Hantavirus: Deutsche Passagierin von Hantavirus-Schiff wird in NRW untersucht



Eine Deutsche, die an Bord des Kreuzfahrtschiffs Hondius mit einer am tödlichen Hantavirus verstorbenen Passagierin Kontakt hatte, ist am späten Mittwochabend am Uniklinikum Düsseldorf eingetroffen. Die Frau gilt als »Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer
Hantavirus-Infektion« und werde vorsorglich untersucht, hatte die Klinik zuvor mitgeteilt. Der Zustand der Frau sei »stabil, derzeit zeigt sie keine Symptome einer Infektion«, sagte die Feuerwehr am Abend.

Die Passagierin war am Vormittag mit zwei weiteren Passagieren wegen Hantavirus-Verdachts von dem Kreuzfahrtschiff im Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia geholt worden. Die Deutsche wurde mit einem Spezialflugzeug nach Amsterdam ausgeflogen und dann mit einem Krankenwagen nach Düsseldorf gebracht worden. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums handelt es sich um
eine 65-jährige Deutsche. Das Klinikum äußerte sich nicht zur Identität
der Frau.

Die beiden anderen Personen sitzen wegen eines technischen Problems ihres Flugzeugs noch auf den Kanaren fest und warten auf die Ausreise. Die beiden Patienten sind infizierte Crew-Mitglieder. Ein Brite (56) und ein
Niederländer (41) sind nach Angaben der Reederei krank und brauchen
dringend medizinische Hilfe. Bei dem Briten handelt es sich demnach um den Schiffsarzt.

Bei einer Vogelbeobachtung angesteckt?

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
WHO gab es an Bord des Kreuzfahrtschiffes Hondius acht Hantavirus-Krankheitsfälle, von denen fünf durch Labortests bestätigt wurden. Drei Menschen starben, darunter ein Deutscher und ein niederländisches Ehepaar. Eine Leiche befindet sich noch an Bord.

Am Mittwoch gab die WHO zudem einen weiteren Fall bekannt. Ein Passagier der Hondius
wurde nach seiner Rückkehr in die Schweiz positiv auf das Hantavirus
getestet. Er wird nach Angaben der Behörden im Universitätsspital Zürich
behandelt. Der Mann war im Verlauf der Reise von Bord gegangen und über
Südafrika in seine Heimat geflogen. Die Ehefrau habe keine Symptome. Ob
der Mann zu den acht Infizierten gerechnet wird, ist bislang unklar.

Die in Düsseldorf eingetroffene Deutsche hatte den Angaben zufolge mit einer Frau Kontakt, die am 2. Mai auf dem Schiff starb. Bei den beiden anderen Toten handelte es sich um ein niederländisches Ehepaar, das offenbar vor ihrer Kreuzfahrt mehrere Länder in Südamerika bereist hatte.

Argentisches Gesundheitsministerium entsendet Experten

Argentiniens Regierung hält es nach Informationen der Nachrichtenagentur AP am wahrscheinlichsten, dass sich das niederländische Paar – darunter also der sogenannte Patient Null – während
einer Vogelbeobachtungstour in der südargentinischen Provinz Feuerland mit dem Virus angesteckt habe. Dort hatte das Schiff zu seiner Kreuzfahrt abgelegt. Während der Tour in der Stadt Ushuaia vor dem Einschiffen
seien die beiden auf einer Mülldeponie möglicherweise mit infizierten
Nagetieren in Kontakt gekommen.

Das Ehepaar war nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums am 27. November in Argentinien angekommen. Es reiste anschließend nach Chile und Uruguay weiter und kehrte am 27. März nach
Argentinien zurück, um am 1. April an Bord der Hondius zu gehen. Das Ministerium betonte, es sei »nicht bestätigt, dass die Ansteckung in
Argentinien stattgefunden hat«. Feuerland habe »seit Einführung der
Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet«.

Die argentinischen Behörden kündigten an, Experten nach Ushuaia zu entsenden. Die Experten für Infektionskrankheiten des Malbrán-Instituts in Buenos Aires würden dort nach einer »möglichen Präsenz des Virus« suchen, teilte das argentinische Gesundheitsministerium mit. Sie würden dabei in Gebiete reisen, die zuvor von den beiden niederländischen Passagieren besucht wurden.

Kreuzfahrtschiff ist jetzt auf dem Weg zu den Kanaren

Unterdessen ist die Hondius von Kap Verde in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen. Das Schiff werde »innerhalb von drei
Tagen« im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen, teilte
Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mit. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls
medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen
Heimatländer zurückkehren.

Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das
Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der WHO
. Er beklagt
»fehlende Transparenz« und fordert ein »dringendes Treffen« mit Spaniens
Regierungschef Pedro Sánchez.

Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren
übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist in seltenen Fällen
auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dies ist zum
Beispiel bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm der Fall, der bei mehreren Fällen beim aktuellen Ausbruch auf dem Schiff nachgewiesen wurde.



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