Liveblog zur Bundesregierung: Union wirft Bas Reformblockade vor – Politik
Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Angriffe auf Parteimitglieder steigen 2025 deutlich – AfD am häufigsten betroffen
Linnemann fordert stabile Beitragssätze zu Sozialversicherungen
Experten: Bundesregierung wird Klimaziele verfehlen
Spahn und Bilger sprechen sich für Verzicht auf Diätenerhöhung aus
Dobrindt plant Milliardenprogramm für Zivilschutz
Union wirft Bas Reformblockade vor
In der Unionsfraktion wächst die Kritik an SPD-Sozialministerin Bärbel Bas. „Frau Bas sollte nicht zu sehr als diejenige erscheinen, die immer für Blockade steht oder nicht den nötigen Reformwillen zeigt“, sagte Steffen Bilger, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, am Dienstagvormittag in Berlin – wenige Stunden, bevor Bundeskanzler Friedrich Merz als Gast in der SPD-Fraktion erwartet wurde. Bas müsse deutlich machen, dass sie zu den geplanten Sozialreformen stehe, so Bilger. Außerdem müssten aus Sicht der Unionsfraktion mit diesen Reformen auch Einsparungen verbunden sein, schließlich wolle man die arbeitende Bevölkerung und Familien entlasten.
„Frau Bas sollte sich mehr um den Erfolg der Koalition insgesamt bemühen.“
Steffen Bilger, CDU
Für große Verärgerung in der Unionsfraktion sorge beispielsweise auch, dass Bas neue Hürden aufbauen wolle für die vereinbarte Änderung des Wahlrechts. Der Hintergrund: Bas hatte eine Verpflichtung zu paritätisch besetzten Landeslisten zur Bedingung für eine abermalige Anpassung des Wahlrechts erklärt, was die Union ablehnt.
Den Druck erhöhte Bilger am Dienstag auch mit Blick auf die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die Union pocht unter anderem auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit statt der bislang geltenden täglichen. Die Gewerkschaften dagegen lehnen die Abkehr vom Acht-Stunden-Tag ab, auch Bas hatte sich zuletzt kritisch geäußert, aber gleichzeitig darauf verwiesen, dass das Vorhaben im Koalitionsvertrag stehe. Er erwarte, dass die SPD „vertragstreu“ sei, betonte Bilger am Dienstag, schließlich habe die Union in den Koalitionsverhandlungen „einen Preis“ für das Zugeständnis der SPD in Sachen Arbeitszeitflexibilisierung gezahlt.
Angriffe auf Parteimitglieder steigen 2025 deutlich – AfD am häufigsten betroffen
Neben parteiübergreifend 193 Gewaltdelikten überwiegen sogenannte Äußerungsdelikte wie Volksverhetzung, Verleumdung und Beleidigung; davon werden 2025 insgesamt 1289 Fälle erfasst. Die Bundesregierung nennt zudem 121 Gewaltdelikte gegen AfD-Mitglieder (mehrheitlich politisch links motiviert); gegen Grüne werden 13, gegen Linke 16 sowie jeweils zwölf gegen CDU und SPD registriert.
Linnemann fordert stabile Beitragssätze zu Sozialversicherungen
Mit Blick auf die im Juni erwarteten Ergebnisse der Rentenkommission sagte Linnemann, der größte Teil der Expertenempfehlungen müsse umgesetzt werden. „Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: fast alles, was da kommt.“ Er gehe davon aus, dass das Ergebnis der Rentenkommission schon beim nächsten Koalitionsausschuss vorliegen und die Koalition sich damit bis zur Sommerpause beschäftigen werde.
Gefragt nach den hohen Zustimmungswerten für die AfD, die zuletzt in den Umfragen mehrere Prozentpunkte vor der Union lag, sagte Linnemann, dass man sich mit der Partei inhaltlich auseinandersetzen müsse. Als Beispiel nannte er, dass die AfD in Sachsen-Anhalt die Schulpflicht abschaffen wolle. Er dagegen wolle die Schulen besser machen.
Experten: Bundesregierung wird Klimaziele verfehlen
Die Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) für das vergangene Jahr, wonach der Ausstoß an Treibhausgasen um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr sank, bestätigt der Expertenrat zwar. Die UBA-Projektionen zur erwarteten Entwicklung des Treibhausgas-Ausstoßes bis zum Jahr 2030 stufen die Experten hingegen als zu optimistisch ein – insbesondere, was Emissionen im Energiesektor und bei Gebäuden angeht. „Für beide Sektoren gehen wir davon aus, dass die tatsächlichen Emissionen höher ausfallen dürften als ausgewiesen“, erklärte die Vorsitzende des Rats, Barbara Schlomann. Zusätzliche Risiken ergeben sich demnach aus der Reform des Heizungsgesetzes. Diese wird in den Berechnungen des UBA, auf die die Bundesregierung sich stützt, noch gar nicht berücksichtigt.
Im deutschen Klimaschutzgesetz ist festgelegt, wie viel Treibhausgase Deutschland zwischen 2020 und 2030 pro Jahr höchstens ausstoßen darf – alle jährlichen Mengen zusammen ergeben das Emissionsbudget. Anders als die Bundesregierung geht der Expertenrat nicht davon aus, dass dieses Budget knapp eingehalten werden kann, sondern überschritten wird, und zwar um 60 bis 100 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Zur besseren Vergleichbarkeit werden andere Treibhausgase in CO₂ umgerechnet.
Umweltminister Schneider kämpft auf verlorenem Posten, schreibt Michael Bauchmüller zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung:
Spahn und Bilger sprechen sich für Verzicht auf Diätenerhöhung aus
Bilger verwies im „Frühstart“ von RTL und ntv zwar auf noch anstehende Diskussionen in den Fraktionsgremien heute und morgen zu dem Thema. Der CDU-Politiker betonte aber zugleich: „Wir sind mit der SPD gemeinsam der Auffassung, dass wir diesen Schritt jetzt gehen sollten.“ Zur Begründung verwies Bilger darauf, dass die grundlegenden anstehenden Reformen in diesem Jahr für die Menschen auch mit Belastungen verbunden seien. Es sei daher richtig, dass auch die Politiker einen Beitrag leisteten.
Eigentlich sollen die Diäten zum 1. Juli um 497 Euro steigen – auf rund 12 330 Euro. Das ergibt sich aus einem im Abgeordnetengesetz verankerten automatischen Mechanismus, nach dem die Anpassung der Bezüge an die Entwicklung der Durchschnittslöhne gekoppelt ist.
Die Forderung nach einem Verzicht in diesem Jahr kam zuerst aus der Opposition, nun will ihn auch die SPD. Johannes Fechner, einer der Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Fraktion, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe bereits einen für die einmalige Aussetzung notwendigen Gesetzentwurf an die Unionsabgeordneten geschickt.
„Ich bin optimistisch, dass wir es rechtzeitig schaffen, die Diätenerhöhung auszusetzen.“
Johannes Fechner, Geschäftsführer der SPD-Fraktion
Generell möchte auch Fechner den automatischen Mechanismus mit der Koppelung an die allgemeine Lohnentwicklung beibehalten und die Lage im kommenden Jahr neu bewerten.
Dobrindt plant Milliardenprogramm für Zivilschutz
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat einen massiven Ausbau des Zivilschutzes angekündigt. „Wir rüsten auf beim Bevölkerungsschutz und der zivilen Verteidigung“, sagte der CSU-Politiker der Bild. Militärische und zivile Verteidigung sollen demnach stärker vernetzt werden, um Sicherheit und Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
Laut Bild plant Dobrindt auf Grundlage eines Kabinettsentwurfs ein Sonderprogramm in Höhe von zehn Milliarden Euro. Das Geld soll in Ausrüstung, Gebäude, Personal und Technik fließen, etwa beim Technischen Hilfswerk. Bis 2029 sollen unter anderem 1000 neue Spezialfahrzeuge und 110 000 Feldbetten angeschafft werden.
Söder kann sich Verlängerung des „Tankrabatts“ vorstellen
CSU-Chef Markus Söder kann sich eine Verlängerung des „Tankrabatts“ vorstellen. Der bayerische Ministerpräsident sagte in der ARD-Sendung „Caren Miosga“. Der „Tankrabatt“ scheine zu wirken: „Und wenn es nicht anders geht, könnte ich mir vorstellen, dass wir darüber diskutieren müssen, ihn zu verlängern.“ Dies hänge von der Preissituation ab.
CSU: SPD muss sich bei Steuerreform bewegen
„Im Gegenzug muss aber auch etwas von der SPD kommen. Es kann keine Gegenfinanzierung ausschließlich innerhalb des Einkommensteuersystems geben. Reine Umverteilung führt in die Sackgasse, weil sie keinen Wohlstand schafft“, erklärt der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe. Grundsätzlich seien sich die Koalitionspartner einig, dass kleine und mittlere Einkommen entlastet werden sollten.
Bei der Einkommensteuer ist zu unterscheiden zwischen dem Spitzensatz im regulären Tarifverlauf – das sind 42 Prozent – und der Reichensteuer, die derzeit bei Ledigen ab knapp 278 000 Euro greift und 45 Prozent beträgt.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und CSU-Chef Markus Söder hatten sich bereits offen für eine Erhöhung der Reichensteuer gezeigt. Allerdings dürften die dadurch erzielbaren Einnahmen nicht ausreichen, um Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen steuerlich spürbar zu entlasten. Die SPD um Finanzminister Lars Klingbeil pocht darauf, eine Einkommensteuerreform durch eine stärkere Belastung Wohlhabender zu finanzieren.
Linnemann kritisiert Buhrufe gegen Merz
AfD erreicht mit 29 Prozent neuen Umfrage-Höchstwert
Die Union fällt um einen Punkt auf 22 Prozent zurück – bei Insa ihr schwächster Wert seit mehr als vier Jahren. Auch die SPD verliert einen Punkt und erreicht 12 Prozent. Die Grünen steigen leicht auf 14 Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und landet bei 10 Prozent, FDP und BSW kommen weiter auf 3 Prozent.
Andere Institute sahen die AfD zuletzt zwischen 25 und 28 Prozent und die Union zwischen 22 und 24 Prozent. Die maximale Fehlertoleranz gibt Insa mit plus/minus 2,9 Prozentpunkten an. Zugrunde liegen die Antworten von 1 203 Befragten aus dem Zeitraum vom vergangenen Montag bis Freitag.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge.
Verfassungsschutz sieht Nähe der Bayern-AfD zur Identitären Bewegung
Nach Einschätzung Schäferts entsteht dabei eine „Art Arbeitsteilung“ zwischen Partei und rechtsextremem Vorfeld. Die Identitäre Bewegung wolle den Diskurs immer weiter nach rechts verschieben und so den politischen Boden für die AfD bereiten. Begleitet wird diese Entwicklung durch Publikationsorgane. So wirken die in Teilen rechtsextreme AfD und rechte Gruppierungen auf ein gemeinsames Ziel rechter bis rechtsextremer Politik hin. Zwar enthält die AfD-Satzung einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Identitären Bewegung. Einige Landtagsabgeordnete machen laut Augsburger Allgemeinen aus ihrer auch inhaltlichen Nähe zur IB aber keinen Hehl.
Auch der AfD-Nachwuchs findet Gefallen an der IB. Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen:
„Gutes Telefonat“: Merz ruft Trump an
Zuletzt war die Stimmung zwischen den beiden Staatsmännern eher getrübt. Das US-Verteidigungsministerium hatte angekündigt, rund 5000 der etwa 39 000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen, nachdem Merz Trumps Agieren im Iran-Krieg kritisiert hatte. Er sagte, die Amerikaner hätten keine Strategie und würden von Teheran „gedemütigt“. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social wiederum über den Kanzler geschrieben.
Merz: Würde meinen Kindern derzeit nicht zu USA-Aufenthalt raten
Er sei ein großer Bewunderer Amerikas, so Merz. Allerdings: „Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu.“
Merz räumt Probleme bei Kommunikation ein
Mit Blick auf die Diskussion um die Arbeitsmoral in Deutschland wies Merz jedoch den Vorwurf an die CDU zurück, sie halte die Deutschen für arbeitsscheu. „In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind. Ich auch nicht“, sagte er.
Laut dem ARD-Deutschlandtrend von vergangener Woche sind ein Jahr nach ihrem Start nur noch 13 Prozent mit der Bundesregierung zufrieden. Die Zufriedenheitswerte von Merz seien in seinem ersten Kanzlerjahr stark gesunken und liegen nur noch bei 16 Prozent.
Der Bundeskanzler hatte auf dem Podium mit Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und der geistlichen Leiterin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Lisa Quarch, über die drängenden Fragen der Jugend gesprochen.
Merz telefonierte am Tag des Stromausfalls nicht mit Wegner
Am 17. März hatte ein Sprecher der Bundesregierung auf dpa-Anfrage mitgeteilt, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) gegeben habe. Dabei sei es um die mögliche Unterstützung des Landes Berlin durch Bundesbehörden zur Bewältigung der Folgen des Stromausfalls gegangen. Nun erklärte die Sprecherin dazu: „Ein Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramtes hat am 3. Januar stattgefunden. Zu anderen Mitgliedern der Bundesregierung jenseits des Bundeskanzleramtes liegen keine Informationen vor.“ Wegner selbst hatte im Januar erklärt, er habe an jenem Tag kurz nach 8 Uhr begonnen, Telefonate mit etlichen beteiligten Stellen zu führen, darunter mit der Bundesregierung, konkret dem Kanzleramt und dem Bundesinnenminister.
Am 3. Januar hatten mutmaßliche Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verübt, Folge war der bislang längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte. Im Südwesten der Stadt waren 100 000 Menschen in 45 000 Haushalten und mehr als 2000 Gewerbebetriebe teils tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt.

