DW-Korrespondent Uludağ soll aus der Haft freikommen


Ein Gericht in Ankara hat die Freilassung des DW-Korrespondenten Alican Uludağ aus dem Gefängnis angeordnet. Das bestätigte sein Anwalt Abbas Yalcin. Uludağ werde voraussichtlich am Donnerstagabend den Gefängniskomplex Silivri in Istanbul verlassen können. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben des Anwalts für den 18. September geplant. Der Prozess gegen Uludağ hatte am Nachmittag in der türkischen Hauptstadt begonnen.

Zuvor war Uludağ drei Monate lang in Istanbul inhaftiert gewesen. Ihm wurde vorgeworfen, in insgesamt 22 Social-Media-Beiträgen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan öffentlich beleidigt, irreführende Informationen verbreitet und staatliche Institutionen herabgewürdigt zu haben.

Viele Menschen verfolgen den Prozess vor dem Gerichtssaal in Ankara
Viele Menschen verfolgen den Prozess vor dem Gerichtssaal in AnkaraBild: Gülsen Solaker/DW

Uludağ war in seiner Wohnung in Ankara festgenommen und anschließend nach Istanbul überführt worden, wo er am 19. Februar 2026 in Untersuchungshaft kam. Der Prozess fand dennoch in Ankara statt. Seinem ausdrücklichen Wunsch, seine Verteidigung persönlich vorzutragen, wurde nicht entsprochen: Er durfte lediglich per Videokonferenz an der Verhandlung teilnehmen.

„Als unabhängiger Journalist habe ich versucht, die Wahrheit zu schreiben und das Recht der Öffentlichkeit auf Information zu verteidigen. Ich wurde oft bedroht, aber habe ein reines Gewissen“, erklärte Uludağ in seiner Verteidigung vor Gericht. „Ich habe keine Straftat begangen, sondern nur meinen Beruf ausgeübt. Ich habe niemanden beleidigt und verlange meinen Freispruch.“ 

DW-Intendantin weist Vorwürfe zurück

Der Fall gilt als besonders bemerkenswert, weil Uludağ zu den wenigen verbliebenen Journalisten in der Türkei gehört, die schwerpunktmäßig über Justiz und Gerichtsverfahren berichten.

DW-Intendantin Barbara Massing hatte die Vorwürfe unmittelbar nach seiner Festnahme als haltlos zurückgewiesen. Die Verhaftung sei ein „gezielter Einschüchterungsversuch“ und zeige, „wie massiv die Regierung die Pressefreiheit unterdrückt“, erklärte sie. Massing betonte zudem, Uludağ sei hervorragend vernetzt und habe Zugang zu wichtigen Quellen. Aus Sicht der Regierung könne ihn genau das zu einer unbequemen und potenziell gefährlichen Stimme machen.

DW-Intendantin Barbara Massing
DW-Intendantin Barbara Massing: „Gezielter Einschüchterungsversuch“ der türkischen RegierungBild: DW

Der Vorsitzende von Reporter ohne Grenzen (RSF) in der Türkei, Erol Önderoglu, schrieb nach der Entscheidung des Gerichts auf der Plattform X: „Seine Freilassung freut uns zwar, doch die Inhaftierung wird als 90-tägige Misshandlung eines investigativen Journalisten in Erinnerung bleiben. Weder aufgrund seiner Berichte, noch seiner Kommentare hätte er auch nur einen einzigen Tag inhaftiert sein dürfen. Alles Gute, Alican!“

pgr/wa (DW, dpa, afp)



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