Saurüsselkopf bei Ruhpolding: Kurz vorm Gipfel lodert ein Waldbrand – Bayern


Auf dem Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen brennt seit Sonntagabend der Wald. 50 bis 60 Hektar sind neuen Abgaben zufolge in Brand geraten. Das Feuer habe sich vom Gipfel nach unten ausgebreitet, erläuterte der Einsatzleiter, Kreisbrandrat Christoph Grundner, nach einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Das Feuer bedroht ein Trinkwasserschutzgebiet. „Wir müssen die Quelle schützen. Die Quelle versorgt 30 000 Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler).

Gelöscht wird schon den ganzen Montag überwiegend aus der Luft, und das mit immer mehr Maschinen. Seit dem Nachmittag fliegen bereits vier Hubschrauber der bayerischen Polizei und zwei Helikopter eines privaten Betreibers aus dem benachbarten Österreich im Pendelbetrieb große Behälter mit Löschwasser über die einzelnen Brandherde. Zusätzlich waren nach Angaben des Landratsamts in Traunstein ein Hubschrauber der Bundespolizei und einer der Landespolizei Baden-Württemberg im Anflug, für den Dienstag sind ferner Löschflüge der Bundeswehr geplant.

Blick vom Unternberg auf die aufsteigenden Rauchwolken.
Blick vom Unternberg auf die aufsteigenden Rauchwolken. Foto: Meine Bergwelt/VR Bank
Die Feuerwehr ist am Saurüsselkopf auch mit einem Hubschrauber im Einsatz.
Die Feuerwehr ist am Saurüsselkopf auch mit einem Hubschrauber im Einsatz. Foto: Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Auch am Boden wäre der Weg vom Tal auf den 1270 Meter hohen Berg mit seinem felsigen Gipfel oberhalb des Ruhpoldinger Biathlonzentrums nicht allzu weit. Zu Fuß sollten es aus dem Tal keine zwei Stunden sein. Die Strecke ist zumindest teilweise befahrbar, denn sie besteht bis weit hinauf aus Forstwegen. Die Feuerwehrleute wässern aber einstweilen das ausgetrocknete Erdreich entlang der Wege. In der Nacht hatten sie sich zu ihrer eigenen Sicherheit darauf beschränkt, die Flammen zu beobachten – direkt am Berg, vom Hubschrauber aus und über die Webcam des Sessellifts am gegenüberliegenden Unternberg.

Etwa vier bis fünf Hektar Fläche standen nach Angaben des Ruhpoldinger Bürgermeisters Justus Pfeifer bereits am frühen Montagmorgen in Flammen. Besonders in der steilen, für die Feuerwehr nachts kaum gefahrlos zugänglichen Bergflanke loderte das Feuer. Allerdings ist der Untergrund dort überwiegend felsig, sodass die Flammen nicht allzu viel Nahrung finden. Stattdessen fraß und frisst sich das Feuer offenbar den bewaldeten Hang hinab.  Vom Morgen bis zum späten Nachmittag hat sich die betroffene Fläche wohl mindestens verzehnfacht, trotz aller Löschversuche aus der Luft.

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Am Montagvormittag hat der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (FW) in aller Form den Katastrophenfall festgestellt, weil das Feuer auch das örtliche Trinkwasserschutzgebiet Laubau bedrohen könnte. Das Ausrufen des Katastrophenfalls erleichtert es dem Landratsamt und dem Einsatzleiter, ohne größeren bürokratischen und finanziellen Aufwand Unterstützung von auswärts anzufordern, unter anderen von der Bundeswehr, wie es nun geplant ist. „Jetzt geht es darum, alle Kräfte bestmöglich zu koordinieren und das Trinkwasserschutzgebiet Laubau wirksam zu schützen.“

Ausgebrochen war der Brand am Abend zuvor, mehrere Feuerwehren aus der Umgebung waren angerückt, die Gemeinde hatte einen Krisenstab gebildet. Gegen Mitternacht hatten die Einsatzleiter entschieden, die Löscharbeiten zu unterbrechen, um ihre Leute nicht zu gefährden.

Gefahr für Unbeteiligte bestand angesichts des abgelegenen Brandherds ohnehin nicht. Das Landratsamt warnte allerdings vor Ascheregen. Dieser sei im betroffenen Gebiet südlich des Ortsteils Laubau und der Chiemgau-Arena möglich. In diesem Fall sollten Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten und den Aufenthalt im Freien nach Möglichkeit reduzieren.

Auf die generelle Waldbrandgefahr in Bayern hatte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bereits einige Tage zuvor hingewiesen. In weiten Teilen des Freistaats hatte da schon die zweithöchste Warnstufe vier von fünf gegolten. „Jede Unachtsamkeit, jede achtlos weggeworfene Zigarette und jeder kleine Funke können aktuell einen folgenschweren Waldbrand auslösen“, sagte Kaniber und wies auf das Rauchverbot hin, das seit Anfang März in Bayerns Wäldern gilt. Was genau der Auslöser des Waldbrands am Saurüsselkopf war, ist allerdings noch unklar.

Grund für die hohe Waldbrandgefahr ist die anhaltende Trockenheit im Freistaat. So war der April in ganz Deutschland und speziell in Bayern nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts „außergewöhnlich trocken“. Mit 15 Litern Regen pro Quadratmeter war er demnach weit unter dem langjährigen Schnitt von 70 Litern geblieben und damit der vierttrockenste April seit Beginn der Aufzeichnungen. Für die Region rund um Ruhpolding ist laut aktuellen Prognosen wohl frühestens für Mittwochnachmittag mit nennenswerten Regenfällen zu rechnen.



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