Simson Roadtrip nach Belgien – 1.528 Kilometer Abenteuer
Mit DDR-Mopeds auf Roadtrip Richtung Spa. 18% Steigung an der Wartburg und erste Pannen bremsen die acht Freunde bereits aus – doch dann ein Unfall, der alles verändert.
30.04.2026 | 31:13 min
Auf ihren 60 km/h schnellen DDR-Kult-Mopeds haben die Simsonfreunde Niederbösa mit 1.528 Kilometern ihren bislang längsten Roadtrip gemacht. Woher kommt die Idee, auf Simsons von Thüringen bis nach Belgien zu fahren?
Die Idee wuchs zum einen aus dem Hobby, weil wir gerne Simson fahren und zum anderen, dass wir die Möglichkeit haben, mit unseren besten Freunden Zeit zu verbringen.
Martin Kruse, „Simsonfreunde Niederbösa“
Für die Gruppe um Marco Mattauch und Martin Kruse gehören die Roadtrips mittlerweile zur festen Routine: Jedes Jahr suchen sie sich ein neues Ziel mit neuen Herausforderungen aus.
Bis zur Wende 1990 fertigte der führende DDR-Zweiradhersteller und volkseigene Betrieb „VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl“ Kleinkrafträder, Mopeds und Motorräder. Die Zweiräder galten als robust und einfach zu reparieren. Zu den bekanntesten Modellen gehörten die Simson-Vögel, etwa die „Schwalbe“ (KR 51) oder der „Sperber“ (SR 4-3).
Simson-Modelle, die vor dem 28. Februar 1992 in den Verkehr kamen, sind nicht unter die Regelungen des Einigungsvertrags gefallen und dürfen bis zu 60 km/h schnell fahren. Normalerweise gilt in Deutschland und der EU für Mopeds eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.
Angefangen hat alles 2021 mit einem Trip zur Ostsee. Es folgten Roadtrips nach Polen, an den Bodensee und in die Schweiz, sogar bis an die Côte d’Azur. Für ihren bislang längsten Roadtrip sollte es von Niederbösa Richtung Westen bis nach Spa (Belgien) gehen.
In die westliche Richtung sind wir noch nicht so weit vorgedrungen und gerade Nachbarländer reizen uns (…) Da lagen natürlich Belgien, Luxemburg und die Niederlande.
Marco Mattauch, „Simsonfreunde Niederbösa“
Im brandenburgischen Lugau versammeln sich Oldtimer-Liebhaber für die Rallye „Monte Lugau“. Ein Wettbewerb für Mofas der Marke Simson, die zu DDR-Zeiten im Thüringischen Suhl hergestellt wurden.
05.08.2025 | 6:11 min
Auf Tour mit Simsons: Ein Unfall mit Folgen
Am zweiten Tag der Tour verunfallen zwei ihrer Mitfahrer, so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. Nachdem sich die Mopeds während der Fahrt touchierten und ins Wanken gerieten, sind beide Fahrer auf den Asphalt gestürzt. Die Folgen: Knochenbrüche und ein Schädel-Hirn-Trauma.
Alle Teile der Doku-Reihe: „Simson Roadtrip: 1.528 km durch Deutschland“ jetzt streamen auf zdf.de
Die Tour konnten die beiden Verletzten nicht fortsetzen. Die anderen sechs standen vor der großen Frage: Abbrechen oder Weiterfahren?
Ein schlimmer Sturz erschüttert den Moped-Roadtrip nach Spa: Zwei Freunde sind verletzt und niemand weiß, wie ernst es ist. Die Gruppe steht vor der Frage: abbrechen oder weiterfahren?
30.04.2026 | 29:49 min
Sie fuhren weiter, auch für ihre verunfallten Freunde, aber nur noch zu sechst. Durch Video-Anrufe und Fotos versuchten sie, ihre Freunde dennoch am Abenteuer teilhaben zu lassen.
Auf Gruppenfotos ließen die sechs extra zwei Lücken „um zu zeigen, ja, Jungs, ihr seid dann doch dabei“. Auch wenn der Unfall ein Schock war, hat er die Freunde noch enger zusammengeschweißt:
Das war für uns auch so ein Moment, der gezeigt hat, dass (…) wir halt einfach gut zusammenpassen und funktionieren und Freundschaft dann doch über allem steht.
Martin Kruse, „Simsonfreunde Niederbösa“
Der Reiz eines Roadtrips auf der Simson
Der 1.528 Kilometer lange Roadtrip war körperlich fordernd: Die 200 bis 250 Kilometer, die die Simsonfreunde täglich auf ihren Mopeds fuhren, haben sie ordentlich durchgeschüttelt. Trotzdem sieht Martin Kruse in so einem Roadtrip vor allem den Wert der Entschleunigung, denn:
Mit der ‚Simme‘ ist immer der Weg das Ziel.
Martin Kruse, „Simsonfreunde Niederbösa“
Es gehe aber auch darum, einfach gemeinsam Zeit mit Freunden zu verbringen, beispielsweise wenn man abends am Lagerfeuer beisammensitze, die Dosenravioli warm mache und „den Tag Revue passieren lässt“, fügt er hinzu.
Streckenrekord auf der „Ardennen-Achterbahn“?
Als feststeht, dass der Roadtrip bis nach Belgien gehen sollte, plante die Gruppe, einen Ruhetag nahe Spa und der „Ardennen-Achterbahn“, dem berühmten Formel 1-Rundkurs Circuit de Spa-Francorchamps, einzulegen. Mit einer Idee:
Dass wir den Streckenrekord in der Simson-Klasse dort aufstellen.
Martin Kruse, „Simsonfreunde Niederbösa“
Für eine Runde auf dem Formel 1-Kurs mit sieben Kilometern und bis zu 18 Prozent Steigung brauchte die Gruppe um die 5:30 Minuten – Streckenrekord in der Simson-Klasse! Martin Kruse witzelt, dass es vor ihrem Besuch noch keinen offiziellen Rekord in dieser Klasse gegeben habe, weil bis dahin noch niemand mit einer Simson auf dem Formel 1-Kurs unterwegs gewesen sei.
Dort Runden drehen, wo sonst Formel 1-Rennwagen fahren: Die „Simsonfreunde Niederbösa“ haben auf dem Circuit de Spa-Francorchamps den Streckenrekord in der Simson-Klasse aufgestellt.
Quelle: ZDF
Kein Tag ohne Panne(n)
Es verging kein Tag des Roadtrips, ohne dass einer der Fahrer eine Panne hatte. Die Herausforderung? Pannen mussten die Gruppe mit ihrer Simson-Expertise, viel Improvisation und Kreativität selbstständig beheben, denn: Ein Begleitfahrzeug hatten sie nicht, wie Marco Mattauch betont.
Martin Kruse erinnert sich, während einer früheren Tour seien vier Leute gefahren, von denen niemand wusste, wie man eine Simson repariere. Mittlerweile sei aber die notwendige Expertise in die Gruppe gekommen. Doch nicht jede Panne ist reparabel, beispielsweise, wenn ein Ersatzteil fehlt.
Über dieses Thema berichtete hallo deutschland am 11.05.202 ab 17:10 Uhr.
