Marktbericht: Gute Bilanzzahlen – aber Sorgen bleiben
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Geschäftszahlen von SAP und Siemens Energy konnten Anleger überzeugen. Aber die Ölpreise sind weiterhin hoch. Anleger bleiben auf der Hut. Die Konflikte in Nahen Osten drücken auf die Stimmung.
Der Ölpreis bleibt ein bestimmender Faktor am Aktienmarkt: Der Preis für Öl der Nordseesorte Brent verharrt mit rund 106 Dollar je Fass (159 Liter) auf hohem Niveau. „An den Energiemärkten bleibt die Entwicklung im Nahen Osten das entscheidende Thema“, sagte die Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Solange sich keine Öffnung der Straße von Hormus abzeichnet, dürfte der Preis für Brent-Rohöl ihrer Einschätzung nach weiterhin über 100 Dollar notieren.
„Man kann es klar erkennen: Seit der Ölpreis wieder über 100 Dollar gestiegen ist, nimmt die Unruhe auf den Börsenparketts der Welt wieder zu“, kommentierte Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. „Die Aktienanleger mögen den Luxus besitzen, auf die Resilienz der Unternehmen setzen zu können, die sich aus der ersten Energiekrise 2022 das Rüstzeug zugelegt haben, um mit hohen Energiepreisen besser umgehen zu können. Doch auch das hat seine Grenzen.“
Da ein Ende der Auseinandersetzungen im Nahen Osten nicht in Sicht ist, bleiben die Anlegerinnen und Anleger tendenziell skeptisch. Der DAX findet am letzten Handelstag der Woche zunächst keine klare Richtung. Der deutsche Leitindex tritt bei rund 24.164 Punkten auf der Stelle.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wegen des Iran-Kriegs weiter deutlich verschlechtert. Das ifo-Geschäftsklima fiel um 1,9 Punkte auf 84,4 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Analysten hatten einen erneuten Stimmungsdämpfer erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem Rückgang auf 85,7 Punkte ausgegangen.
Die vom ifo-Institut befragten Unternehmen haben ihre aktuellen Geschäfte und die künftigen Erwartungen schlechter eingeschätzt. „Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin“, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen.
Von Unternehmensseite kommen zum Teil gute Zahlen, die den Markt stützen. Die Bilanz des DAX-Konzerns SAP beispielsweise hat Anleger überzeugt. Beim Softwarekonzern wächst die wichtige Cloudsparte wieder, sowohl Umsatz und Gewinn legten zu. Im ersten Quartal hat SAP netto 1,9 Milliarden Euro verdient. Im nachbörslichen Handel ist die Aktie von Europas größtem Softwarehersteller deshalb kräftig angestiegen.
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy steckt sich für das laufende Jahr höhere Ziele. Die Münchener erwarten stärkeres Umsatzwachstum, mehr Profitabilität und Gewinn sowie höhere Barmittelzuflüsse. Anleger reagierten am Freitag begeistert. Die Aktie sprang zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch.
Im hart umkämpften chinesischen Automarkt kommen deutsche Hersteller bei Elektrofahrzeugen nur mit Mühe hinterher. Die nun gestartete Pekinger Automesse zeigt: Das nächste Rennen ist in vollem Gange. Es entscheidet sich bei Themen wie Software, Fahrassistenz und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Cockpit.
Besonders problematisch ist der seit Jahren andauernde Preiskampf. Viele Hersteller haben ihre Autos immer billiger angeboten – und sind teilweise so stark runtergegangen mit den Preisen, dass kaum oder gar kein Geld zu verdienen war. Inzwischen ist das auch zu einem politischen Thema geworden. Die chinesischen Behörden gehen schärfer gegen den „ruinösen Preiswettbewerb“ vor.
Der Konkurrenzkampf der Autobauer in China bleibt nach Einschätzung von Mercedes-Chef Ola Källenius auf längere Sicht knallhart. „Dass die Wettbewerbsintensität plötzlich verschwindet, darauf würde ich nicht hoffen – und das ist nicht unser Plan“, sagte Källenius. Mercedes wolle mit Innovationen noch schneller werden auf einem Markt, der mit schnellem Wechsel von Erfolg und Misserfolg der mehr als 100 Anbieter einer Achterbahnfahrt gleiche.
