmalen von Piraterie dar“, erklärte die Mission auf X. „Ein derart rücksichtsloses Vorgehen gefährdet unmittelbar die internationale Schifffahrt und untergräbt die maritime Sicherheit.“ Washington hatte erklärt, das Schiff habe versucht, die US-Seeblockade nahe der Straße von Hormus zu umgehen.

Ein Kommandeur der Revolutionsgarde hat den Golfstaaten mit der Zerstörung ihrer Ölproduktion gedroht, sollten sie Angriffe auf Iran von ihrem Staatsgebiet aus erlauben. Die Hisbollah hat nach eigenen Angaben Raketen auf Israel abgefeuert.



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