Einhorn aus Kleinstadt: Batterie-Start-up CMBlu jetzt 1 Milliarde wert
Milliardenbewertung
Batterie-Start-up aus fränkischer Kleinstadt wird Einhorn
Die Batterien von CMBlu sollen Wind- und Sonnenstrom besonders lange speichern können. Nun hat das Start-up aus Alzenau die Milliardenbewertung erreicht. Geleitet wird die Firma von einem prominenten Szenekopf
Fachwerkhäuser, eine Burg aus dem Mittelalter und ausgedehnte Streuobstwiesen: Die unterfränkische Kleinstadt Alzenau mit rund 18.000 Einwohnern wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Ort, an dem Hightech entsteht. Nun sorgt ausgerechnet hier ein Start-up für Aufsehen, das Investoren mit mehr als 1 Mrd. Euro bewerten.
Der Batteriespeicheranbieter CMBlu hat in einer neuen Finanzierungsrunde zunächst rund 50 Mio. Euro eingesammelt und damit den Sprung zum sogenannten Einhorn geschafft, wie das Unternehmen mitteilte. Zu den Geldgebern zählen unter anderem der Beteiligungsarm des Chipriesen Samsung sowie bestehende Investoren wie der Baukonzern Strabag. Dieser hatte sich bereits vor drei Jahren mit einer Geldspritze von 100 Mio. Euro an dem Start-up aus Alzenau beteiligt. Gegründet wurde CMBlu im Jahr 2014 von Peter Geigle, einem Mediziner.
Batterien ohne Lithium
CMBlu geht ein zentrales Problem der Energiewende an: Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne lässt sich nur für kurze Zeit speichern. Häufig entsteht Energie dann, wenn sie gerade nicht gebraucht wird – und fehlt, wenn die Nachfrage steigt. Genau hier setzt die Technologie des Start-ups an. CMBlu entwickelt große stationäre Batteriespeicher, die Strom über viele Stunden hinweg speichern können.
Das Unternehmen setzt auf eine sogenannte Feststoff-Flow-Technologie namens „Solidflow“. Vereinfacht gesagt kombiniert sie zwei Prinzipien: flüssige und feste Speicher. Dabei werden flüssige Elektrolyte in getrennten Tanks gespeichert und über eine Membran miteinander verbunden. Beim Laden und Entladen wandern Elektronen zwischen den Flüssigkeiten, Energie wird chemisch gespeichert und bei Bedarf wieder freigesetzt.
Ein Vorteil dieses Aufbaus: Die gespeicherte Energiemenge lässt sich vergleichsweise einfach erhöhen, indem größere Tanks eingesetzt werden. Die Batterie funktioniert damit eher wie ein Stromspeicher mit „Tank“ als wie ein klassischer Akku. So kann überschüssiger Strom aus sonnigen oder windreichen Stunden länger zwischengespeichert und später wieder ins Netz eingespeist werden – etwa dann, wenn Haushalte und Industrie ihn benötigen.
Ab einer Speicherdauer von zehn Stunden seien die Batterien gängigen Lithium-Ionen überlegen – „sowohl beim Preis als auch beim Platzbedarf“, sagte Firmenchef Constantin Eis kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zugleich verzichtet CMBlu auf Lithium und andere knappe Rohstoffe. „Alle Komponenten können im Grunde aus Deutschland selbst kommen“, so Eis. Stattdessen kommen nach seinen Angaben häufig verfügbare, teils wasserbasierte Materialien zum Einsatz. Das soll die Abhängigkeit von globalen Lieferketten verringern und die Sicherheit erhöhen, da die Stoffe nicht so leicht entflammbar sind.
Szenepromi leitet das Start-up
Entsprechend groß ist das Interesse aus der Industrie. So hat etwa der Energiekonzern Uniper bereits eine Rahmenvereinbarung über mehrere Gigawattstunden Speicherkapazität geschlossen. Auch Konzerne wie Samsung sehen in der Technologie eine Grundlage für die künftige Energieversorgung, etwa für datenintensive Anwendungen wie Künstliche Intelligenz und den Betrieb großer Rechenzentren. Der Baukonzern Strabag wiederum setzt auf solche Speicher als Baustein für die Energiewende.
Am Standort Alzenau hat CMBlu inzwischen den Schritt aus der reinen Forschung in die industrielle Fertigung vollzogen. Dort betreibt das Unternehmen neben seiner Zentrale eine eigene Produktionsanlage für Batteriespeicher und beschäftigt insgesamt 250 Mitarbeitende. Bislang macht das Start-up noch hohe Verluste: Der jüngste Geschäftsbericht für das Jahr 2024 weist einen Fehlbetrag von knapp 30 Mio. Euro aus. Das frische Kapital aus der Finanzierungsrunde soll vor allem den Ausbau der Produktion und den Markteintritt beschleunigen.
„Wir gehen davon aus, dass wir 2028 die Produktion ausgelastet haben und sie dann entsprechend erweitern müssen“, sagte Firmenchef Eis dem „Handelsblatt“, der vor gut zwei Jahren den Chefposten von Gründer Peter Geigle übernommen hat. In der deutschen Start-up-Szene ist Constantin Eis eine prominente Figur. Der 43-Jährige war mehrere Jahre lang Finanzchef beim Möbelversender Home24 und baute das Matratzen-Start-up Casper mit auf. Vor seinem Wechsel zu CMBlu leitete er den Energieversorger Lichtblick.
