WHO warnt vor noch mehr Ebola-Fällen in DR Kongo
Die Gefahr einer Pandemie sieht die WHO weiterhin nicht. Sie rechnet aber damit, dass sich Ebola in DR Kongo weiter ausbreitet. Ein infizierter US-Arzt ist zur Behandlung in Deutschland – auch seine Familie soll nun nach Berlin kommen.
Trotz der Bemühungen zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs fürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen weiteren Anstieg der Fälle in der Demokratischen Republik Kongo und benachbarten Ländern. Inzwischen gebe es 600 Verdachtsfälle, 139 Menschen seien vermutlich bereits an der ansteckenden Infektionskrankheit gestorben, teilte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Einige Dutzend Fälle wurden bislang im Labor bestätigt.
Die WHO geht davon aus, dass der Ursprung des Ebola-Ausbruchs bereits einige Monate zurückliegt. Angesichts der Zeit, die das Virus unbemerkt zirkulieren konnte, müsse mit weiter steigenden Zahlen gerechnet werden.
Mitarbeiter des Roten Kreuzes tragen den Sarg eines Verstorbenen aus einem Haus in Rwampara. Nach WHO-Angaben sind vermutlich schon mehr als 130 Menschen im Zuge der Ebola-Epidemie gestorben.
Experte: Fallzahlen „wirklich dramatisch“
Es müsse angenommen werden, dass der Ausbruch „schon eine ganze Zeit fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte“, erklärte auch der Ebola-Experte Maximilian Gertler von „Ärzte ohne Grenzen“. In einem Interview mit dem rbb nannte er die Fallzahlen beim aktuellen Ausbruch „wirklich dramatisch“.
Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Dort grassiert die seltene Bundibugyo-Variante, gegen die es keinen Impfstoff gibt. In der Region sind verschiedene bewaffnete Gruppen aktiv, Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Viele Gebiete sind zudem schwer zugänglich, das Gesundheitssystem gilt als ausgesprochen schlecht. Auch im benachbarten Uganda gibt es einzelne Fälle.
Hilfsorganisation: Kürzung der Entwicklungshilfe mitverantwortlich
Die Hilfsorganisation IRC macht auch die Kürzungen in der internationalen Entwicklungshilfe mitverantwortlich für die schnelle Ausbreitung. So fehle Geld für Gesundheits- und Vorsorgeprogramme, was auch das frühzeitige Erkennen der Krankheit behindert habe.
Die Diakonie Katastrophenhilfe warnte vor einer weiteren Ausbreitung der Epidemie. Es gebe eine intensive Bewegung von Menschen zwischen den Provinzen. Die Diakonie plane Präventionsmaßnahmen und Infektionskontrollen in Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen in den betroffenen Ländern, zudem solle die Bevölkerung über Risiken durch den tödlichen Virus aufgeklärt werden.
Virologe: „Das wird sicherlich Monate dauern“
Auch Stephan Becker, Virologe von der Universität Marburg, hält vor allem das schlechte Gesundheitssystem in der Region für ein Problem. Wichtig sei aber auch, die Bevölkerung vor Ort über die Risiken und möglichen Übertragungswege aufzuklären, sagte er in den tagesthemen. Als problematisch gelten zum Beispiel in der Region verbreitete Bestattungsriten, bei denen Verstorbene von Angehörigen gewaschen werden. Becker geht nicht davon aus, dass der Ebola-Ausbruch in der Region schnell eingedämmt werden kann, dafür seien die Fallzahlen schon zu hoch. „Das wird sicherlich Monate dauern.“
Ein Notfallausschuss der WHO hatte gestern in Genf getagt. Das Gremium bestätigte laut Tedros, dass es sich bei dem Ausbruch der Bundibugyo-Variante des Virus um einen Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite handele, jedoch nicht um einen pandemischen Notfall, wie bei Corona. Tedros hatte den Notstand am Wochenende ausgerufen – es ist die zweithöchste Alarmstufe.
Anders als Corona kann Ebola nicht über die Luft übertragen werden, sondern nur durch sehr engen Körperkontakt – und das in der Regel auch erst, wenn ein Patient deutliche Symptome hat. Deshalb sehen die allermeisten Experten keine Gefahr einer Pandemie – also einer Ausbreitung über die Region hinaus.
Nur wenige Deutsche in der Region
Laut Auswärtigem Amt hält sich derzeit eine „niedrige dreistellige Zahl“ deutscher Staatsbürger in DR Kongo auf. In Uganda, wo es ebenfalls einzelne Fälle gab, sei es eine mittlere dreistellige Zahl.
Allerdings gibt es auch in Deutschland einen Ebola-Patienten. Bei ihm handelt es sich um einen US-amerikanischen Arzt, der sich bei seiner Arbeit in DR Kongo mit dem Virus infiziert haben soll. Er wurde nach Angaben der Behörden zur Behandlung in die Berliner Charité eingeliefert und befindet sich dort auf einer Sonderisolierstation.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte Deutschland aufgrund der Erfahrungen im Umgang mit Ebola und der kürzeren Flugzeit in die Bundesrepublik um die Behandlung gebeten. Auch die Familie des Arztes wurde nach Berlin gebracht.
