USA kündigen Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland an – Politik


Er hat ein paar Mal geschimpft und gedroht – und jetzt macht er Ernst. US-Präsident Donald Trump will tatsächlich amerikanische Truppen aus Deutschland abziehen. Das kündigte Sean Parnell, der Sprecher von Verteidigungsminister Pete Hegseth, am Freitagabend an. Zunächst geht es offenbar um 5000 der gut 36 000 US-Soldaten, die bislang auf deutschem Boden stationiert sind. „Wir erwarten, dass der Rückzug in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein wird“, sagte Parnell.

Die US-Regierung eskaliert damit einen Streit mit ihren europäischen Nato-Partnern, vor allem aber mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dessen Aussage, die Amerikaner hätten im Iran-Krieg keine Strategie und würden von Teheran „gedemütigt“, hat Trump offenbar sehr persönlich genommen. Womöglich auch deshalb, weil an dem, was Merz sagte, mehr als ein Fünkchen Wahrheit dran ist. Ob es deshalb strategisch klug war, es auszusprechen, ist eine andere Frage. Da dieser US-Präsident jedenfalls auf Basis persönlicher Sympathie und Antipathie regiert, die teils im Minutentakt die Seiten wechselt, hat Merz jetzt vorerst ein Problem. Und mit ihm Deutschland und Europa.

Ein nicht unerhebliche Rolle könnte ein Telefonat von Donald Trump und Wladimir Putin spielen

Während Berlin in den zurückliegenden Tagen versucht hatte, die Wogen so gut es eben geht zu glätten, schien sich der Ärger im Kopf des US-Präsidenten immer weiter selbst zu verstärken. Erst schrieb Trump auf seinem üblichen Kanal, Merz habe keine Ahnung, wovon er spreche, dann teilte er mit, er „erwäge“ einen Truppenabzug aus Deutschland. Anschließend warf er dem Bundeskanzler vor, im Ukraine-Krieg bislang „völlig wirkungslos“ gewesen zu sein. Auch die Ankündigung erhöhter Einfuhr-Zölle gegen europäische Autos am Freitagnachmittag darf man unter anderem als Gemeinheit gegen die deutsche Volkswirtschaft interpretieren – und damit als Teil der Rache an Merz. Dieser hatte unter der Woche gesagt, sein persönliches Verhältnis zu dem amerikanischen Präsidenten sei aus seiner Sicht „unverändert gut“. Wenn es so sein wollte, hat es jedenfalls nicht geholfen, den Beschluss dieses Truppenabzugs zu verhindern.

Ein nicht unerhebliche Rolle könnte allerdings auch ein Telefonat gespielt haben, das Donald Trump unter der Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt hatte. Trump bezeichnete es als „lang“ und „gut“, er habe Putin eine Waffenruhe nahegelegt, „und ich glaube, er könnte das tun“, sagte Trump. Nicht auszuschließen ist, dass Putin als Preis für diese Waffenruhe unter anderem etwas forderte, was Trump ohnehin schon angedroht hatte: die Reduzierung der Zahl amerikanischer Soldaten in Europa. Trump hatte zuletzt auch über einen Abzug von US-Soldaten aus Italien und Spanien laut nachgedacht.

Laut dem Wall Street Journal soll nun die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten auf das Niveau von 2022 zurückgeführt werden – vor Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Offiziell begründete Pentagon-Sprecher Parnell die Entscheidung damit, dass die USA die Verteilung ihrer Kräfte in Europa „einer Überprüfung“ unterzogen habe. Ende vergangenen Jahres waren nach staatlichen Angaben etwa 68 000 amerikanische Soldaten auf europäischen Stützpunkten stationiert, davon mehr als jeder Zweite in der Bundesrepublik.

Trump schimpft seit Wochen über die europäischen Nato-Partner der USA, weil er findet, dass sie ihn mit seinem Iran-Krieg im Stich lassen und nicht bei der Sicherung der Straße von Hormus helfen würden. Die Europäer verweisen darauf, dass sie vor Beginn des Angriffs nicht von Washington informiert oder gar konsultiert worden seien. „Das ist nicht unser Krieg“, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Der Satz brachte es zum „Zitat des Tages“ in der New York Times.

Dass Donald Trump die Verkleinerung der US-Truppenstärke in Deutschland in den Raum stellte, war keine vollkommen neue Entwicklung. Schon im Jahr 2020, während seiner ersten Amtszeit, hatte Trump angekündigt, 12 000 Soldaten aus Ramstein und anderen Standorten abziehen zu wollen. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne nicht nur, nach Beginn des Ukraine-Krieges 2022 stockte er die amerikanische Truppenpräsenz in Deutschland vielmehr auf.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll in den kommenden Monaten nun also ein Brigade-Kampfteam aus Deutschland abgezogen werden. Gleichzeitig sei im Pentagon beschlossen wurden, die für dieses Jahr geplante Entsendung eines Fernfeuerbataillons abzusagen.



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