Litauen sperrt wegen Drohne zeitweise Hauptstadtflughafen
Das öffentliche Leben in dem EU– und NATO-Land Litauen stand wegen des Drohnenalarms zeitweise still. Laut dem Verteidigungsministerium wurde der internationale Flughafen in der Hauptstadt Vilnius geschlossen. Der Flugverkehr war vorübergehend ausgesetzt. Zudem kam der Zugverkehr in dem kleinen Baltenstaat zum Erliegen.
Die Bewohner von Vilnius wurden auf ihren Mobiltelefonen über den Luftalarm informiert. Die Menschen wurden aufgefordert, sich unverzüglich in einen Schutzraum oder an einen anderen sicheren Ort zu begeben und weitere Anweisungen abzuwarten.
Auch Präsident Gitanas Nauseda und Regierungschefin Inga Ruginiene sowie Abgeordnete des Parlaments in Vilnius wurden in Sicherheit gebracht, wie ihre Büros der Nachrichtenagentur BNS mitteilten. Später hob die Armee den Alarm auf und teilte mit, die Menschen könnten die Schutzräume wieder verlassen.
NATO-Luftüberwachung wurde aktiviert
Litauens Armee hatte zuvor mitgeteilt, im Luftraum des benachbarten Belarus sei ein Radarsignal entdeckt worden, „das die typischen Merkmale eines unbemannten Luftfahrzeugs aufweist“. Die NATO-Luftüberwachung sei aktiviert worden. Vilnius befindet sich rund 30 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt.
Nach Angaben des litauischen Krisenmanagementzentrums war dann eine Drohne über dem Bezirk Vilnius gesichtet worden. Wegen ihrer Flugbahn seien die Bewohner der Hauptstadt gewarnt worden. Das Flugobjekt sei später vom Radar verschwunden. Der Verbleib sei unklar.
Ukrainische Angriffe in der Region Sankt Petersburg
Derartige Alarme traten in den vergangenen Monaten häufiger auf, da die ukrainischen Angriffe auf russische Ziele in der nahegelegenen Region Sankt Petersburg intensiviert wurden. Der Alarm an diesem Mittwoch war aber der erste seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, der in der Hauptstadt eines EU- und NATO-Mitgliedstaats eine Schutzanweisung für die Bevölkerung, für den Präsidenten, die Ministerpräsidentin und die Abgeordneten auslöste.
Am Dienstag hatte ein in Litauen stationierter NATO-Kampfjet über Estland eine offenbar verirrte ukrainische Drohne abgeschossen. Die Ukraine beschuldigte Russland, absichtlich ukrainische Drohnen in die Baltenstaaten umzuleiten.
In Lettland lösten Drohnen-Vorfälle zuletzt sogar eine Regierungskrise aus. Nach dem Verteidigungsminister trat vor einer Woche auch Ministerpräsidentin Evika Silina zurück.
Von der Leyen verurteilt russische Drohungen
Die baltischen Länder gehören zu den vehementesten Unterstützern der von Russland angegriffenen Ukraine. Moskau wirft den drei früheren Sowjetrepubliken immer wieder vor, dass sie der Ukraine als Basis für Angriffe auf russisches Territorium dienten. Die Länder weisen dies zurück.
Russland drohte jüngst offen mit Vergeltungsschlägen im Baltikum. Vorausgegangen waren massive ukrainische Drohnenangriffe, die auch Ziele in Moskau trafen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Drohungen auf der Plattform X als „völlig inakzeptabel“. Eine Drohung gegen einen Mitgliedsstaat sei eine Bedrohung für die gesamte Europäische Union. Russland und Belarus tragen von der Leyen zufolge die direkte Verantwortung für Drohnen, die das Leben und die Sicherheit der Menschen an der Ostflanke der EU gefährden.
gri/pgr (afp, dpa, rtr)
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