Was Hertha BSC von der SV Elversberg lernen kann


Als sich Hertha BSC im Sommer 2019 anschickte, endgültig in neue Sphären vorzustoßen, als der neue Investor Lars Windhorst seine erste Tranche in dreistelliger Millionenhöhe an die Berliner überwies und Hertha plötzlich im Geld schwamm, da bereitete sich die SV Elversberg gerade auf ihre sechste Saison in der Regionalliga Südwest vor.

Drei Jahre später sind beide Klubs erstmals in der Zweiten Liga aufeinandergetroffen; Hertha kam von oben, Elversberg von unten. Am Sonntag nun haben sich ihre Wege fürs Erste getrennt. Während das kleine Elversberg in die Bundesliga aufgestiegen ist, wird die große Hertha im August in ihre vierte Zweitligasaison starten.

Der sogenannte Dorfverein aus dem Saarland hat dem einstigen, selbst ernannten „Big City Club“ eindrucksvoll gezeigt, wie Erfolg geht.

Natürlich lässt sich die Beschaulichkeit der Provinz nicht ohne Weiteres in die Hauptstadt mit ihren typischen Aufgeregtheiten transferieren. Aber einige der Elversberger Erfolgsfaktoren funktionieren tatsächlich ortsunabhängig: Es hilft zum Beispiel, eine klare Idee davon zu haben, wie man Fußball spielen will, und daraus eine stringente Kaderplanung abzuleiten. Genau daran hat es Hertha seit dem Abstieg im Sommer 2023 gemangelt.

Es braucht eine Mannschaft, um erfolgreich zu sein. Eine Ansammlung von Individualisten, und mögen sie nominell auch noch so gut sein, reicht nicht.

Stefan Hermanns über Hertha BSC

Stefan Leitl, der Trainer der Berliner, hat mit Blick auf die kommende Saison trotzdem schon gesagt, dass ein Klub wie Hertha immer den Anspruch haben müsse, um den Aufstieg zu spielen. Aber ein großer Name allein schießt keine Tore. Hertha besitzt keinen Rechtsanspruch auf die Zugehörigkeit zur Fußballbundesliga.

Zumal es mit jedem Jahr in der Zweiten Liga schwieriger wird. Klotzen können die Berliner schon länger nicht mehr. Stattdessen wird es zur kommenden Saison weitere Einschnitte geben, mutmaßlich auch einen personellen Aderlass und damit verbunden einen Verlust an fußballerischer Qualität.

Die Risiken sollte Hertha nicht unterschätzen. Dass in der Zweiten Liga extreme Ausschläge möglich sind, hat nicht nur die SV Elversberg gezeigt. Fortuna Düsseldorf ist 2024 nur denkbar knapp in der Relegation zur Bundesliga gescheitert und hat auch in der vergangenen Saison lange um den Aufstieg mitgespielt. Am Sonntag sind die Düsseldorfer in die Dritte Liga abgestiegen.

Die Gefahr ist Hertha am Sonntag durch das desaströse 1:6 gegen den Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld drastisch vor Augen geführt worden. Es braucht eine Mannschaft, um erfolgreich zu sein. Eine Ansammlung von Individualisten, und mögen sie nominell auch noch so gut sein, reicht nicht.

Einige dieser Individualisten werden den Klub im Sommer wohl verlassen, weil sie sich zu Höherem berufen fühlen. Das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten war in der gerade zu Ende gegangenen Saison übrigens eines der Probleme von Hertha.



Source link

Ähnliche Beiträge