Terafab: Das ist Elon Musks gigantischer Plan für eine Chip-Fabrik
Intel-Halbleiter
Codewort „Terafab“: Musks giganitscher Chip-Plan
Mit neuer Technologie von Intel will Musk eine gigantische Halbleiterproduktion in Texas auflegen. Intel-Aktionäre feiern – aber kann das funktionieren?
Nach einem Satz von Elon Musk ging die Intel-Aktie um drei Prozent nach oben: Auf der Tesla-Bilanzpressekonferenz Ende April erklärte er, in seiner geplanten Megafabrik für KI-Chips – der sogenannten Terafab – werde Intels neueste Fertigungstechnik mit dem Namen „14A“ zum Einsatz kommen. Als der Chipproduzent am nächsten Tag selbst starke Quartalszahlen präsentierte, stieg die Aktie noch einmal um 20 Prozent.
Musk Mega-Plan sieht so aus: Er will in Austin, Texas, extra eine Terafab errichten – eine Fabrik, die alle Produktionsschritte von Halbleitern an einem Ort vereint, also Design, Fertigung, die Produktion von Speicherchips, Endmontage und Tests. Aktuell finden diese Schritte global verteilt statt:
Das Design der leistungsfähigsten KI-Chips macht zum Beispiel Nvidia in Kalifornien, die KI-Beschleuniger wie die H100- oder B200-Reihe lässt der Konzern dann beim Auftragsfertiger TSMC in Taiwan produzieren. Die hoch spezialisierten Speicherchips, die für KI-Anwendungen entscheidend sind, kommen wiederum überwiegend von SK Hynix oder Samsung in Südkorea.
Testfabrik kostet schon 3 Mrd. Euro
Musk lässt sich seine gigantische Fabrik viel kosten: Allein die Pilotanlage zur Chip-Produktion soll rund 3 Mrd. Dollar kosten und zunächst auf dem Tesla-Werksgelände in Texas entstehen. Den großen Bau der eigentlichen Terafab soll für 20 bis 25 Mrd. Dollar später Musks Raumfahrtfirma SpaceX übernehmen.
Dabei spart Musk nicht mit Superlativen. Seine Terafab soll in Zukunft jährlich Chips mit so viel Rechenleistung produzieren, dass sie in Betrieb ein Terawatt Strom aufnehmen würden – das wäre laut der Nachrichtenagentur Reuters etwa doppelt so viel Strom, wie die USA derzeit insgesamt erzeugen.
Mit den KI-Chips will Musk vor allem sein eigenes Firmenimperium versorgen: Tesla brauche sie für Autos und Roboter, SpaceX und seine KI-Firma xAI für Rechenzentren – die er unter anderem im Weltraum bauen will. „Entweder bauen wir die Terafab, oder wir haben keine Chips“, sagte Musk bei der ersten Vorstellung des Plans im März. An Nvidia, dem Marktführer für KI-Chips, zu hängen, sei „keine langfristige Strategie“, so Musk. Bei der Präsentation behauptete Musk außerdem, alle Chipfabriken der Welt zusammen produzierten aktuell nur zwei Prozent dessen, was er in Zukunft für seine Projekte benötige.
Kann Musks Plan mit Intel aufgehen?
Die Terafab soll in der ersten Ausbaustufe 25 Mrd. Dollar kosten. Allein die Stückzahl, die Musk im Vollausbau anpeilt – eine Million Wafer pro Monat – entspräche laut Berichten etwa 70 Prozent dessen, was Marktführer TSMC heute weltweit produziert.
Musk hofft, mit Intels Hilfe in wenigen Jahren aufzuholen, wofür Spezialisten wie TSMC Jahrzehnte gebraucht haben: Bei der Präsentation im März kündigte er an, in der Anlage Chips im 2-Nanometer-Bereich herzustellen – das wäre die fortschrittlichste Technologie, die Chip-Spezialist TSMC gerade in die Massenproduktion bringt. Mit dem nun angekündigten Schwenk auf Intels 14A-Fertigungstechnologie verschiebt sich das Ziel sogar auf die übernächste Fertigungsgeneration, die Intel selbst noch nicht fertigentwickelt hat. Musk hofft, dass seine Terafab und Intels 14A-Verfahren gleichzeitig fertig werden.
Dabei sind nicht nur Musks Größenordnungen ambitioniert – auch sein Ansatz: Die Halbleiterbranche hat sich seit Ende der 1980er-Jahre nach einem klaren Muster aufgeteilt. Auf der einen Seite stehen Designer wie Apple, Nvidia und AMD. Auf der anderen Seite stehen Auftragsfertiger, allen voran TSMC. Sie betreiben die teuren Fabriken, in denen die Schaltungen in das Silizium geätzt werden. Selbst Konzerne wie Google und Amazon, die längst eigene KI-Chips entwickeln, lassen dort produzieren.
Dabei ist TSMC nicht der einzige Flaschenhals. Die hochkomplexen Lithografie-Maschinen, mit denen TSMC die Spitzenchips belichtet, baut weltweit nur das niederländische Unternehmen ASML. ASML wiederum ist auf Spezialspiegel und -linsen angewiesen, die in dieser Qualität nur Zeiss in Oberkochen herstellen kann.
Chip-Fertigung im eigenen Haus
Musk will diese hoch spezialisierte Arbeitsteilung in Texas zurückdrehen. Tanjeff Schadt, Halbleiter-Spezialist der Beratung Strategy&, ordnet das so ein: „Seit den späten 1980ern ist die strikte Trennung zwischen Chipdesign und Fertigung ein Erfolgsmodell.” Hyperscaler oder Tech-Konzerne hätten in den letzten Jahren zwar eigene Chips entworfen, sogenanntes Custom Silicon, aber bewusst nur als Designer ohne eigene Fabriken.
Bei Musk gehe es nun wieder darum, auch die Fertigung zurück ins eigene Haus zu holen. „Die Umsetzung landet dann aber wieder in einer Kooperation mit einem etablierten Fertiger, weil die hohen Eintrittsbarrieren anders nicht überwindbar wären“, so Schadt. Für eben diese Umsetzung – das Kerngeschäft der „Terafab“ – braucht Musk Intel.
Zweifel an Größenordnung des Plans
Musks Einschätzung, dass Rechenleistung und die dafür benötigten Chips eine zunehmend wichtige geopolitische Ressource sind, wird dabei von Analysten geteilt. Zweifel gibt es hauptsächlich an Musks angepeilter Größenordnung. Dazu kommen schwer einschätzbare Variablen: Musk kündigte etwa an, in seiner Fabrik sollten auch Optimus-Roboter mitarbeiten – die selbst noch nicht marktreif sind.
Für Intel jedenfalls kommt Musks Ansage zur richtigen Zeit: Der frühere Industrieführer hat den Anschluss an TSMC verloren und gab im August 2025 fast zehn Prozent neuer Anteile an die US-Regierung aus, im Gegenzug für umgewidmete Fördergelder aus dem Chips Act. Der aktuelle Intel-Chef Lip-Bu Tan hatte im vergangenen Jahr angedeutet, dass die Fertigungssparte ohne externe Großkunden schwierig werden könne. Dieser Großkunde könnte jetzt Musk werden.
Halbleiter-Experte Schadt sieht in der Ankündigung auch einen Weckruf für Europa: „Der Maßstab der Ankündigung und unsere bisherige Industriepolitik ist im Vergleich eine andere Liga.“ Jede neue Fabrik weltweit verknappe dieselben Engpässe – bei Spezialmaschinen wie auch bei Fachkräften – um die auch europäische Projekte konkurrieren.
