Gamestop greift nach Ebay – doch die Finanzierung wackelt
Übernahme
Gamestop greift nach Ebay – doch die Finanzierung ist wacklig
Der Spielehändler Gamestop plant offenbar die Übernahme der Online-Handelsplattform Ebay – ein milliardenschwerer Deal, der Reddit-Anleger mobilisiert aber auch Fragen zur Finanzierung aufwirft
Dass Gamestop kein normales Unternehmen ist, dürften selbst börsenferne Menschen mitbekommen haben. Kein andere Aktie stand so für die Memestock-Rally im Jahr 2021 wie die von Gamestop. Damals verabredeten sich zahlreiche Privatanleger auf der Plattform Reddit zum Kauf bestimmter Aktien, um so verhassten Shortsteller zu schaden, die auf fallende Kurse einer Aktie setzen. Die Gamestop-Aktie stand dabei im Zentrum – von Gamern geliebt, von Analysten wegen schlechter Zahlen gehasst – und legte binnen weniger Wochen um über 400 Prozent zu.
Seit 2021 hat sich der Gamestop-Hype zwar etwas normalisiert, doch von seiner fundamentalen Entwicklung ist das Unternehmen weiterhin weit entfernt. Fast schon exemplarisch dafür steht die Meldung des „Wall Street Journal“, dass Gamestop offenbar überlegt, die viel größere Handelsplattform Ebay zu übernehmen. Gamestop kommt dabei auf knapp 11 Mrd. Dollar Börsenwert, Ebay auf 45 Mrd. Dollar. Ebay ist also ein Vielfaches wert – was den Kauf zu einer der aggressivsten Übernahmen der jüngeren Geschichte machen würde.
Die Börse reagierte prompt. Ebay legte zweistellig zu, Gamestop gewann ebenfalls. Die Fantasie ist zurück im Markt. Doch sie wirft sofort die zentrale Frage auf: Wie will Gamestop die Übernahme überhaupt stemmen?
Klar ist, dass der Spielehändler nicht nur Papiergeld aus dem Memestock-Hype generiert hat. Das Unternehmen sitzt inzwischen auf einem üppigen Cash-Polster von rund 9,4 Mrd. Dollar. Das ist viel Geld, aber reicht natürlich nicht aus, um die Übernahme zu finanzieren. Selbst bei einer Mischung aus Aktientausch und Schulden bliebe die Transaktion extrem ambitioniert. Am wahrscheinlichsten wäre dennoch eine klassische „All-Stock“-Offerte, also ein Aktientausch, bei dem Ebay-Aktionäre zu Gamestop-Investoren werden und eine Teilfinanzierung über Schulden. Angeblich soll es Sicherheiten in Höhe von 20 Mrd. Dollar geben. Die Bank Bernstein warnt allerdings vor „großen Herausforderungen“ für die Finanzierung.
Klar ist, dass der Markt zunächst an die Vision von Gamestop-Chef Ryan Cohen glauben muss. Und zwar nachhaltig.
Was will Gamestop-Chef Cohen?
Die Strategie von Gamestop-Chef Ryan Cohen lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Er will Größe um jeden Preis. Daraus macht er überhaupt keinen Hehl. Insofern würde der Deal sogar erstaunlich gut zu Gamestop passen.
Die Aktionäre gehen diesen Weg bislang mit. Cohen hat einen beinahe religiösen Kult um die Marke aufgebaut, wie es vielleicht nur Elon Musk bei Tesla gelungen ist. Die Frage ist aber, ob sich Ebay-Aktionäre diesem Kult anschließen wollen. Denn wenn das Ebay-Management die Offerte ablehnen sollte, kommt es auf genau diese Community an – sie muss dem Verkauf zustimmen.
Genau darin liegt aber auch eine Chance für Cohen und Gamestop. Die Reddit-Anleger, die Gamestop 2021 unterstützten, sind noch da. Sie haben sich zwar verändert, aber ihre Mobilisierungskraft ist weiter real. In Reddit-Foren wird bereits spekuliert, ob die Community einen Deal aktiv unterstützen könnte, etwa durch koordinierte Käufe von Ebay-Aktien oder öffentliche Kampagnen. Es wäre wohl nicht Option A für Cohen, auf diese Community zu setzen, aber eine Option, die man nicht ignorieren sollte.
Dass es Cohen ernst meint mit Ebay, unterstreicht auch das „Wall Street Journal“. Demnach hat Gamestop bereits im Hintergrund eine Beteiligung aufgebaut. Ein offizielles Übernahmeangebot könnte noch im Mai erfolgen. Mit der Übernahme verspricht sich Cohen offenbar Synergien in Höhe von 2 Mrd. Dollar jährlich, wie der Gamestop-CEO in einer öffentlich gewordenen Nachricht an Ebay-Chef Paul Pressler schrieb.
Und auch strategisch erscheint der Vorstoß stringent: Cohen hat mehrfach betont, dass er wegwill vom reinen Einzelhandel mit Spielen und Sammlerstücken. Er suche daher gezielt nach Plattformmodellen mit hoher Skalierbarkeit – etwas, das Ebay zweifellos verspricht. Das Unternehmen verfügt über eine globale Marktplatz-Infrastruktur, Millionen aktiver Nutzer und eine starke Position bei Sammlerstücken und Gaming – Geschäftsfelder, die sich mit Gamestops Kern überschneiden. Außerdem hat Ebay bereits eine erfolgreiche Diversifizierung durchlaufen und hat seine Marktanteile in margenstärkeren Segmenten wie Luxus und Vintage-Mode deutlich ausgebaut. Der Zukauf der Secondhand-Plattform Depop für 1,2 Mrd. Dollar von Etsy steht genau dafür.
Cohens Wachstumshunger rührt auch daher, dass sein Vergütungspaket entsprechend aufgebaut ist. Er kann Milliarden verdienen, wenn er Gamestop auf eine Bewertung von über 100 Mrd. Dollar bringt. Organisches Wachstum reicht wohl nicht, um dieses Ziel zu erreichen. Es braucht einen Sprung, der nur durch aggressive Zukäufe möglich ist.
Unterstützung kommt dabei auch von prominenter Seite. Ebay-Investor Michael Burry, berühmt durch die korrekte Vorhersage der Immobilienblase 2007, meint, Gamestop solle seine Cash-Reserven für Zukäufe nutzen. Genau das könnte jetzt passieren. Trotz aller strategischen Logik bleibt der Deal aber ein Hochrisiko-Manöver. Die Integration zweier unterschiedlicher Geschäftsmodelle wäre komplex, die Finanzierung mehr als unsicher. Und ob Ebay überhaupt verhandlungsbereit will, steht ebenso in den Sternen.
Ebay kaum noch relevant in Deutschland
Ein oft übersehener Punkt in der deutschen Debatte ist dabei: Ebay ist längst nicht mehr das, was viele deutsche Nutzer im Kopf haben. Die Trennung von Ebay Kleinanzeigen – inzwischen eigenständig und unter neuem Namen unterwegs – hat das Deutschlandgeschäft deutlich verändert. Der Marktplatz „Ebay“ existiert zwar weiter, aber seine Bedeutung ist geschrumpft. Die Musik spielt bei der eigenständigen Plattform Kleinanzeigen. In den USA und anderen Ländern ist es gleichwohl anders.
