Deutsche Entwicklungshilfe – Weiter massive Probleme bei der GIZ
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Die Entwicklungsorganisation GIZ kämpft nach einer Softwareeinführung weiterhin mit massiven Problemen. Zuletzt stellte sogar die DHL den Expressversand von Paketen für die Organisation zeitweilig ein.
Deutschlands größte Entwicklungsorganisation, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), leidet nach einer Softwareeinführung weiterhin unter massiven Problemen. Nach WDR-Recherchen hat das Unternehmen weltweit anhaltende Schwierigkeiten mit der Organisation von Zahlungsabläufen und unbeglichenen Rechnungen.
Zuletzt stellte in Deutschland sogar die DHL den Expressversand von Paketen aus der Unternehmenszentrale im hessischen Eschborn aufgrund einer Kontosperrung zeitweilig ein, wie der WDR aus Unternehmenskreisen erfuhr. Eine Sprecherin bestätigte den Vorgang auf Nachfrage. Inzwischen seien aber im Hinblick auf die DHL „alle ausstehenden Rechnungen bereits beglichen, sodass der Expressversand von Eschborn wieder möglich ist“, hieß es.
Das Staatsunternehmen mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro, das im Auftrag der Bundesregierung weltweit Entwicklungsprojekte in über 100 Ländern umsetzt, kämpft seit Jahresbeginn mit gravierenden Folgen einer komplexen Softwareumstellung, die offenbar nicht geglückt ist.
Zuerst hatte im März die Welt darüber berichtet, nachdem Anfang des Jahres zeitweise unsicher war, ob die GIZ ihren weltweit über 23.000 Mitarbeitenden überhaupt die Gehälter zahlen könnte. Das Unternehmen hatte sich daraufhin zuversichtlich gegeben, „die Probleme schnellstmöglich zu lösen.“
Noch monatelange Auswirkungen
Nach Recherchen des WDR rechnet man allerdings unternehmensintern inzwischen noch mit monatelang anhaltenden, teils gravierenden Folgeproblemen. Demnach sammeln sich derzeit in der Unternehmenszentrale weiterhin große Berge an Rechnungen an, die nicht auf den eigentlich dafür vorgesehenen Wegen beglichen werden können.
Unter anderem hat sich ein Zahlungsrückstau ergeben, den die GIZ nun teils händisch abarbeiten und später in die Buchhaltungssysteme einarbeiten muss. Hinzu kommt, dass die GIZ aufgrund von Mittelkürzungen unter Druck steht und insgesamt weiter Personal abbauen muss.
Aus dem Unternehmen erklärte eine Sprecherin auf Anfrage, die Abrechnungsprozesse und Software seien „grundsätzlich funktionsfähig“ und werden aktuell „kontinuierlich verbessert“. Die technischen Schwierigkeiten seien mittlerweile weitgehend behoben. Auch seien die „ausstehenden Rechnungen in Bearbeitung und werden so schnell wie möglich abgearbeitet. Dies wird noch Zeit in Anspruch nehmen.“
Ein Sprecher des SPD-geführten Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung teilte mit, die GIZ arbeite „mit Hochdruck an der Begleichung noch ausstehender Zahlungen und einer Effizienzsteigerung der Zahlungsprozesse.“
Keine Bonuszahlungen
Die Einführung der Software noch im Jahr 2025 gehörte nach WDR-Recherchen zu den Jahreszielen des Vorstands der GIZ, an deren Erreichen auch die Auszahlung von variablen Erfolgsboni an die Vorstandsmitglieder geknüpft ist. Auf Anfrage hieß es aus dem Unternehmen dazu: „Inhalte von Jahreszielen betrachten wir generell als vertraulich.“ Für 2025 seien jedoch bisher noch keine variablen Vergütungen ausgezahlt worden.
Ob die Erfolgsboni an den Vorstand ausbezahlt werden, darüber muss erst noch entschieden werden. Nach WDR-Informationen soll der Vorstand der GIZ unter dem ehemaligen SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel allerdings bereits gegenüber der Bundesregierung mitgeteilt haben, dass das Vorstandsziel der erfolgreichen Softwareeinführung nicht erreicht sei und daher dafür auch keine Bonuszahlung beansprucht werde.
Vorausgegangen war der Software-Einführung eine Anpassungszeit von mehreren Jahren – begleitet von Millionenverträgen für externe Berater, die das Unternehmen bei der Implementierung der Software unterstützen sollten. Im November 2025 hatte es dann eine Sitzung der Unternehmensspitze gegeben, bei der trotz kritischer Stimmen nach langem Wägen die Einführung des Programms SAP-S/4HANA schließlich beschlossen wurde.
Ein 100-Millionen-Euro-Projekt
Hinter der Softwareumstellung steht ein komplexer Umzug auf ein neues Softwaresystem der Firma SAP. Für die Einführung dieser Software bei der GIZ waren insgesamt über 100 Millionen Euro ausgegeben worden.
Allein rund 40 Millionen Euro gingen nach WDR-Informationen an externe Berater der Beratungsfirma EY Consulting, die den Prozess unterstützen und bei der Umstellung auf die neue Software helfen sollten. „Aus vertraglichen Verschwiegenheitspflichten können wir uns zu Details unseres Mandats nicht äußern“, schrieb ein Sprecher von EY auf Anfrage. Der Softwarehersteller SAP bat „um Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zu einzelnen Kunden oder generellen Auftragsvolumina der öffentlichen Hand äußern.“
