Bulgarien gewinnt den Eurovision Song Contest 2026
Jung, frisch und frech, mit etwas Zombieästhetik, Tänzern und Stühlerücken, ein tanzbarer Rhythmus und mit dem Wort „Bangaranga“ ein eingängiger Refrain: Bulgarien hat bereits im nationalen ESC-Vorentscheid auf Dara gesetzt. Die Rechnung ging auf.
Dabei begann Daras Auftritt mit ihren Tänzerinnen und Tänzern eher unspektakulär: auf Stühlen. Das änderte sich nach wenigen Sekunden: Der Beat kam, die Zombies erwachten, und dann startete „Bangaranga“ durch. Mit sehr tanzbaren Rhythmen und einer eigenwilligen, aber elektrisierenden Choreographie. Das hat nicht nur die nationalen Jurys der 35 Länder, die abgestimmt haben, überzeugt, auch das internationale Publikum sah das Ensemble ganz vorne.
Zweiter wurde Israel – vom deutschen Publikum hat es die höchste Punktzahl bekommen – gefolgt von Rumänien, Australien und Finnland. Deutschland hat 12 Punkte – insgesamt- erreicht, und ist damit auf Platz 23 gelandet, das Vereinigte Königreich ist Letzter geworden.
70 Jahre ESC
Zum siebzigsten Mal fand am Samstagabend (16. Mai 2026) der Eurovision Song Contest, kurz ESC genannt statt. 25 Länder traten im Finale des größten internationalen Musikwettbewerbs in der österreichischen Hauptstadt gegeneinander an.
Rap in Landessprache aus Moldawien, Garage-Rock aus Norwegen, eine Ballade aus Malta, ein bisschen Metal aus Serbien, Gothic aus Rumänien und Ethnopop aus Kroatien, und 80er-Jahre Italopop – das waren einige musikalische Ausreißer in diesem ESC-Jahrgang 2026. Ansonsten dominierten Tanznummern mit viel Pyrotechnik und Lichteffekten, kaum ein Künstler oder eine Künstlerin war allein auf der Bühne. Tatsächlich hat auch das Publikum die ruhigeren Songs nicht so goutiert wie die spektakulären Auftritte.
Die Wiener Stadthalle hatte rund 16.000 Menschen live vor Ort eine eindrucksvolle Kulisse geboten, die auch im TV gut rüberkam. Etwa 150 Millionen Zuschauer haben das Spektakel im Fernsehen verfolgt.
Seit 1983 wird der ESC in Australien übertragen und hat dort so viele Fans gewonnen, dass seit 2015 Down Under mit dabei ist – mehr oder weniger erfolgreich. In diesem Jahr wurde Delta Goodrem, die zu den hohen Favoritinnen zählte, trotz hervorragenden Gesangs und Stunt auf einem goldenen Flügel nur Vierte. Dennoch hat sie nun auch außerhalb Australiens viele neue Fans gewonnen: „Australien ist mein Lieblingsland in Europa“, witzelte ein User.
ESC ist und bleibt politisch
Rund um den eigentlich betont unpolitischen ESC gab es wie auch in den vergangenen Jahren Diskussionen und Kritik, die sehr wohl politisch waren: Vor allem ging es um die Teilnahme Israels.
Hintergrund ist Israels Vorgehen im Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023. Die European Broadcasting Union (EBU), die den Wettbewerb veranstaltet, wurde von Kritikerinnen und Kritikern aufgefordert, Israel vom ESC auszuschließen, doch die EBU hielt an Israels Teilnahme fest. Die Folge: Fünf Länder, die sonst zu den ESC-Veteranen zählen, haben 2026 nicht am ESC teilgenommen. Außer dem osteuropäischen Land Slowenien boykottierten auch Spanien, Irland, die Niederlande und Island den 70. Song Contest. Kein schönes Geschenk zum 70. Jubiläum des Wettbewerbs. Nur 35 Länder waren dabei, es ist die niedrigste Zahl seit der Einführung der Halbfinals im Jahr 2004.
Deutschlands Teilnehmerin nimmt’s sportlich
In der 70-jährigen ESC-Geschichte hat Deutschland erst zweimal gewonnen: 1982 mit Nicoles Antikriegshymne „Ein bisschen Frieden“ und 2010 mit der damals erst 19-jährigen Lena Meyer-Landrut und ihrem Song „Satellite“. Danach ging es schwer bergab für die deutschen Kandidatinnen und Kandidaten – ein erster Lichtblick stellte sich 2018 in Lissabon ein, als Michael Schulte den vierten Platz erreichte – für viele ziemlich überraschend.
Sarah Engels, die in diesem Jahr mit „Fire“ eine ESC-taugliche Performance abgeliefert hat, mit viel Tanz, Haut und kräftiger Stimme, sieht ihren 23. Platz – also den drittletzten – sportlich und macht allen, die Lust auf Musik haben, Mut. Froh darüber, sich aus ihrem Bühnenoutfit schälen zu können, ist sie nach der Show zur Aftershowparty weitergezogen, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte und viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Fans und Freunde zum Abschluss des diesjährigen ESC noch einmal zusammenbrachte.
(sw/al/dpa)
