Artenschutz-Tagung beim Opel-Zoo in Kronberg

Auf den Jacken und Shirts der Männer und Frauen, die am Mittwochmorgen in die Kronberger Stadthalle strömen, steht „Zoo København“, „Tiergarten Schönbrunn“, „Mein Zoo Dortmund“ und „70 Jahre Opel-Zoo“. Der Zoo in der Stadt im Taunus richtet in seinem Jubiläumsjahr die Jahrestagung zum Artenschutz des europäischen Zooverbands EAZA aus. Deshalb ist zur Eröffnung der mehrtägigen Veranstaltung vor allem Englisch zu hören – bei den Gesprächen der knapp 150 Teilnehmer im Foyer und vom Podium im Saal.
Dort steht jetzt Christoph König, der Kronberger Bürgermeister. „Kleine Städte haben oft etwas Spezielles, was es sonst nirgends auf der Welt gibt“, sagt der SPD-Kommunalpolitiker. Auf den Wiesen rund um Kronberg seien das schon in den Fünfzigerjahren die Elefanten und Flusspferde gewesen, die Zoogründer Georg von Opel dort gehalten habe. Manche Kronberger hätten damals noch die Stirn gerunzelt. Heute sei Kronberg wegen des Zoos in der ganzen Welt bekannt, meint der Bürgermeister.
Selbstverständlich erwähnt König auch Kaja. Das Elefantenkalb, das am 27. Mai ein Jahr alt wird, war das erste in Hessen geborene Elefantenbaby seit 1968 und damit eine Sensation. Zoodirektor Thomas Kauffels zeigt den Zuhörern in den Stuhlreihen auf der Leinwand über der Bühne historische Fotos. Vorher hat er erwähnt, dass viele Konferenzteilnehmer bei seiner eigenen ersten EAZA-Konferenz im Jahr 1991 noch gar nicht geboren waren. Im Opel-Zoo kam 1965 das zweite Elefantenkalb außerhalb Afrikas überhaupt zur Welt – und bekam den Namen Afrika. An diese Zuchterfolge kann der Zoo mit der jetzigen Herde anknüpfen.
Wie Artenvielfalt dem Menschen nutzt
Simon Bruslund aus dem Zoo Kopenhagen schickt voraus, dass er die Frage nach dem Warum beim Thema Biodiversität eigentlich hasst. Also wenn jemand frage: Warum sollen wir diese Tiere erhalten, was tun sie für uns? Bruslund ist Vorsitzender jenes Komitees im europäischen Zooverband, das sich um den Artenschutz kümmert. Aus seiner Sicht können auch winzige Insekten einfach nur schön sein. Er macht aber auch für alle Zweifler eindringlich klar, warum es wichtig ist, die Vielfalt zu erhalten. Wobei im Saal vermutlich keine Zweifler sitzen. Die Gründe für den Arterhalt aus egoistisch menschlicher Sicht sind jedenfalls Gesundheit, Inspiration und Widerstandsfähigkeit gegen Wandel, zum Beispiel beim Klima.
Ein Beispiel aus der Vielfalt der Arten ist der Mesopotamische Damhirsch. Von dem spricht Jörg Jebram. Er arbeitet als wissenschaftlicher Kurator im Opel-Zoo. Von Anfang an, also seit der Gründung 1956, habe der Zoo zu seinem Erhalt beigetragen, berichtet Jebram. Damals habe das Tier als in der freien Wildbahn ausgestorben gegolten. Seitdem habe sich der Zoo in Kronberg erfolgreich darum bemüht, die bedrohten Mesopotamischen Damhirsche zu züchten – und die Tiere anschließend auszuwildern, etwa in Israel.
Noch bis Freitag treffen sich die Zoo-Fachleute zu Vorträgen und Workshops über Artenschutz. Natürlich besuchen sie auch den Opel-Zoo. Manche werden zum Schluss der Tagung noch zur Grube Messel bei Darmstadt fahren, um die Fossilien des Weltnaturerbes zu sehen.
