Trump verlängert Waffenruhe mit dem Iran


Kurz vor dem geplanten Ende der zweiwöchigen Feuerpause im Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe einseitig verlängert. Die Entscheidung erfolgte auf Bitten Pakistans und soll Raum für neue diplomatische Bemühungen schaffen.

Trump erklärte am Dienstag über seinen Onlinedienst Truth Social, er werde die Feuerpause so lange aufrechterhalten, bis Teheran einen „geeinten Vorschlag“ zur Beendigung des Konflikts vorlege und „die Gespräche in der einen oder anderen Form abgeschlossen werden“. Hintergrund ist laut Trump eine „tief gespaltene iranische Führung“, die bislang keine einheitliche Position entwickelt habe.

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif bestätigte die an die USA gerichtete Bitte und dankte Washington für das Entgegenkommen. Er forderte beide Seiten dazu auf, die Gespräche fortzusetzen und sich bei einer zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad auf „ein umfassendes Friedensabkommen für ein dauerhaftes Ende des Konflikts“ zu einigen. 

Blockade bleibt zentraler Streitpunkt

Trotz der Verlängerung der Feuerpause hält Washington an der Seeblockade iranischer Häfen fest. Die US-Armee bleibe „in jeder anderen Hinsicht einsatzbereit und fähig“, betonte Trump. Die Blockade gilt als zentrales Druckmittel der USA: Finanzminister Scott Bessent erklärte, sie ziele direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Irans und könne dessen Ölexporte massiv einschränken.

Trump sieht den Iran kurz vor einem „finanziellen Kollaps“. „Der Iran bricht finanziell zusammen!“, schrieb Trump. Die Islamische Republik „hungert nach Geld“, fügte er hinzu.

Öltanker vor dem Hafen Asalujeh
Öltanker können während der US-Blockade iranische Häfen nicht mehr anfahren und verlassenBild: Saeid Arabzadeh/MEI/SIPA/picture alliance

Dem US-Präsidenten zufolge wolle Teheran eigentlich, dass die strategisch wichtige Meerenge „sofort geöffnet wird“. Die Islamische Republik habe allerdings erklärt, sie blockiere ihrerseits die Straße von Hormus weiter, weil sie damit „ihr Gesicht wahren“ könne, führte Trump weiter aus. Die US-Blockade sei notwendig, um eine Vereinbarung zu erzwingen. Ohne Druck könne es „niemals ein Abkommen“ geben.

Iran reagiert mit Drohungen und Misstrauen

Aus Teheran kam zunächst keine offizielle Reaktion auf die Verlängerung der Waffenruhe. Allerdings wiesen Vertreter des iranischen Machtapparats die Ankündigung scharf zurück. Ein Berater des Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete Trumps Vorgehen als bedeutungslos und warnte: „Die Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren.“

Zugleich drohte der Iran indirekt mit militärischen Konsequenzen. Die Fortsetzung der US-Seeblockade sei einem Bombardement gleichzusetzen und müsse beantwortet werden. Ein Militärsprecher erklärte, man befinde sich in „höchster Alarmbereitschaft“ und sei bereit, auf Bedrohungen „schnell und entschieden zu reagieren“.

Laut iranischen Berichten will Teheran die Straße von Hormus nicht freigeben, solange die Blockade der US-Marine andauert. Notfalls könne sie „mit Gewalt durchbrochen“ werden, hieß es.

Angriff auf Containerschiff verschärft Lage

Wie fragil die Situation ist, zeigen zwei neue Zwischenfälle in der Straße von Hormus. Ein Containerschiff sei vor der Küste des Omans „ohne vorherige Funkwarnung von einem Kanonenboot der Streitkräfte der iranischen Revolutionsgarden“ beschossen worden, erklärte die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO). Das Schiff habe „schwere Schäden“ erlitten, die Besatzung sei jedoch „unversehrt“.

Der Angriff auf das Containerschiff ereignete sich laut UKMTO rund 15 Seemeilen nordöstlich der omanischen Küste. Nach Angaben der Sicherheitsfirma Vanguard Tech handelt es sich um ein unter liberianischer Flagge fahrendes Schiff, „dem die Durchfahrt durch die Straße von Hormus genehmigt worden war“. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete jedoch, das Schiff habe „Warnungen der iranischen Streitkräfte ignoriert“. 

Kurz nach dem ersten Angriff meldete die UKMTO den Beschuss eines weiteren Schiffes in der Region. Das Frachtschiff sei am Mittwoch aus einem iranischen Hafen ausgelaufen. Rund acht Seemeilen westlich der iranischen Küste sei es nach Angaben des Kapitäns beschossen und „auf See gestoppt“ worden, erklärte die UKMTO. Berichte über Schäden am Schiff liegen demnach nicht vor.

Keine neue Verhandlungsrunde in Sicht

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren vor zehn Tagen unter pakistanischer Vermittlung ohne Fortschritte beendet worden. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, gegen die seit dem 8. April geltende Feuerpause verstoßen zu haben. Neben der Blockade ist vor allem das iranische Atomprogramm ein Streitpunkt. Während westliche Staaten Teheran vorwerfen, nach dem Bau von Atomwaffen zu streben, weist die iranische Führung dies zurück.

Vance, Kushner & Witkoff bei Pressekonferenz zu Iran-Gesprächen
Am 12.04.2026 verlässt die US-Delegation um Vize JD Vance Islamabad ohne eine Einigung mit dem IranBild: Jacquelyn Martin/AP Photo/dpa/picture alliance

Ursprünglich sollte eine neue Verhandlungsrunde in diesen Tagen starten. In Pakistans Hauptstadt Islamabad ist alles für den Empfang der Delegationen vorbereitet. Schwer bewaffnete Polizisten sichern das Regierungsviertel. Das Hotel „Serena“, in dem bereits die erste Verhandlungsrunde stattgefunden hatte, war bislang für normale Hotelgäste gesperrt.

Aus den USA hieß es nun, US-Vizepräsident JD Vance werde vorerst nicht nach Pakistan fliegen. Vance hatte auch schon die ersten Verhandlungen für die USA geleitet. Auch der Iran schickte bislang keine Delegation nach Islamabad.

pgr/se (dpa, afp, ap, rtr)



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