ZDF-Reporter Ziel von Cyberangriff – steckt China dahinter?
Journalisten werden von Hackern angegriffen. Wie können sie trotzdem arbeiten und ihre Quellen schützen? frontal inside fragt nach.
28.04.2026 | 6:22 min
Die Warnung kam von Google: „Staatlich unterstützte“ Angreifer würden versuchen, das Mailkonto eines ZDFfrontal-Reporters zu hacken, schrieben Sicherheitsexperten des Konzerns im Herbst 2025. Der Schweregrad der Attacke: hoch. Wer dahintersteckt, verriet Google nicht. Aus Expertenkreisen hieß es später: mutmaßlich China.
Die E-Mail an den ZDFfrontal-Reporter kommt zu einer Zeit, in der viele Journalisten, Dissidenten und Angehörige ethnischer Minderheiten zum Ziel chinesischer Cyberangriffe werden. Experten des Forschungsinstituts „Citizen Lab“ der Universität Toronto beobachten eine „weitreichende Kampagne“. Ziel sei der Zugang zu privaten Informationen von uigurischen, tibetischen, taiwanesischen und Hongkonger Aktivisten im Exil sowie Journalisten, die über Aktivitäten dieser Gruppen berichteten.
ZDFfrontal hatte im April 2025 zusammen mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) und Medien aus der ganzen Welt berichtet, wie China gezielt im Ausland lebende ethnische Minderheiten, Kritiker und Aktivisten verfolgt. Deutschland ist die neue Heimat vieler chinesischer Dissidenten, Tibeter und Uiguren – und entsprechend stark im Visier Pekings. So deckten ZDF-Reporter unter anderem einen gezielten Angriff auf den Weltkongress der Uiguren (WUC) mit Sitz in München auf.
In Peking ist der Nationale Volkskongress zu Ende gegangen. Investitionen in Schlüsselindustrien wurden beschlossen und ein Gesetz, das Kritikern zufolge Minderheitenrechte beschneidet.
12.03.2026 | 3:13 min
China weist Vorwürfe zurück
Kurz nach der Veröffentlichung erhielten viele an der Recherche beteiligte Journalisten auffällige E-Mails sowie Warnungen, die auf einen versuchten staatlichen Angriff verwiesen. Dahinter steckte wohl China. Forscher des „Citizen Lab“ untersuchten diese Angriffe auf das ICIJ und seine Partner in Europa, Asien und den USA und veröffentlichten dazu einen ausführlichen Report.
Auf ZDF-Anfrage wies die chinesische Botschaft in Berlin die Vorwürfe von sich. Man lehne „alle Formen von Cyberangriffen entschieden ab und bekämpft sie im Einklang mit dem Gesetz“. China sei kein Täter, sondern „eines der Hauptopfer von Cyberangriffen“. Google erklärte auf Anfrage, dass jeder Nutzer, der Warnungen erhalte, angehalten sei, einen Sicherheits-Check vorzunehmen. Konkrete Fragen zum Angriff auf den ZDFfrontal-Reporter ließ der Konzern unbeantwortet.
China droht immer wieder damit, Taiwan zu besetzen. Kürzlich besuchte Taiwans Oppositionsführerin China und warb für gemeinsame Friedensbemühungen. Was dahinter steckt, analysierte ZDFheute live.
10.04.2026 | 12:30 min
Anweisung der chinesischen Regierung?
Die „Citizen Lab“-Analystin Rebekah Brown vermutet, dass Akteure mit Verbindungen zur chinesischen Regierung herausfinden wollten, mit wem die Reporter in Kontakt stehen. Das „Citizen Lab“ geht davon aus, „dass es eine Art Anweisung gab, wonach es besonders nach dem ‚China Targets‘-Bericht sehr wichtig sei zu wissen, wer mit euch spricht und woran ihr gerade arbeitet“.
Zwar konnten die Forscher nicht feststellen, welche Regierungsbehörde die Anweisungen gegeben haben könnte, „aber wir sind sehr sicher, dass es sich um China handelt“, sagt Brown, die in der Vergangenheit als Analystin für die US-Regierung tätig war.
Chinesische Dissidenten baten Merz um Hilfe
Das „Citizen Lab“ konnte mehr als hundert Domains identifizieren, die auf über ein Dutzend Personen abzielten, mit dem Ziel, Zugangsdaten zu stehlen und so wohl weitere Repressionsmaßnahmen zu ergreifen – wie etwa Druck auf Familienmitglieder in China auszuüben.
Kurz vor der China-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Februar dieses Jahres baten chinesische Dissidenten und Minderheitenvertreter in einem offenen Brief um Hilfe und forderten das „Ende von Einschüchterung und Bedrohung von Menschen in Deutschland“. Ob Merz diese Forderung in China angesprochen hat, ist nicht bekannt. Nur so viel: Der Kanzler habe sich „auch zu menschenrechtlichen Fragen“ ausgetauscht.
Kanzler Merz besichtigte im Februar Chinas Innovationszentren. Der Besuch konfrontierte deutsche De-Risking-Pläne mit der Realität enger wirtschaftlicher Verflechtungen.
26.02.2026 | 2:24 min
Opposition fordert härteres Vorgehen
Politiker wie die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann fordern „mehr Klarheit und mehr politische Deutlichkeit“. Die Bundesregierung müsse jene Angriffe als das behandeln, was sie sind, „nicht nur Cyberkriminalität, sondern potenziell politisch motivierte transnationale Repression“. Es brauche eine „enge Taskforce von Sicherheitsbehörden, Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und Staatsanwaltschaften, damit Betroffene niedrigschwellig melden können und Angriffe schnell forensisch gesichert werden“.
Bislang, so räumte die Bundesregierung unlängst ein, bestehe „ein nicht unerhebliches Dunkelfeld“, was die Dimension angehe. Besonders gefährdet seien Exil-Oppositionelle, Dissidenten sowie Journalistinnen und Journalisten.
„Die Gefahr durch ausländische Einflussnahme, Bedrohung, Einschüchterung durch autoritäre Staaten bis hin zu Mord ist sehr real und nimmt weiter zu“, warnt indes der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz. Er sieht die Verantwortung bei Bundeskanzler Merz. „Wenn die Bundesregierung ihre eigenen Warnungen ernst nimmt, muss sie auch entsprechend handeln.“ Bisherige Bemühungen würden „bei Weitem“ nicht ausreichen.
