VW drohen Milliardenstrafen wegen CO₂-Verstößen in der EU
Emissionsziele
Trotz gelockerter EU-Regeln: VW steuert auf CO₂-Milliardenstrafe zu
Der VW-Konzern rechnet damit, die Emissionsziele der EU bis 2027 zu verfehlen. Das kann teuer für den Autobauer werden: Im Raum steht eine Strafe von bis zu 1,5 Mrd. Euro
Der VW-Konzern rechnet mit Milliardenstrafen, weil er in der EU geltende Grenzen für den CO₂-Ausstoß seiner Fahrzeuge deutlich überschreitet. „Wir erwarten, die CO₂-Ziele für den Dreijahreszeitraum zu verfehlen“, räumte Finanzvorstand Arno Antlitz unter Bezug auf die Jahre 2025 bis 2027 Ende April ein. Antlitz sagte bei der Erläuterung der Geschäftszahlen für das erste Quartal weiter, dass die erwartete Strafe 1,5 Mrd. Euro erreichen könne.
EU-weit gelten seit 2025 Limits für das klimaschädliche CO₂. Danach sollen die Pkw im Schnitt aller Hersteller nicht über 95 Gramm auf 100 Kilometer ausstoßen. Um das Ziel zu erreichen, müssen die Hersteller viele E-Autos absetzen. Obwohl die EU den Herstellern zuletzt entgegenkam und die Regeln gelockert hat, dürfte VW voraussichtlich einer der großen Verlierer des Systems sein. Laut Kalkulationen des Thinktanks ICCT für 2025 war VW unter den großen Herstellergruppen der Produzent, der am weitesten über seinen Zielen lag: Konzernweit dürfen VW-Autos nur 93 Gramm ausstoßen, tatsächlich waren es 102 Gramm. Autobauer BMW hingegen hat es laut ICCT bereits 2025 geschafft, deutlich unterhalb seiner Ziele zu landen.
VW müsste mehr E-Autos verkaufen, als nachgefragt werden
VW hat zuletzt 500 Mio. Euro für Strafzahlungen zurückgestellt. Nach der Lockerung werden Strafen erst Ende 2027 fällig, sodass Hersteller schlechte Zahlen von 2025 mit besseren aus den Folgejahren verrechnen können.
Auch das dürfte laut Antlitz nicht reichen. Der VW-Konzern ist in der EU zwar Marktführer bei E-Fahrzeugen und bringt in diesem Jahr eine Reihe kleiner, bezahlbarer E-Autos rund um den ID.Polo auf den Markt. Um die CO₂-Ziele zu erreichen, müsste der Konzern laut Antlitz aber mehr E-Autos verkaufen, als nachgefragt werden. Dazu kommt: Die E-Autos sind bei VW weniger gewinnträchtig. „Wir müssen abwägen zwischen Geld, das wir wegen CO₂-Strafen verlieren, und Geld, das wir wegen niedrigerer Margen verlieren“, so Antlitz.
Erschienen in Capital 6/2026
