Omega schreibt Uhren-Geschichte: Weniger Zeiger, mehr Präzision
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Präzision ohne Sekundenzeiger: Omega schreibt Chronometer-Geschichte
Uhren haben einen festen Platz in Capital – hier stellen wir Neuigkeiten aus der Branche vor. Diesmal: ein Modell ohne Sekundenzeiger, bei dem Omega ganz genau hinhörte
Wer wissen will, ob eine mechanische Uhr ihrem Job nachgeht, so meisterlich genau, dass es ein Zertifikat wert ist, der schaut ihr vor allem auf den Sekundenzeiger. Und zwar ganz genau, im Labor, morgens und abends, mit Fotobeweis; und das über viele Tage, teils unter widrigen Bedingungen sowie in diversen Lagen, die das Tragen am Handgelenk simulieren. Bleibt es bei maximal fünf Sekunden Abweichung innerhalb von 24 Stunden, auch in einem Magnetfeld bis 15 000 Gauß – dann winkt die Auszeichnung als „Master Chronometer“ vom Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS). Uhren ohne Sekundenzeiger jedoch blieb dieser Titel bisher verwehrt. Weil der Fotobeweis fehlt. Dabei wird diese reduzierte Uhrenform von Kennern sehr geschätzt.
Diese Variante der Revival-Uhr ist nahezu komplett aus „18 Karat Moonshine“-Gold gefertigt, inkl. des Rotors im Werk mit der Kaliber-Nr. 8915 © Omega
Bei Omega hat die noch nie verliehene Auszeichnung offenbar den Ehrgeiz geweckt. Seit 2023 gibt es bei der Marke das Laboratoire de Précision, das als Prüflabor von METAS für den Master Chronometer zertifiziert und von der Schweizerischen Akkreditierungsstelle SAS anerkannt ist. Hier entstand nun die sogenannte Dual Metric Technology: Ein neu entwickeltes Prüfgerät erfasst dabei jedes Ticken einer Uhr akustisch, und zwar 25 Tage lang. Die Daten werden mit Temperatur, Luftdruck und Lage zu einem lückenlosen Protokoll verknüpft, das Uhrmachern nicht nur etwaige Mängel aufzeigt, sondern auch deren Kontext. Das mache, sagt Omega-CEO Raynald Aeschlimann, den Sekundenzeiger nun „hinfällig“. Jedenfalls für Prüfzwecke.
Eine perfekte Bühne für das innovative Verfahren bietet eine neue Omega-Kollektion aus neun Modellen, getauft „Constellation Observatory“, in die jeweils eines von zwei neuen Werken verschalt wurde. Es sind die ersten Zweizeigeruhren der Uhrengeschichte mit Master-Chronometer-Zertifizierung.
Das Zifferblatt der „Constellation Observatory“ (hier in „O-Megasteel“) wurde „Pie-Pan“- getauft, weil es an eine gestürzte Kuchenform erinnert © Omega
Ein Meilenstein, der auf die eigene Geschichte verweist: So dominierte Omega einst die legendären Präzisionswettbewerbe von Schweizer und britischen Sternwarten wie kein zweiter Hersteller, erzielte 93 Siege und 72 Weltrekorde in Genf, Neuchâtel und Kew-Teddington.
Auch gestalterisch bediente man sich üppig beim Erbe. Ausgangspunkt des Designs war die schlanke „Centenary“ aus dem Jahr 1948, mit der die „Constellation“-Linie einst begann. Von hier spannt sich der Bogen über das 1952 eingeführte zwölfeckige „Pie-Pan“-Zifferblatt (gewölbt wie eine umgedrehte Kuchenform), die geknickten „Hundebein“-Bandanstöße, die pfeilförmigen Dauphine-Zeiger sowie den „Constellation“-Stern auf 6 Uhr. Auf dem Gehäuseboden ist die Kuppel eines Observatoriums graviert, umgeben von acht Sternen – einer für jeden großen Chronometriepreis, den Omega von 1933 bis 1952 gewann.
Technische Innovation und liebevolle Rückbesinnung harmonieren selten so elegant. Und auch der Trend zur eleganten „dress watch“ sollte das Geschäft beflügeln.
Details zur Uhr:
Modell — „Constellation Observatory“
Durchmesser — 39,4 mm
Material — O-Megasteel
Gangreserve — 60 Stunden
Werk — Kaliber 8914
Preis — ab circa 10.600 Euro
„CONSTELLATION“
So hieß 1952 die erste Serienkollektion der Marke Omega, die ausschließlich aus zertifizierten Chronometern bestand. Im Jahr 1982 folgte das „Manhattan“-Redesign, und 2015 belebte das Modell „Globemaster“ die elegante, innovative Linie.
Erschienen in Capital 12/2025
