Markenmoment: Braun Büffel passt sein Sortiment dem Onlinehandel an
Markenmoment
Braun Büffel passt sein Sortiment dem Onlinehandel an
Lange verkaufte der Lederwarenspezialist seine Geldbörsen nur über den Handel. Der eigene Onlineshop verändert jetzt auch das Sortiment
Wann es bei ihr klick gemacht hat, kann Christiane Brunk noch genau sagen. 2018 saß die Eigentümerin des Lederwarenspezialisten Braun Büffel in einem Seminar ihres Fachverbands, zwei Berater referierten über Onlinestrategien. Danach lud Brunk die Berater ins Unternehmen ein. Für die Firma aus dem rheinland-pfälzischen Kirn war es der Startpunkt für den Aufbau eines eigenen Onlinevertriebs für Endkunden.
Damals habe sie sich in einer Art „unternehmerischen Midlife-Crisis“ befunden, sagt Brunk. Bis dahin hatte das 1887 gegründete Familienunternehmen seine Geldbörsen und Taschen aus Leder nur über den stationären Handel verkauft – vor allem über Fachhändler und Warenhäuser. Auch in der Firma sei es für viele anfangs nicht vorstellbar gewesen, dass sich ein haptisches Produkt wie eine Tasche gut online verkaufen lasse, sagt die Chefin, die Braun Büffel in vierter Generation führt. Aber ihr sei klar geworden, dass es mit dem stationären Geschäft alleine so auf Dauer nicht weitergehen könne.
Der Start des eigenen Onlineshops 2020 rettete Braun Büffel durch die Coronazeit. Heute macht der Digitalvertrieb bereits 40 Prozent der Umsätze aus, bei einem Onlinewachstum von 30 Prozent im vergangenen Jahr. „Wir sind jetzt unabhängiger von externen Entwicklungen“, sagt Brunk – etwa auch von Krisen bei Handelspartnern wie der Warenhauskette Galeria, wo sich die Lage gerade wieder verschärft. In einigen Jahren, glaubt sie, werde der Onlineanteil 70 Prozent erreichen.
Das Unternehmen ist eines der letzten, das teils auch noch in Ledermanufakturen in Deutschland produziert. Der Aufbau eines zweiten Standbeins im Vertrieb hilft nun – aber nicht nur dort. Früher sei der Handel „wie ein Filter“ gewesen, sodass man nicht richtig mit den Endkunden in Kontakt gekommen sei, sagt Brunk. „Heute bekommen wir über den Onlineshop wertvolle Informationen über unsere Kunden.“
Diese Erkenntnisse haben direkte Folgen für das Produktsortiment. Während die Marke früher vor allem für langlebige Geldbörsen stand, setzt Braun Büffel nun auch verstärkt auf den Businessbereich: Reisetaschen, Laptophüllen oder Rucksäcke. Die neuen Produkte, die teils exklusiv im eigenen Onlineshop verkauft werden, zielen auf eine digitalaffine, urbane Zielgruppe.
Braun Büffel-Geschichte
© PR
1960er-Jahre: Das Unternehmen der Familie Braun aus Kirn wächst mit seinen Lederwaren
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1974: Die Marke Braun Büffel wird eingeführt – ein Verweis auf das verarbeitete Büffelleder
© Braun Bueffel
2010er-Jahre: Braun Büffel verkauft seine Geldbörsen über den Fachhandel und Warenhäuser
© PR
2026: Die Firma setzt verstärkt auf eine Businesslinie. Einige Produkte gibt es nur online
Mit den neuen Produkten, bei denen der Lederspezialist mitunter auch andere Materialien wie Nylon nutzt, reagiert er zugleich auf eine weitere Bedrohung für das Kerngeschäft. Immer noch macht Braun Büffel 60 Prozent des Umsatzes mit Geldbörsen. Doch klar ist, dass in Zukunft weniger Portemonnaies verkauft werden, weil immer mehr Leute mit Karte oder Smartphone bezahlen statt mit Bargeld. Die Marke wolle künftig „in Bereichen auftauchen, wo uns keiner auf dem Schirm hat“, sagt Brunk. So wie im vergangenen Herbst: Da entwickelte der Traditionshersteller zusammen mit dem E-Sportteam SK Gaming einen speziellen Rucksack für Gamer.
Unternehmen
Die Geschichte von Braun Büffel begann 1887, als Johann Braun einen Sattlerbetrieb in Kirn bei Bad Kreuznach gründete. Sohn Alois und Enkel Hans-Werner Braun bauten das Unternehmen aus. Heute führt Christiane Brunk in vierter Generation die Firma, Miteigentümer ist ein Partner aus Singapur. Braun Büffel machte zuletzt 10 Mio. Euro Umsatz.
Erschienen in Capital 5/2026
