SAP stemmt sich gegen die Apokalypse

Die Meinung der professionellen Marktbeobachter ist überraschend klar: Geht es nach den Bankanalysten, dann ist der Softwarekonzern SAP an der Börse unterbewertet. Im Schnitt liegt ihr Kursziel für die Aktie deutlich höher als der aktuelle Wert.
Trotzdem dringt der Konzern bisher mit seiner Nachricht nicht durch: Die Sorgen vor einer Apokalypse unter den Softwareherstellern – ja, dieser Begriff fällt tatsächlich häufig – sei übertrieben. Künstliche Intelligenz werde das Geschäftsmodell zwar verändern, aber nicht grundlegend in Frage stellen. Entscheidender Wettbewerbsvorteil bleibe die Datenqualität, die Datenhistorie und das Verständnis von komplexen Geschäftsvorgängen – all das biete SAP.
Immerhin versteht sich der Konzern als der mit Abstand weltgrößte Hersteller von Programmen zur Steuerung von Unternehmen: von der Buchhaltung über die Kunden bis zum Lieferanten. Am Freitag konnte der Konzern mit seinen Quartalszahlen seine Sicht der Dinge nochmal untermauern. Die befürchtete Wachstumsbremse jedenfalls ist nach wie vor nicht zu spüren, die Clouderlöse und Cloudauftragseingänge sind währungsbereinigt im Jahresvergleich um rund ein Viertel gestiegen.
Wachstumsraten, von denen traditionelle Industrieunternehmen nur träumen können. Unterm Strich stehen nach drei Monaten fast zwei Milliarden Euro Gewinn – damit spielt SAP zwar nicht in der Liga von Apple & Co, trotzdem ist die Kasse gut genug gefüllt, um sich im anstehenden Konsolidierungsprozess zu behaupten.
Nach der Zahlenvorlage ist der Aktienkurs stark gestiegen. Wahr ist aber auch, dass er tags zuvor auch stark gefallen war. Die Angst an den Kapitalmärkten ist mit Händen zu greifen, die Unsicherheit, wie KI die Wirtschaft verändert, ja, ob klassische Softwarehersteller überhaupt noch eine Zukunft haben, ist enorm. Seit einem Jahr ist der Aktienkurs von SAP um ein Drittel gefallen. Der IT-Vorzeigekonzern aus Deutschland hat damit seine Prestigeposition als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen an Siemens verloren.
Noch haben sich die Befürchtungen der Skeptiker nicht bestätigt, noch wackelt der Schwanz nicht mit dem Hund, noch behauptet sich der Konzern auch in diesem Paradigmenwechsel. Vielleicht haben die professionellen Beobachter doch recht und SAP gehört nicht zu den Verlierern der KI. Der Jahresauftakt jedenfalls stimmt optimistisch.
