Tirschenreuths neuer FW-Landrat unter Druck: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage – Bayern


Die Regensburger Staatsanwaltschaft hat gegen den gerade ins Amt gewählten Tirschenreuther Landrat Anklage erhoben. Das hat sie der SZ bestätigt. Sie wirft Hubert Schicker (Freie Wähler) vorsätzliche Insolvenzverschleppung in zwei Fällen, vorsätzliche Verletzung der Buchführungspflicht in vier Fällen, vorsätzlichen Bankrott sowie Vorenthalten von Arbeitsentgelt in 31 Fällen vor.

Schicker war Geschäftsführer zweier Autoteilefirmen. Das Amtsgericht Regensburg schreibt auf Anfrage, dass über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung bisher nicht entschieden wurde. Mit einer Entscheidung sei innerhalb der nächsten acht Wochen zu rechnen.

Auf eine Anfrage der SZ bezieht Schicker zu den Vorwürfen Stellung. „Die Justiz ist unabhängig und wird ermitteln, was zu ermitteln ist. Aber die Anklage ist bisher nicht zugelassen – und von einer Verurteilung sind wir da auch noch weit weg“, sagt er. Für den Landrat gilt bis zu einer möglichen Verurteilung durch ein Gericht die Unschuldsvermutung.

Hubert Schicker ist der neue Landrat von Tirschenreuth.
Hubert Schicker ist der neue Landrat von Tirschenreuth. Foto: Freie Wähler

Der Vorgang ist dennoch politisch brisant. Mitte März wurde zunächst nur ein kleiner Teil der Vorwürfe gegen Schicker bekannt. Damals war die Rede von lediglich einer möglichen Insolvenzverschleppung. Keine Rede war von zwei Fällen oder den anderen Vorwürfen wie dem Vorenthalten des Arbeitsentgelts. Schicker befand sich zu diesem Zeitpunkt mitten im Wahlkampf.

Er und Alt-Landrat Roland Grillmeier (CSU) mussten wenige Tage später in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Den Wahlgang vorher hatte Grillmeier mit 42,2 Prozent gewonnen, Schicker kam auf 30,6 Prozent der Stimmen. In der Stichwahl allerdings konnte sich Schicker knapp mit 51,2 Prozent durchsetzen und wurde damit – für viele überraschend – zum Landrat gewählt.

In einem TV-Interview wenige Tage vor der Stichwahl hatte Schicker gesagt, die Anklage sei ihm seit Rosenmontag bekannt, also seit dem 16. Februar 2026. Schicker sagte in dem Interview weiter, er wolle sich auf den Wahlkampf konzentrieren und diesen nicht wegen der Anklage „unterbrechen“. Auf die Frage des Moderators, ob da noch mehr komme, was die Wähler wissen sollten, antwortete Schicker: „Kurze Antwort: nein.“

Im Wahlkampf hatte er stets seine Wirtschaftskompetenz betont

Zu diesem Zeitpunkt, so sagt Schicker es nun im Gespräch mit der SZ, habe er nicht gewusst, dass noch weitere Vorwürfe auf ihn zukämen. Die Staatsanwaltschaft Regensburg teilte jedoch auf Nachfrage mit, dass bei der Anklageerhebung am 3. Februar bereits alle bekannten Anklagepunkte enthalten waren. Also eben schon die vorsätzliche Insolvenzverschleppung in zwei Fällen, die vorsätzliche Verletzung der Buchführungspflicht in vier Fällen, der vorsätzliche Bankrott sowie Vorenthalten von Arbeitsentgelt in 31 Fällen.

Schicker beschwert sich im Gespräch mit der SZ darüber, dass seit Mitte März dieses Thema immer wieder „aufgekocht“ werde, obwohl es andere wichtige Themen in seinem Landkreis gäbe. Unmut von seinen Wählern verspüre er nicht, er sei jeden Tag unterwegs und erhalte viel Zuspruch.

Der 47-Jährige hatte sich im Wahlkampf Anfang des Jahres auch immer wieder mit seiner von ihm selbst betonten Wirtschaftskompetenz profiliert. In Posts auf Instagram inszenierte er sich als Macher, der „weiß, worum es geht“ und die „Ärmel zurückkrempeln“ könne.



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