Konzertveranstalter Marek Lieberberg wird 80

Die Geschichte des jungen Konzertveranstalters hätte gleich an ihrem Anfang in einem gewaltigen Scherbenhaufen enden können. Und in der Pleite. Denn Geld hatte er ja noch keines verdient, obwohl er einen ganz dicken Fisch an der Angel hatte. Jedenfalls wollte der damals 24 Jahre alte Veranstaltungsnovize 1970 mit seiner eben gemeinsam mit einem Partner in Frankfurt gegründeten Agentur eine Deutschland-Tournee der britischen Rockband The Who organisieren. Das Quartett galt seinerzeit nicht nur als eine der heißesten Formationen des Planeten, sondern auch als durchaus exzentrisch, mit ihrem Schlagzeuger Keith Moon als Oberexzentriker.
Und dieser Keith Moon hätte die Karriere des jungen Marek Lieberberg mit einem seiner Streiche beenden können, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Für einen Auftritt von The Who in Münster hatte Lieberberg die Band nämlich im feinen Schlosshotel Wilkinghege einquartiert, wo die Gruppe allerdings rausflog, weil Moon einen gewaltigen Kronleuchter in der Hotelhalle als Sportgerät missbrauchte, um sich wie Tarzan durch die Lüfte zu schwingen.
Zum Glück für alle Beteiligten blieb der Leuchter intakt und Moon bei dieser Aktion unverletzt, mit der er nicht nur der Rockgeschichte eine wunderbare Anekdote bescherte, sondern in gewisser Weise auch Marek Lieberbergs Laufbahn Schwung verlieh. Der konnte sich gemeinsam mit seinem damaligen Partner Marcel Avram nach dieser Erfahrung gewiss sein, mit ihrer Agentur Mama Concerts vielleicht auf ein Himmelfahrtskommando gegangen zu sein, doch auf einen guten Ausgang hoffen zu dürfen.
Mit Plakatekleben und Ticketverkauf angefangen
Auf die Idee, Rockkonzerte von Bands wie The Who und dann Deep Purple und Pink Floyd zu veranstalten, war Lieberberg eher zufällig gekommen. Als Sohn zweier polnischer Holocaust-Überlebender vor 80 Jahren am 7. Mai 1946 im sogenannten DP-Lager im Frankfurter Stadtteil Zeilsheim geboren, war er zwar schon als Jugendlicher ein großer Rockmusik-Fan, der in den Sechzigerjahren selbst in Bands wie The Trembles und The Rangers spielte, mit denen er sogar einige Singles veröffentlichte, doch begann er nach dem Abitur erst einmal ein Studium der Soziologie an der Goethe-Universität.
Damit war nach zwei Semestern aber schon wieder Schluss, und Lieberberg absolvierte eine Ausbildung bei der Nachrichtenagentur AP, für die er in Bonn und Berlin arbeitete und dabei auch gelegentlich über Musik schrieb. Diese Erfahrung, dazu noch jene als Mitglied von Bands sowie die örtliche Mithilfe bei der Promotion von Konzerten – sprich Plakatekleben und Ticketverkauf – mussten genügen, um sich auf das Abenteuer Musikgeschäft einzulassen.
Das Wagnis hat sich gelohnt. In den vergangenen fünfeinhalb Jahrzehnten ist Marek Lieberberg zu einem der bedeutendsten Konzertveranstalter Europas aufgestiegen, und es wäre mittlerweile vermutlich einfacher, eine Liste jener Musikstars zusammenzustellen, die er im Laufe der Zeit mit seinen verschiedenen Agenturen noch nicht auf die Bühnen gebracht hat. Mit dem 1971 erstmals organisierten „British Rock Meeting“ half er, die Idee großer Rockfestivals in Deutschland zu etablieren, die er dann von 1985 an mit dem von ihm gegründeten Festival „Rock am Ring“ perfektionierte.
Auch heute noch ist Marek Lieberberg als für die DACH-Region zuständiger Geschäftsführer des Entertainment-Riesen Live Nation eine wichtige Figur im internationalen Musikgeschäft, das ihn zu einem wohlhabenden Mann gemacht hat. Seiner Heimatstadt Frankfurt hat der durchaus streitbare Kunst- und Literaturliebhaber trotz eines Refugiums auf Hawaii in all den Jahren immer die Treue gehalten, auch wenn ihm die Verwaltung immer mal wieder Knüppel zwischen die Beine warf und schon so manches von ihm organisierte Veranstaltungsformat in der Stadt nicht von langer Dauer war. Wenigstens hat die Stadt dem Vater dreier Söhne, die alle ebenfalls im Musikgeschäft tätig sind, im Jahr 2017 ihre Ehrenplakette verliehen – die überfällige Würdigung für einen Impresario, der verlässlich den größten Stars die Bühne bereitet.
