Hinrichtungen weltweit auf 40-Jahres-Hoch
Die Zahl der Hinrichtungen weltweit hat 2025 den höchsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten erreicht. Hauptgrund ist ein drastischer Anstieg im Iran. Das geht aus dem Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty Internationalhervor. Demnach wurden weltweit mindestens 2707 Menschen hingerichtet. Das sind 78 Prozent mehr als 2024. Zugleich ist es der höchste Wert, den Amnesty seit 1981 dokumentiert hat. Damals wurden 3191 Exekutionen registriert.
Nicht enthalten sind die Zahlen aus China. Amnesty geht davon aus, dass dort jedes Jahr Tausende Menschen hingerichtet werden. Damit wäre China weiterhin das Land mit den meisten Exekutionen weltweit. Offizielle Daten veröffentlicht die Regierung allerdings nicht.
Amnesty wirft mehreren Regierungen vor, die Todesstrafe gezielt zur Machtdemonstration einzusetzen. Die Organisation spricht von einer „grausamen Strafe“, die zum zentralen Bestandteil einer harten Sicherheits- und Kriminalpolitik gemacht werde. Ziel sei es, Kontrolle auszuüben, staatliche Stärke zu demonstrieren und den eigenen politischen Kurs zu stärken.
Wichtige Zahlen aus dem Bericht „Todesurteile und Hinrichtungen 2025“:
- 2707 registrierte Hinrichtungen weltweit – ohne China
- 2159 Hinrichtungen allein im Iran
- 54 Staaten halten weiterhin an der Todesstrafe fest
- 2334 neue Todesurteile wurden 2025 verhängt
- 25.508 Menschen saßen Ende 2025 weltweit in Todeszellen
- Nur 17 Länder vollstreckten 2025 tatsächlich Todesurteile
Als Hinrichtungsmethoden wurden 2025 Enthauptung, Erhängen, tödliche Injektionen, Erschießungen und Stickstoff-Erstickung eingesetzt. Amnesty betont, dass viele Staaten keine offiziellen Daten zur Todesstrafe veröffentlichen. Deshalb seien die erfassten Zahlen lediglich Mindestwerte. Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen dürfte deutlich höher liegen. Für Nordkorea und Vietnam konnte Amnesty zwar Exekutionen bestätigen. Für belastbare Mindestzahlen reichten die verfügbaren Informationen jedoch nicht aus.
Iran und Saudi-Arabien dominieren die Statistik
Mit mindestens 2159 Hinrichtungen entfielen rund 80 Prozent aller registrierten Exekutionen auf den Iran. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und erreichte den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Amnesty wirft den iranischen Behörden vor, die Todesstrafe als Mittel der Einschüchterung einzusetzen. Viele Verfahren seien grob unfair gewesen. Bestraft würden insbesondere Menschen, die das politische System infrage stellten oder als Gegner wahrgenommen würden.
Auch Saudi-Arabien verzeichnete einen deutlichen Anstieg. Dort wurden mindestens 356 Menschen hingerichtet, viele davon wegen Drogendelikten.
Mehr Hinrichtungen auch in den USA
Laut Amnesty wurden in den Vereinigte Staaten 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr. Fast die Hälfte der Exekutionen entfiel demnach auf den Bundesstaat Florida. Gleichzeitig sank die Zahl der Menschen in US-Todeszellen erstmals seit Beginn der Datenerfassung auf unter 2000. Gründe seien Begnadigungen und natürliche Todesfälle gewesen.
Fortschritte bei der Abschaffung der Todesstrafe
Trotz der hohen Zahlen sieht Amnesty auch positive Entwicklungen. Ende 2025 hatten weltweit 113 Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft. 1977 waren es erst 16 Länder gewesen.
In Vietnam wurde die Todesstrafe für mehrere Straftatbestände abgeschafft. Auch in Gambia, Liberia und Nigeria gab es Gesetzesinitiativen, um die Anwendung weiter einzuschränken oder ganz zu beenden. In Kirgisistan entschied das Verfassungsgericht, dass eine Wiedereinführung der Todesstrafe gegen die Verfassung verstoßen würde. Simbabwe wandelte alle bestehenden Todesurteile in andere Strafen um.
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, erklärte, nur ein menschenrechtsbasiertes Justizsystem könne echte Gerechtigkeit schaffen. Gesellschaften würden nicht durch Hinrichtungen geschützt, sondern durch starke Institutionen und politische Verantwortung.
Aus dem Englischen adaptiert von Friedel Taube.
