Festnahmen bei Protesten gegen die Regierung in Bolivien
In Boliviens Hauptstadt ist es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern von Ex-Präsident Morales und der Polizei gekommen. Die Proteste setzen Präsident Paz weiter unter Druck. Er wirft seinem Vorgänger vor, die Unruhen zu orchestrieren.
In Boliviens Hauptstadt La Paz ist es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Anhängern des früheren Präsidenten Evo Morales gekommen, gegen den ein Haftbefehl besteht. Tausende Unterstützer versammelten sich vor dem Regierungssitz und forderten den Rücktritt von Präsident Rodrigo Paz.
Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, als Demonstranten versuchten, Polizeisperren zu durchbrechen. Explosionen waren zu hören, mehrere Gebäude wurden evakuiert. Teilnehmer der Proteste rissen Ladentüren heraus und setzten Sofas als Barrikaden in Brand. 90 Menschen wurden festgenommen.
Morales soll Proteste organisieren
Der stellvertretende Innenminister Hernán Paredes sagte, Proteste seien möglich, solange sie friedlich verliefen. „Aber wir werden handeln, wenn sie Straftaten begehen“, so Paredes.
Paz wirft seinem Vorgänger Morales vor, die Unruhen zu arrangieren, um seine Regierung zu schwächen. In den vergangenen Wochen hatten Straßenblockaden Städte abgeschnitten und zu Engpässen bei Lebensmitteln und Treibstoff geführt. Am Wochenende hatte Paz Tausende Polizisten und Militärs eingesetzt, um die Blockaden aufzulösen.
Schwere Wirtschaftskrise
Die Unruhen gelten als bislang größte Herausforderung für Paz, der seit sechs Monaten im Amt ist. Bolivien steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Paz versucht, Sparmaßnahmen mit dem Druck aus dem Lager von Morales in Einklang zu bringen.
Ausgangspunkt der Proteste waren Gewerkschaftsforderungen nach höheren Löhnen. Später schlossen sich Bauern und Minenarbeiter an. Einige Gruppen einigten sich zuletzt mit der Regierung und beendeten ihre Streiks. Dennoch dauern die Proteste an.
Haftbefehl gegen Ex-Präsidenten
Morales entzieht sich seit anderthalb Jahren einem Haftbefehl wegen einer Beziehung zu einer Minderjährigen. Er weist die Vorwürfe zurück.
