Rüstungsausgaben weltweit so hoch wie nie


Panzer des Typs Leopard 1

Weltweit sind die Ausgaben fürs Militär auf ein Rekordhoch gestiegen, so das Friedensforschungsinstitut Sipri. (Archiv)

Quelle: Imago


Die Regierungen der Welt geben so viel Geld für ihr Militär aus wie nie zuvor. Laut dem Internationalen Friedensforschungsinstitut Sipri haben die globalen Militärausgaben 2025 ein Rekordhoch von 2.887 Milliarden US-Dollar erreicht – ein Anstieg von 2,9 Prozent gegenüber 2024 und der elfte jährliche Zuwachs in Folge.

… mit Sitz in Stockholm definiert Militärausgaben als alle staatlichen Ausgaben für militärische Zwecke: Dazu zählen Gehälter, Sozialleistungen und Pensionen von Soldaten sowie Zivilpersonal, Betriebskosten wie der Unterhalt von Basen sowie Treibstoff und Munition, die Beschaffung und Forschung (Waffen, Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge, Drohnen, Hyperschallwaffen, Cyberkriegsfähigkeiten), militärische Infrastruktur (Kasernen, Häfen, Flugplätze, Satelliten) sowie Militärhilfen an verbündete Staaten.


Europa: Höchste Rüstungsausgaben seit dem Kalten Krieg

Europa erlebt derzeit eine historische Aufrüstungswelle. Den Sipri-Daten zufolge erhöhten sich die europäischen Militärausgaben 2025 um 14 Prozent auf 864 Milliarden US-Dollar – der stärkste Anstieg seit dem Ende des Kalten Krieges. Haupttreiber sind der Krieg in der Ukraine und die neuen Ziele der Nato bei den Verteidigungsausgaben.

Laut Sipri stiegen die Militärausgaben der europäischen Nato-Mitglieder 2025 schneller als zu jedem anderen Zeitpunkt seit 1953.

Bundeskanzler Friedrich Merz (3.v.r.) kommt am Rande des EU-Gipfel mit Vertretern der EU und anderen Staats- und Regierungschefs zum Gruppenbild.

Die EU hat auf ihrem Gipfel die 90 Milliarden Militärdarlehen für die Ukraine freigegeben. Aber auch über die Not in Gaza und den Machtkampf in Iran hat die EU beraten.

23.04.2026 | 1:33 min


Dies spiegelt das Streben nach europäischer Eigenständigkeit wider – aber auch den Druck der USA, die Lastenverteilung im Bündnis zu stärken.

Jade Guiberteau Ricard, SIPRI-Forscherin

Deutschland bei Militärausgaben auf Platz vier weltweit

Deutschland liegt bei den globalen Militärausgaben hinter den USA, China und Russland auf Platz vier: Mit einem Plus von 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar überschritt die Bundesrepublik erstmals seit 1990 die Nato-Zielmarke von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Zur Einordnung: Das BIP misst den Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden.

Pressekonferenz zu ausgewaehlten Auftraegen aus der Bundeswehrtagung 2025

Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas ausbauen. Dafür gibt es jetzt eine entsprechende Militärstrategie.

22.04.2026 | 2:02 min


Innerhalb Europas steigerten auch Spanien (+50 Prozent auf 40,2 Milliarden US-Dollar) und Polen (+23 Prozent auf 46,8 Milliarden US-Dollar) ihre Militärbudgets stark. Die Ukraine erreichte mit 84,1 Milliarden US-Dollar (40 Prozent des BIP) einen historischen Höchststand.

USA: Rückgang 2025, doch 2026 wohl ein neuer Rekord

Die USA reduzierten ihre Militärausgaben 2025 indes um 7,5 Prozent auf 954 Milliarden US-Dollar. Der Grund: Der Kongress bewilligte keine neuen Hilfspakete für die Ukraine. Der Rückgang sei laut Sipri allerdings trügerisch: Denn bereits für 2026 plant der US-Kongress über eine Billion US-Dollar – ein historischer Wert, der die globale Aufrüstungsspirale weiter anheizen wird.

Der Rückgang der US-Ausgaben wird nur von kurzer Dauer sein. Sollte Präsident Trumps Haushaltsentwurf angenommen werden, könnten die Ausgaben bis 2027 auf 1,5 Billionen Dollar steigen.

Nan Tian, SIPRI-Programmdirektor Militärausgaben & Rüstungsproduktion

US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses

US-Präsident Trump will die Militärausgaben stark erhöhen. Die USA geben bereits jetzt deutlich mehr für Rüstung aus als andere Länder.

08.01.2026 | 1:53 min


Neben der russischen Aggression in Europa und den Konflikten in Nahost besorgt die Sipri-Wissenschaftler weiter auch die Spannungen rivalisierender Mächte und der daraus resultierende Rüstungswettlauf in Asien.

China, Taiwan und Japan im Rüstungswettlauf

So erhöhte China sein Budget um 7,4 Prozent auf 336 Milliarden US-Dollar – der 31. jährliche Anstieg in Folge. Taiwan reagierte wiederum auf chinesische Drohungen mit einem Rekordanstieg von 14 Prozent (18,2 Milliarden US-Dollar). Japan steigerte seine Ausgaben um 9,7 Prozent auf 62,2 Milliarden US-Dollar.

Für den Rüstungswettlauf in Asien gibt es nach Erkenntnissen der Sipri-Forscher einen weiteren Grund:

US-verbündete Staaten wie Japan und die Philippinen rüsten auf – nicht nur wegen regionaler Spannungen, sondern auch wegen der Unsicherheit über die weitere US-Unterstützung.

Diego Lopes da Silva, SIPRI-Forscher

der chinesische Präsident Xi Jinping vor einer Karte von China und Taiwan

China hat eine großangelegte Militärübung um Taiwan begonnen. Dabei geht es nicht nur um die Insel, sondern auch um die USA und Japan.

29.12.2025 | 22:02 min


Naher Osten: Stabile Ausgaben, aber explosive Lage

Es mag überraschen, dass trotz anhaltender Konflikte die Militärausgaben im Nahen Osten 2025 stabil geblieben sind (218 Milliarden US-Dollar, +0,1 Prozent). Israel reduzierte sein Budget leicht auf 48,3 Milliarden US-Dollar, lag aber 97 Prozent über dem Niveau von 2022.

Irans Militärbudget sank laut Sipri aufgrund hoher Inflation real um 5,6 Prozent (7,4 Milliarden US-Dollar). Diese Angaben seien allerdings mit Vorsicht zu bewerten, sagt Zubaida Karim, Forscherin im SIPRI-Programm für Militärausgaben und Rüstungsproduktion. Die wahren Zahlen lägen höher. Der Grund:

Iran nutzt auch nicht im Haushalt erfasste Öleinnahmen, um sein Militär zu finanzieren, einschließlich der Produktion von Raketen und Drohnen.

Zubaida Karim, SIPRI-Forscherin

Israelische Aktivisten bei einer Demonstration gegen den andauernden Krieg mit dem Iran, eine Frau ruft etwas in ein Megafon.

In Tel-Aviv haben Hunderte gegen den Iran-Krieg sowie den Einsatz der israelischen Armee im Südlibanon demonstriert. Dabei kam es auch zu Konflikten mit der Polizei.

05.04.2026 | 0:17 min


Mit Blick auf die globalen Entwicklungen ergibt sich aktuell insgesamt ein düsteres Bild. Setzen sich aktuelle Kriege und bewaffnete Konflikte fort, wird die Welt noch extremere Aufrüstung und Militärausgaben sehen.

Über dieses Thema berichtete unter anderem das heute journal am 26.04.2026 ab 21:45 Uhr.



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