Die unrühmliche Rolle der USA unter Trump
Seit der Jahrtausendwende hat es fast in jedem Jahr einen neuen Ebola-Ausbruch gegeben – doch die aktuelle Epidemie ist anders.
Die meisten Ausbrüche, darunter auch die verheerende Epidemie in Westafrika mit rund 11.000 Toten vor gut zehn Jahren, gehen auf den sogenannten Zaire-Stamm zurück. Gegen ihn gibt es inzwischen einen Impfstoff. Aktuell grassiert jedoch eine seltenere Variante namens Bundibugyo, benannt nach der Region in Uganda, wo sie 2007 erstmals aufgetreten ist. Bislang gibt es weder Impfung noch Medikamente; rund jeder dritte Infizierte verstirbt.
Der aktuelle Ausbruch im Ostkongo und Uganda ist der dritte mit dem Bundibugyo-Stamm – und schon jetzt der tödlichste: Bis Mittwoch sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wohl bereits 139 Menschen gestorben, mehr als 600 Erkrankte gelten als Verdachtsfälle. „Ich bin zutiefst besorgt über Ausmaß und Geschwindigkeit der Epidemie“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der in dieser Woche stattfindenden Generalversammlung in Genf. „Die Zahlen werden noch steigen, weil der Einsatz vor Ort ausgeweitet wird, inklusive besserer Überwachung, Kontaktnachverfolgung und Labortests.“
Tedros hatte nach Bekanntwerden des Ausbruchs am Wochenende sofort einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, ohne wie sonst üblich erst mit Experten darüber zu beraten. Denn das Ebola-Virus hatte sich dieses Mal offenbar bereits wochenlang unbemerkt ausgebreitet. Und während die Gesundheitsfachleute unter hohem persönlichen Risiko versuchen, den Vorsprung der lebensgefährlichen Krankheit wieder einzufangen, stellen andere die Frage: Wäre der Ausbruch schneller erkannt worden, wenn die USA unter Präsident Donald Trump ihren Beitrag für globale Gesundheit nicht derart drastisch eingeschränkt hätten?
Der Ausbruch dürfte noch weit größer sein als bekannt
Der US-amerikanische Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der schon im Januar 2020 als einer der ersten prominenten Wissenschaftler vor der sich aufbäumenden Corona-Pandemie gewarnt hatte, sprach mit Blick auf die aktuell bestätigten Ebola-Fälle von der „Spitze des Eisbergs“: „Das Virus hat schon Gesundheitsmitarbeiter getötet und sich schnell in verschiedenen Regionen ausgebreitet. Und obwohl wir noch wenig testen, finden wir so viele Fälle – das heißt, wir kratzen an der Oberfläche und der Ausbruch ist größer als gedacht“, sagte Feigl-Ding im Gespräch mit der DW. Und er gehe deutlich schneller vonstatten als jener 2014 in Guinea, Sierra Leone und Liberia.
Ebola wird durch direkten Kontakt mit Infizierten oder deren Körperflüssigkeiten übertragen – also deutlich eingeschränkter als COVID-19. Theoretisch könnte auch die Bundibugyo-Variante also mit den Sofortmaßnahmen der Pandemie, nämlich Quarantäne, Tests und Kontaktnachverfolgung, wieder eingedämmt werden.
„Entscheidend ist die Geschwindigkeit – aber wir haben sie nicht mehr“, bemängelt Feigl-Ding. „USAID hatte früher diese Geschwindigkeit – sie waren vor Ort, gaben Medikamente aus und unterstützten lokale Gesundheitskräfte und Kliniken dabei.“ Das sei jetzt nicht mehr der Fall. „Das ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man die Gesundheits-Infrastruktur verringert.“
USAID, CDC, WHO – Rächen sich nun die drastischen Kürzungen?
Die Entwicklungsbehörde USAID ist das das wohl bekannteste Beispiel für zerschlagene US-Strukturen seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Per Dekret ließ Trump damals sämtliche Hilfszahlungen für 90 Tage einfrieren und deren Verwendungszwecke überprüfen. Viele Mitarbeiter von USAID wurden entlassen, zwischenzeitlich wurden 90 Prozent der Mittel der Behörde gekürzt. Später stockte der Kongress das Budget zwar wieder auf, doch auch temporäre Unterbrechungen hinterließen vielerorts Spuren. Erschwerend kommt hinzu, dass auch europäische Regierungen ihre Zuwendungen für Entwicklungszusammenarbeit teils drastisch gekürzt haben, so auch Deutschland.
Trumps zentraler Erfüllungsgehilfe bei den disruptiven Sparmaßnahmen war der Tech-Milliardär Elon Musk als Leiter der sogenannten Abteilung für Regierungs-Effizienz, DOGE. Im Februar 2025 musste Musk gegenüber dem Kabinett einräumen, dass er „aus Versehen“ auch Programme zur Eindämmung von Ebola beendet hatte. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge wurden damals jedoch nicht alle Programme wieder aufgenommen. Ein damaliger Ebola-Ausbruch in Uganda habe sich in der Folge verschlimmert, berichtete das Blatt unter Berufung auf US-Botschaftsmitarbeiter in Kampala.
Direkt nach seiner Vereidigung im Januar 2025 ordnete Trump zudem den Austritt der USA aus der WHO an, der ein Jahr später formal gültig wurde. Zuvor waren die USA mit der wichtigste Geldgeber gewesen – für die Jahre 2023 und 2024 betrug der US-Beitrag mehr als 1,2 Milliarden Dollar.
Bei früheren Ebola-Ausbrüchen arbeitete die WHO Hand in Hand mit der US-Seuchenschutzbehörde CDC. Doch auch diese wurde unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus von Gesundheitsminister Robert Kennedy jr. drastisch beschnitten: Zum April 2025 wies Kennedy an, 25 Prozent des Personals zu entlassen und 35 Prozent der Verträge zu kündigen. US-Medien zufolge wurden unter anderem wichtige Mitarbeiter im Kampf gegen Ebola „versehentlich“ gefeuert und später wieder eingestellt. Nach eigenen Angaben ist das CDC mit seinen mehr als 30 im Kongo ansässigen Mitarbeitern aktiv in die Bekämpfung des aktuellen Ausbruchs eingebunden.
Unermüdliche Arbeit in schwierigen Bedingungen
„Die Reduzierung der humanitären und gesundheitsbezogenen Ressourcen im Kongo schadet zweifellos der kongolesischen Bevölkerung und in gewissem Ausmaß auch der Epidemie-Prävention und -Früherkennung“, sagt auch Julie Drouet, Kongo-Landesdirektorin der NGO Aktion gegen den Hunger.
Aus ihrer Sicht haben aber noch andere Faktoren zu den Verzögerungen geführt, allen voran die seltenere Variante selbst: „Anfängliche Tests waren negativ, weil sie speziell auf die gebräuchlichere Zaire-Variante abgestimmt waren. Und die ersten Todesfälle spielten sich in entlegenen Gemeinden ab und nicht in Gesundheitszentren.“ So konnte sich das Virus relativ lange verbreiten, ohne dass das öffentliche Gesundheitswesen davon mitbekam.
Der Ostkongo, bestehend aus den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu sowie der nun betroffenen Region Ituri, ist besonders von Gewalt und Instabilität geplagt. Anfang 2025 überrollten Milizen mit Verbindungen zum Nachbarland Ruanda die rohstoffreiche Region regelrecht. Und weil immer wieder Menschen flüchten, können sich Epidemien leichter verbreiten, während zugleich die Arbeit der Helfer erschwert wird.
Schwierige Arbeitsbedingungen also, auf die die Helfer laut Drouet jedoch eingestellt sind: „Wir tun derzeit alles, um die Epidemie einzudämmen, bauen zum Beispiel humanitäre Luftbrücken auf, um Zugang herzustellen und Hilfe zu liefern.“
Inzwischen sind auch Infizierte in der ostkongolesischen Millionenstadt Goma sowie in Ugandas Hauptstadt Kampala bestätigt. Beide sind zwar besser angebunden als die Ursprungsregionen in Ituri, weisen jedoch auch eine hohe Bevölkerungsdichte und somit das Risiko einer raschen Ausbreitung auf.
Die WHO hat in einer ersten Tranche 3,9 Millionen US-Dollar bereitgestellt, mit denen die nationalen Gesundheitssysteme unterstützt werden sollen. Gesundheitsschützer rufen Regierungen weltweit dazu auf, diesen Betrag deutlich aufzustocken, um bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen.
Mitarbeit: Anthony Howard
