Regionalwahl in Andalusien: Spaniens konservative Volkspartei verliert absolute Mehrheit
Die konservative Volkspartei hat bei der Regionalwahl im südspanischen Andalusien ihre absolute Mehrheit eingebüßt. Die Partido Popular (PP) kam mit ihrem Spitzenkandidaten, Regionalregierungschef Juanma Moreno, auf 53 der 109 Sitze im Parlament in Sevilla. Das gab die Wahlkommission nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmten bekannt. Das sind fünf Mandate weniger als vor vier Jahren. Die PP ist nun in der Regionalregierung der bevölkerungsreichsten autonomen Gemeinschaft Spaniens auf die rechtspopulistische Vox angewiesen.
Vox konnte laut Wahlkommission einen Sitz hinzugewinnen und verfügt künftig über 15 Abgeordnete im Regionalparlament in Sevilla. Die Sozialisten (PSOE) des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez kamen in ihrer früheren Hochburg auf nur noch 28 Sitze – das sind noch zwei weniger als bei der Wahl 2022, ein historisch schlechtes Ergebnis. Das linke regional-nationalistische Bündnis Adelante Andalucía verbesserte sich von bisher zwei auf acht Sitze, das linke Wahlbündnis Pro Andalucía stellt erneut fünf Abgeordnete.
Der Verlust der absoluten Mehrheit für die PP bedeutet einen Rückschlag für Moreno, der weniger konfrontativ und aggressiv als die konservative Partei auf nationaler Ebene auftritt. Auch in anderen Regionen Spaniens ist die PP bereits auf Vox angewiesen: So verliefen auch die Wahlen in der Extremadura im vergangenen Dezember, in Aragón im Februar und Kastilien und León im März. Dort wurde die PP ebenfalls jeweils stärkste Kraft, kann aber nur mit den Stimmen von Vox regieren.
Koalition zwischen Volkspartei und Sozialisten höchst unwahrscheinlich
Andalusien war rund 40 Jahre lang eine Bastion der Linken. 2019 übernahm jedoch die PP die Regierung. Eine Koalition zwischen PP und den Sozialisten ist in Spanien bisher sehr unwahrscheinlich, weil beide Parteien sehr gegensätzlich sind.
Der Wahlkampf war dominiert von wirtschaftlichen Themen: Es ging unter anderem um die wieder anziehende Inflation auch infolge des Irankriegs, Defizite im Gesundheitswesen, fehlenden Wohnraum sowie die Einwanderung über das Mittelmeer. Auch die Arbeitslosenquote war ein zentrales Thema. Sie liegt in Andalusien bei knapp 15 Prozent und damit etwa fünfeinhalb Prozentpunkte höher als im Durchschnitt Spaniens.
Andalusien ist mit über zehn Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste autonome Gemeinschaft Spaniens, jedoch mit einem niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen als im Durchschnitt des Landes. Der Tourismus und die Landwirtschaft sind die wichtigsten Wirtschaftszweige, aber auch die Industrie und Solarstromerzeugung werden immer wichtiger.
