Marktbericht: Anleger nehmen zum Wochenstart Tempo raus
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Die neue Zolldrohung aus den USA belastet zwar vor allem Autowerte. Aber angesichts der konjunkturellen Auswirkungen eines neuen Handelsstreits bleiben die Anleger zum Wochenstart eher zurückhaltend.
Der DAX startet mit einem soliden Plus in die neue Handelswoche, kann das Niveau aber nicht halten. Aktuell bewegt sich der deutsche Leitindex bei rund 24.290 Punkten kaum von der Stelle. Am vergangenen Donnerstag hatte der DAX 1,4 Prozent auf 24.292 Punkte gewonnen. Auf Wochensicht ergab sich ein Plus von rund 0,6 Prozent.
Die Nachrichtenlage bleibt angespannt, die Kurserholung der vergangenen Woche könnte sich als nicht nachhaltig erweisen: „Der Ölpreis ist immer noch hoch, die Lage an der Straße von Hormus nach wie vor ungeklärt. Und neue Zolldrohungen belasten die Stimmung. Der DAX tritt nun in eine saisonal eher schwache Börsenphase ein, während das jahreszeitliche Muster ihn bisher eher stützte. Unter dem Strich könnte sich die Schaukelbörse im DAX also fortsetzen“, kommentiert Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Für eine gewisse Unruhe sorgt abermals auch der US-Präsident. Donald Trump hatte am vergangenen Freitag auf seiner Online-Plattform eine kräftige Anhebung der US-Zölle auf Fahrzeuge aus der EU angekündigt. Die Zölle auf Importe sollen ab dieser Woche von 15 auf 25 Prozent erhöht werden. Höhere Zölle könnten Ökonomen zufolge die ohnehin angeschlagene Konjunktur in Deutschland weiter belasten.
Vor allem für die ohnehin schwächelnde deutsche Autobranche wäre das ein schwerer Dämpfer. Denn die Stimmung bei den Autobauern ist schon seit längerem angespannt. Das ifo-Branchenbarometer ist im April weiter gefallen. Die Iran-Krise verunsichere die Haushalte zusätzlich. Die hohen Energiepreise könnten auch für Zurückhaltung beim Neuwagenkauf sorgen, so die ifo-Experten. Am Aktienmarkt wirken sich Trumps Drohungen bereits aus: Die Aktien von Mercedes, BMW und Volkswagen fallen deutlich zurück.
Die Anleger behalten die Ölpreise genau im Blick, denn immer noch hängt die Stimmung der Anleger vor allem am Ölpreis. Ein Ende der Dominanz des Themas „Persischer Golf“ sei nicht in Sicht, schreiben die Analysten der Helaba in ihrem Tageskommentar. Die Verhandlungen zwischen Iran und den USA scheinen derweil festgefahren zu sein.
Das Ölkartell OPEC+ hatte für Juni zwar eine leichte Anhebung der Förderquoten beschlossen. Allerdings dürfte dieser Schritt wegen der Sperrung der Straße von Hormuz den Ölpreis kaum ernsthaft drücken. Aktuell kostet ein Fass Rohöl sowohl der Sorte Brent als auch der Sorte WTI weiterhin deutlich mehr als 100 Euro.
US-Präsident Trump hat deshalb angekündigt, dass die US-Streitkräfte ab heute dort festsitzende neutrale Schiffe eskortieren werden. Ziel sei es, die Freiheit der Handelsschifffahrt wiederherzustellen. Vor dem Krieg hatten Tanker etwa ein Fünftel der weltweit gehandelten Menge an Öl- und Flüssiggas durch die Straße von Hormus transportiert.
Die Situation habe sich über das Wochenende nicht wesentlich verbessert, aber auch nicht wesentlich verschlechtert“, kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Die Nachrichtenlage bleibe undurchsichtig.
Einige Titel werden heute mit Dividendenabschlag gehandelt, darunter zum Beispiel BASF, Continental, RWE und Hella. Das bedeutet, dass der Aktienkurs sinkt, weil die Höhe der Dividende abgezogen wird.
