Bundeswehr zurück in Kiel: Militärstützpunkt statt Wohnungen
13 Jahre nach ihrem Abzug will die Bundeswehr ein früheres Marine Gelände an der Kieler Förde von der Stadt zurückkaufen. Eigentlich sollten hier neue Wohnungen entstehen.
02.05.2026 | 4:02 min
Perle, Filetstück, Sahneschnitte: So würden Immobilienmakler sich in Anzeigen überschlagen, wenn sie das Gelände anbieten könnten, das im Norden von Kiel im Stadtteil Holtenau liegt am Ende des Nord-Ostsee-Kanals.
Bundeswehr will Kieler Holtenau zurück
90 Hektar in bester Wasserlage mit Blick auf die funkelnde Förde, auf der die Segelschiffe und dicken Pötte in die Ferne davonziehen. Die Stadt Kiel nannte das Gelände „Zukunftsquartier“. 2020 hatte sie es von der Marine erworben, wollte dort Wohnungen für 5.000 Menschen entstehen lassen, Gewerbe und Kultur ansiedeln. Es war auf dem Papier eines der größten Stadtansiedlungsprojekte in Schleswig-Holstein.
Bis sich im vergangenen Sommer das Verteidigungsministerium aus Berlin meldete. Und das Gelände zurückforderte. Die veränderte Sicherheitslage erfordere einen deutlichen Aufwuchs der Streitkräfte, hieß es aus Berlin.
Laut dem US-Militär könnte die vollständige Entfernung der Seeminen in der Straße von Hormus ein halbes Jahr dauern. In Kiel bereiten sich Minentaucher auf den Einsatz vor.
23.04.2026 | 1:17 min
Neuer Marine-Standort statt Zukunftsquartier
Für das Militär ist Kiel ein idealer Standort: Tiefwasserhafen, Werften, gute Verkehrsanbindung, Rüstungsfirmen. Es folgten monatelange Verhandlungen. Nun hat die Stadt Kiel bekannt gegeben, dass man sich geeinigt habe. Holtenau und ein weiteres Areal im Stadtteil Wik gehen an die Bundeswehr. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, die Vereinbarung ist rechtlich noch nicht bindend, aber sie scheint unausweichlich.
Holtenau wird die Heimat für das Seebataillon: 1.500 Menschen, mehrere Dutzend kleine Kampfboote und entsprechende Fahrzeuge an Land.
Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Inspekteur der Marine
Die Bundeswehr in Kiel plant einen alten Standort im Kieler Stadtteil Holtenau zu reaktivieren. Das Gelände wurde bereits bis 2012 von der Bundeswehr genutzt. Dann aber an die Stadt verkauft.
22.07.2025 | 2:06 min
Wohnungsnot in Kiel: Kritik an der Stadt
Die Stimmung in der Stadt zeigt derzeit viele Schattierungen: Für die meisten kehrt die Marine notgedrungen dorthin zurück, wo sie schon in der Kaiserzeit war. 2012 zog das Militär von dem Gelände ab, es war zu klein geworden. Kritisch sehen viele, dass die Stadt Kiel die Zeit seitdem nicht genutzt hat. Andreas Meyer vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum in Kiel sagt:
Viele sagen zu Recht, wenn da jetzt schon was stünde, dann wäre der Drops gelutscht, aber das ist nun mal nicht.
Andreas Meyer, Bündnis für bezahlbaren Wohnraum Kiel
Ausweichflächen, die die Stadt nun für neue Wohnungen anbiete, würden nicht ausreichen, das seien verkleckerte Flächen. Der Mietmarkt sei angespannt und die Angebote für sozialen Wohnungsbau viel zu gering.
Mehr Soldaten und bessere Fähigkeiten: Verteidigungsminister Pistorius hat angesichts der internationalen Bedrohungslage eine Militärstrategie für die Bundeswehr vorgelegt.
22.04.2026 | 1:46 min
Betroffene fürchten Verdrängung und Kriegsrisiken
Auch Kieler Unternehmen sind von den Plänen betroffen. Die meisten wollen erstmal abwarten, bis sie sich äußern, was die Bundeswehr ihnen als Angebot macht. Enteignungen stehen als Maßnahme auch im Raum.
Vereinzelt hat es Demonstrationen gegen die Entscheidung gegeben. Aktivisten haben auf dem Gelände ein Baumhaus errichtet, um gegen Militarismus und für mehr Mitbestimmung zu demonstrieren. Sie verweisen auf die, die hier auf dem Gelände in einer Bauwagengruppe und Flüchtlingsunterkunft leben und die, die im Skaterpark oder beim Spazieren ihre Freizeit verbringen.
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13.02.2026 | 2:04 min
Einige der Betroffenen waren Mitte April auch zu einer öffentlichen Bürgerversammlung gekommen, die Stadt und Bundeswehr angesetzt hatten. Es gab keine lauten Proteste, keine Transparente, aber es gab kritische Nachfragen von einigen Menschen, deren Leben sich konkret ändern wird.
Florian Schröder zum Beispiel, der auf einem Segelboot in einem Kieler Hafen lebt. Er hat dort wie etwa 30 andere Menschen auf dem Boot seinen Erstwohnsitz. Seine Kritik an der Stadt:
Ist ja schön, dass sie einen so tollen Dialog geführt haben, aber die Kommunikation mit uns war grottenschlecht.
Florian Schröder, Anwohner
Andere fürchten, dass Kiel im Kriegsfall durch einen Stützpunkt erst recht zur Zielfläche werden könnte. Viele Kieler aber sagen auch: Die Zeiten sind, wie sie sind. Und Kiel muss sich mit ihnen ändern – notgedrungen.
Winnie Heescher berichtet aus dem ZDF-Studio in Kiel.
Über dieses Thema berichtete der Länderspiegel am 02.05.2026 ab 17:05 Uhr.
