Russland soll Kampfhubschrauber instand halten
Pakistan werde es bald nicht mehr wagen, afghanisches Territorium anzugreifen, verkündete Mullah Mohammad Yaqoob, der amtierende Verteidigungsminister des Taliban-Regimes in Afghanistan nach seiner Reise nach Moskau. Er habe ein Abkommen über militärisch-technische Zusammenarbeit mit Russland unterschrieben. Die Umsetzung werde in Kürze beginnen.
Das Abkommen sei kein Verteidigungs- oder Sicherheitspakt, sagt Yaqoob. Es konzentriere sich auf die Instandsetzung und Wartung von bereits im afghanischen Arsenal befindlichen russischen Waffensystemen, darunter Kampfhubschraubern und -flugzeugen.
Was steht im Abkommen?
Russlands Sonderbeauftragter für Afghanistan, Zamir Kabulov, sagte, das Abkommen konzentriere sich auf die Reparatur von in Russland hergestellter Ausrüstung und könne den Weg für künftige Verteidigungsverträge ebnen. Die Hauptpriorität liege derzeit auf der Instandsetzung von Systemen, die sich bereits im Besitz Afghanistans befinden.
Dieser technische Rahmen ist von Bedeutung, da die militärischen Geräte in Afghanistan überwiegend von Moskau geliefert wurden. Im Jahr 1979 war die damalige Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert und etablierte eine Moskau-treue Regierung in Kabul. Im Jahr 1996 übernahmen die Taliban erstmals die Macht. Auch nach der Intervention internationaler Truppen 2001 verließen sich die USA und die NATO beim Wiederaufbau der afghanischen Luftwaffe auf russische Kampfhubschrauber, insbesondere auf den Mi-17 des russischen Herstellers Mil. Er ist in Russland als Variante des Mi-8 bekannt. Hintergrund war, dass afghanische Piloten und Techniker mit dem Helikopter vertraut waren und dass er als für das Gelände geeignet galt.
Warum jetzt?
Die Taliban, seit 2021 wieder an der Macht, haben das Abkommen mit Russland als pragmatischen Austausch beschrieben, um ein klares Signal in Richtung Pakistan zu senden. Seit Monaten nehmen die Spannungen zwischen beiden asiatischen Ländern zu. Pakistan wirft den Taliban vor, Terrorgruppen in der Grenzregion geduldet zu haben, die die Regierung in Islamabad stürzen möchten. Die Taliban weisen diese Anschuldigungen zurück. Pakistanische Streitkräfte griffen mehrmals Ziele auf afghanischem Boden an.
Das neue Abkommen könne die militärische Verteidigungsfähigkeit Afghanistans verbessern, glauben Experten. Gleichzeitig könne sich Russland als sicherheitspolitischer Akteur in der Region positionieren, in der der westliche Einfluss nachgelassen hat.
Russland wolle verhindern, dass US- oder NATO-Truppen in Afghanistan oder in seinen Nachbarländern stationiert werden, sagt der russische Sicherheitsratssekretär Sergei Schoigu der Agentur TASS. Russland will der Region am Hindukusch einen nicht-westlichen Sicherheitsrahmen anbieten.
„Pragmatisch, interessenorientiert, kein Bündnis“
Abbas Basir, Bildungsminister der afghanischen Regierung bis 2021, beschreibt die Beziehung zwischen den Taliban und Russland als „pragmatisch und interessenorientiert“ und nicht als echte Freundschaft oder politisches Bündnis.
Russland wolle verhindern, dass die Splittergruppe der Terrororganisation „Islamischer Staat“ in Afghanistan, ISPK genannt, ausgehend von der gebirgigen Grenzregion Zentralasien destabilisiere und die Sicherheit Russlands bedrohe, sagt Basir. Da die Taliban gegen den ISKP gekämpft haben, argumentiert Basir, sehe Moskau die radikal-islamistischen De-facto-Machthaber als „Sicherheitspuffer“.
Im März 2024 kamen in Moskau bei einem Attentat in der Crocus City Hall in Krasnogorsk mindestens 144 Menschen ums Leben. Der ISPK hatte sich zum Anschlag bekannt. Inzwischen wurden alle Haupttäter gefasst und im März von einem russischen Militärgericht zu langen Haftstrafen verurteilt.
Gleichzeitig habe Russland ein geopolitisches Interesse daran, den Einfluss der USA und des Westens zu verringern und Afghanistan in eine nicht-westliche regionalen Ordnung hinein zu steuern. Die Taliban hingegen gewinnen regionale politische Legitimität mit Energieimporten und Getreide in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Lage. Russland hat im Juli 2025 als erster Staat die Taliban-Regierung in Kabul anerkannt.
Russland will Sicherheitsrisiko minimieren
Es sei noch zu früh, das Abkommen abschließend zu bewerten, sagt Bismillah Taban, ein Analyst für Sicherheitsfragen. Beide Seiten seien dafür bekannt, gegenüber der Öffentlichkeit Informationen zurückzuhalten.
Die Taliban hätten den Moskau-Besuch für ihre innenpolitische Kommunikation genutzt, um eine maximale Wirkung für ihre Propaganda zu erwirken, sagt Taban. Allerdings versuchen russische Offizielle, die Erwartungen zu dämpfen. Es handele sich in russischen Augen lediglich um die Reparatur und Wartung von Bestandsausrüstung.
Das Abkommen sei nicht rein ein technischer Vertrag. „Er hat zu einem großen Teil auch eine politische Dimension“ sagt der afghanische Ex-Diplomat in Russland Ghaus Jaanbaz mit Blick auf den Ukraine-Krieg . „Es besteht die Möglichkeit, dass über Afghanistan vom Süden aus Bedrohungen in Richtung Russlands entstehen könnten.“ Deswegen wolle Russland durch eine Partnerschaft mit den Taliban dieses Risiko minimieren.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan
