Buckelwal „Timmy“ in der Nordsee freigesetzt
Der Buckelwal – von den Medien „Timmy“ genannt – hat am Samstagmorgen gegen 8.45 Uhr (MESZ) seine mit Wasser gefüllte Transportbox verlassen, wie Karin Walter-Mommert von der privaten Rettungsinitiative der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Das Tier schwimme nun eigenständig und frei und zumindest zunächst auch in die richtige Richtung. Das Freisetzen erfolgte demnach im Skagerrak zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden.
Weiter sagte die hinter der privaten Rettungsinitiative stehende Unternehmerin Walter-Mommert, der Wal sei dabei beobachtet worden, wie er einen sogenannten Blas machte, das charakteristische Ausatmen von Walen nach einem Tauchgang. Wie es ihm genau geht, ist unklar. Er schwamm demnach zunächst nach Nordwesten, was der beste Weg sei, um die norwegische Westküste zu erreichen und sich entlang dieser Küste dann in Richtung Arktis zu bewegen. Die Heimat des Säugetiers ist der Atlantische Ozean.
Beeinträchtigungen seien nicht zu erkennen gewesen, erläuterte Walter-Mommert weiter. Das Tier habe lediglich bei schwerer See in dem Lastkahn zuvor kleinere Blessuren erlitten, die aber nicht schwerwiegend seien. Der Kurs des Wals solle per GPS-Signal weiter verfolgt werden.
Das Verlassen des Lastkahns erfolgte demnach offensichtlich relativ unvorbereitet. Eigentlich sei noch einmal eine Untersuchung des Tiers geplant gewesen, hieß es.
Das Sicherungsnetz im hinteren Bereich des schwimmenden Docks war bereits am Freitag in ruhigerem Wasser entfernt worden. Wegen hoher Wellen war der Konvoi wieder ein Stück in die Ostsee zurückgefahren. In der Nacht bewegte sich der Schiffskonvoi mit dem gestrandeten Wal dann weiter mit langsamem Tempo in Richtung Norden. Am Samstagmorgen befand er sich etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak.
Am Dienstag vor Poel in den Lastkahn geschwommen
Der Buckelwal war am Dienstag von der Rettungsinitiative in einer unter Expertinnen und Experten umstrittenen Aktion in den Lastkahn dirigiert worden. Er lag zuvor rund vier Wochen lang in einem Seitenarm der Wismarer Bucht bei der Ostseeinsel Poel vor dem deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern auf Grund. Ein Schleppschiff zog den Lastkahn mit dem Tier dann durch dänische Gewässer bis in die Nordsee.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals vor der deutschen Ostseeküste gesichtet worden. Der etwa zwölf Meter lange Säuger irrte dort umher und strandete mehrfach. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen.
„Timmy“ ist noch nicht gerettet
Als gerettet gilt der Wal auch nach seinem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob er noch normal schwimmen und tauchen könne, so der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“
Nach Meinung von Experten könnte das geschwächte Tier auch wieder gezielt zur Küste schwimmen. „In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen“, hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.
Das Umweltministerium Dänemarks teilte in dem Zusammenhang mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden.
Ob die Allgemeinheit über „Timmys“ Aufenthaltsort informiert wird, ist ohnehin unklar. Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, mitgeteilt.
se/pg (dpa, afp, ndr)
