Afghanistans Fußballerinnen feiern Sieg gegen die Taliban


Nach Jahren des Fliehens, Kämpfens, Engagements und Trainings haben sich Afghanistans Fußballerinnen das Recht erkämpft, um die größten Titel des Weltfußballs zu spielen – als offizielles Nationalteam ihres Landes.

Eine beispiellose Entscheidung des Weltfußballverbandes FIFA, die am Dienstag in Toronto getroffen wurde, ebnet dem aktuellen Kader den Weg, sich für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sowie für künftige Weltmeisterschaften und Asien-Cups zu qualifizieren.

Es ist ein weiterer großer Schritt für ein Team, das um sein Recht zu spielen kämpfen musste, während der von den Taliban geführte afghanische Fußballverband sich weigerte, eine Frauen-Nationalmannschaft zu genehmigen.

„Das ist etwas wirklich Großes für uns – der Welt zu zeigen, dass afghanische Frauen und Mädchen zu erstaunlichen Dingen fähig sind“, sagt Nationaltorhüterin Elaha Safdari im Interview mit der Deutschen Welle (DW).

Torhüterin Elaha Safdari von Afghan Women United fängt beim Aufwärmen lachend einen Ball
Torhüterin Elaha Safdari lebt inzwischen in England und spielt dort Vereinsfußball für Rotherham UnitedBild: Francois Nel – FIFA/FIFA via Getty Images

„Es ist ein harter Schlag ins Gesicht der Taliban und all jener, die gegen uns waren. Wir zeigen einfach, dass wir durch den Sport zu Großartigem fähig sind. Und natürlich erheben wir weiterhin unsere Stimme für all jene, die zu Hause keine Stimme haben.“

Afghanisches Beispiel könnte anderen den Weg ebnen

Safdari gehörte zum Kader von Afghanistan Women’s United, der 2025 an einem kleinen Turnier namens „FIFA Unites Women’s Series“ in Marokko teilnahm. Die Mannschaft besteht aus Geflüchteten, die heute überwiegend in Australien und Europa leben und mit zahlreichen logistischen und politischen Herausforderungen konfrontiert waren. Sie werden voraussichtlich den Kern des neuen Nationalteams bilden.

FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte, die vom FIFA-Rat beschlossene Änderung sei „bahnbrechend“. Sie bedeute, dass die FIFA nun „die Registrierung einer National- oder Auswahlmannschaft unter außergewöhnlichen Umständen genehmigen kann, wenn ein Mitgliedsverband dazu nicht in der Lage ist“.

„Das ist ein kraftvoller und beispielloser Schritt im Weltsport“, fügte er hinzu. „Die FIFA hat diesen Spielerinnen zugehört – im Rahmen ihrer Verantwortung, das Recht jedes Mädchens und jeder Frau zu schützen, Fußball zu spielen und zu repräsentieren, wer sie sind.“

Infantino verwies zudem auf die 2025 verabschiedete „Strategy for Action for Afghan Women’s Football“ seiner Organisation als entscheidenden Motor der Veränderung.

Andrea Florence, Geschäftsführerin der Lobbyorganisation Sport and Rights Alliance, betonte, dass der durch diese Änderung geschaffene Präzedenzfall „zeigt, dass Verbände ihre Regeln anpassen können, um Menschenrechte zu schützen, wenn außergewöhnliche Umstände dies erfordern“.

Dies dürfte wahrscheinlich auch anderen Nationalteams – häufig Frauenteams – den Weg ebnen, denen ihre Verbände bislang die Möglichkeit zu spielen verwehren.

Großer Moment in Afghanistan und im Exil

Khalida Popal, die frühere Kapitänin Afghanistans, die zu einer Symbolfigur der neuen Generation geworden ist, saß bei der Bekanntgabe der Entscheidung neben Infantino, während der aktuelle Kader das Ereignis an anderer Stelle gemeinsam online verfolgte.

„Es bedeutet so viel. Die gesamte Situation der afghanischen Frauen ist sehr emotional“, sagte sie. „Das ist unser Moment, das ist unsere Zeit, und der Fußball ist unsere Stimme und unsere Plattform.“

Najma Arefi, afghanische Fußballerin vor ihrem ersten Länderspiel im Nationaltrikot, daneben Logo der Afghan Women United groß
Najma Arefi, afghanische Fußballerin vor ihrem ersten Länderspiel für Afghan Women UnitedBild: Tom Gennoy/DW

Für Elaha Safdari und ihre Mitspielerinnen ist es eine Chance, nach vorn zu blicken und auf dem Schwung und dem Teamgeist aufzubauen, die beim Turnier in Marokko entstanden sind – bei dem die Afghaninnen noch nicht als vollwertiges Nationalteam anerkannt waren.

„Unsere Situation ist ganz anders als die anderer Teams, aber ich finde, das ist eine große Stärke für uns“, sagt Safdari. „Wir haben hart trainiert, wir haben darauf hingearbeitet, und es ist eine neue Hoffnung für uns. Es zeigt unsere Widerstandsfähigkeit und zeigt einfach, dass wir unsere Ziele erreichen können, wenn wir hart arbeiten.“

Kampf nicht vorbei, solange Taliban an der Macht sind

Doch angesichts der weiterhin brutalen Unterdrückung von Frauen in Afghanistan wissen Safdari und ihre Mitspielerinnen, dass ihr Kampf nicht vollständig gewonnen ist, solange die Taliban an der Macht bleiben. Dennoch genießen sie als afghanische Sportlerinnen auf internationaler Ebene eine seltene Plattform. Und nun, da ihre Bühne noch größer ist, sind sie entschlossen, ihre Stimmen weiterhin für jene zu erheben, die zu Hause geblieben sind.

„Als Erstes habe ich an meine Eltern gedacht, die noch immer zu Hause sind. Sie haben die Nachricht bereits gehört und sind einfach stolz darauf, wie weit ich persönlich gekommen bin. Für mich ist es wirklich etwas Besonderes, für mein Land zu spielen und mein Volk, meine Familie und meine Eltern stolz zu machen“, sagt Safdari.

Spielerinnen von Afghan Women United bilden vor dem Spiel gegen Tschad in der Kabine einen Kreis und strecken die Hände in die Mitte
Afghanistan gewann eines seiner drei Spiele bei der FIFA Unites Women’s Series 2025 und formte dabei einen starken TeamgeistBild: Ann Odong/FIFA

„Natürlich habe ich so viele positive Rückmeldungen von Freunden und Menschen gehört, die noch zu Hause sind. Und wir haben gesehen, wie sie uns über diese Nachricht in den sozialen Medien unterstützt haben.“

Die Mannschaft, die während internationaler Abstellungsperioden von der FIFA finanziert und unterstützt wird, wird sich für ihre ersten Spiele seit den Partien in Marokko im vergangenen Oktober in Neuseeland treffen. Dort bestreiten sie im Rahmen eines achttägigen Trainingslagers ein Spiel gegen die Cookinseln, bevor – voraussichtlich noch in diesem Jahr – die Olympia-Qualifikation beginnt. Darauf folgen später die Qualifikationen für Weltmeisterschaft und Asien-Cup sowie zahlreiche weitere Möglichkeiten, die ihnen ihr neuer Status eröffnet.

„Es klingt wirklich großartig [zu hören, dass Afghanistan in diesen Turnieren antreten kann], und ich kann es immer noch nicht glauben, dass wir nun endlich offiziell sind und Qualifikationsspiele bestreiten dürfen“, sagte Safdari.

Da das Team in den vergangenen Jahren kaum im selben Land war – geschweige denn gemeinsam gespielt hat -, gibt es viel aufzuholen. Doch für Spielerinnen wie Safdari, die schon in jungen Jahren gezwungen waren, sich im Ausland ein neues Leben aufzubauen und gleichzeitig für ihr Recht auf Fußball zu kämpfen, ist das keine abschreckende Aussicht.

Der Text wurde aus dem englischen Original „Football: Afghan women’s team recognized in blow to Taliban“ adaptiert.



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