Bargeld von Giesecke + Devrient: „Das Bargeld verschwindet gar nicht“
Der Wirtschaftspodcast
„Das Bargeld verschwindet gar nicht“
Trotz Zahlungs-Apps und digitalen Währungen werden immer noch große Mengen an Banknoten bestellt. Der deutsche Hersteller Giesecke + Devrient versucht, beides miteinander zu verbinden. Ein Podcast mit dessen Chef Ralf Wintergerst
Capital: Herr Wintergerst, Giesecke + Devrient hat im vergangenen Jahr den höchsten Auftragseingang der sehr langen Firmengeschichte verzeichnet, in einer Zeit wirtschaftlicher Verwerfungen. Ist G+D so eine Art Krisengewinnler?
RALF WINTERGERST: Also, diesen Begriff mag ich gar nicht. Wir sind ja in Themenfeldern unterwegs, in denen es um Vertrauen geht. Aber natürlich gibt es in unserer Welt heute sehr viele Veränderungen, und das nicht immer im Guten. Und je mehr sich die Geldwelt vernetzt, desto mehr braucht es auch Lösungen, die das Leben vieler Menschen ein Stück sicherer machen. Da kommen wir ins Spiel.
Das erhöhte Bedürfnis an Sicherheit kommt Ihnen also entgegen?
Ja, natürlich. Wir wissen aus Studien, dass gerade Deutschland Ziel digitaler Angriffe aus verschiedensten Ländern ist. Deshalb muss es ein Ansatz sein, unsere Infrastruktur sicherer zu machen.
Sie kommen als Unternehmen aus der physischen Welt, mit der Herstellung von Banknoten. Jetzt spielen auch für Sie digitale Zahlungslösungen eine wachsende Rolle, wo es vor allem um Software geht. Ist da nicht auch die Konkurrenz viel größer?
Interessanterweise verschwindet das Bargeld gar nicht, obwohl das oft proklamiert wird. Das Produktionsvolumen an Bargeld nimmt nach wie vor zu. Auch die Geldkarten verschwinden nicht, weil die Kombination aus Karte und Software sehr kraftvoll ist. Natürlich nehmen softwarebasierte Lösungen zu, in die wir ja auch investieren. Für uns geht es um die Kombination aus physischen und reinen Digitalprodukten. Das ist eine Riesenchance zu wachsen.
Wer mit Sicherheit sein Geld verdient, muss sich auch mit einer Gegenseite auseinandersetzen, die technologisch aufrüstet und neue Mittel nutzen kann. Ist das für Sie nicht ein Katz-und-Maus-Spiel?
Das Katz-und-Maus-Spiel ist Teil unserer DNA. Wir haben ja als G+D mit sicheren Dokumenten angefangen, und auch da waren wir immer in einem Rennen mit dem möglichen Fälscher. Das ist der digitalen Welt auch so, nur dass alles noch viel schneller vonstattengeht. Da geht es einmal um künstliche Intelligenz, es gibt Software, die genau die Schwachstellen identifiziert, die wir schützen wollen. Das zweite Thema ist das Quantencomputing, gegen das man sich mit der so genannten Post-Quanten-Kryptographie absichert. Wir bereiten uns vor, in dem wir Probleme vordenken.
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